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Donnerstag, 22. Dezember 2016

Orientierung

Orientierung

Hinter mir das Morgen.

Aus der Erinnerung steigen
entfärbte Farben,
verwehender Duft,
Menschen mit ungerichtetem Blick.

Abendrot und
Wolken aus Schmetterlingsflügeln.

Es ist nicht Traum,
und Leben nicht ganz.

Es schwebt herauf,
und in der Luft ein Zittern.

Klaus Wachowski  22.12.16

Sonntag, 11. Dezember 2016

Weg hinaus



Dr. Smirc geht die Allee der entblätterten Bäume entlang.

Aus dem lila sich färbenden Himmel die verführerische Stimme des Schmerzes.

Ein alter Trump scherzt mit seiner Wut einen Whiskey Egomanie.

Dr. Warnix ruft gebiterisch: „ Barmherzigkeit! “

Der Alte lacht und macht weiter Wut und Scherz.

In den Wellen des Mittelmeeres ertrinkt ein Mensch in Ohnmacht und Gottes Trauer.

Aus den lila umflorten Wolken dieses Abends fällt erster Schnee in die Wichtigkeiten.

So denken wir an Dich.


Klaus Wachowski 11.12.16

Dienstag, 6. Dezember 2016

Baum im Winter

Spassiba, meint Dr. Smirc, aber mein Baum: sieh ihn Dir an. Es wird nie mehr so sein. Wenn so ein starker Ast erstmal abgebrochen ist. Mir scheint, als hätte ein riesiger Schmerz ihn getwistet. Jetzt sind alle Blätter gefallen. Und keiner kann sie wieder anheften.
Dr. Warnix, Psychagog und Schmalhans bei allen Küchenprofis, holt tief Luft: "Ich habe keinen Trost als die Umarmung eines Freundes.
Vielleicht hilft Dir der Gedanke an die stete Wiederkehr des gleichen."
Smirc: " Ja, ja: der Frühling wird helfen, da ist noch Kraft in Stamm und Wurzel, und nachwirkende Hoffnung aus dem Leuchten der Erinnerung. Ich sage das Ja eines Jeziden zu Gott und den Dank eines Monotheisten.
Aber dann wird auch all dies zum Ende kommen. Es wird nie mehr sein."
Warnix: "Jetzt mal langsam. Der Schmerz ergießt sich dunkel über den Tag in die Erinnerung von Tagen. Aber Nichts wird nie sein. Aus der Zukunft stürzt Werden und Verwandlung in den Verlust. So groß er sei, da wird Wandel sein und neu, was anders war.
Die Ewigkeit von Existenz ist nicht Trost in der Vernichtung des Ich und seiner Sehnsucht im Verlust.
Aber wenn auch alles aufgelöst sei, so gibt es doch immer wieder Geborenwerden eines Neuen und vieler. Erfüllt es Dich nicht mit einer 3-Grad Hintergrundstrahlung von Freude, dies zu erleben, einst erlebt zu haben?"
Smirc: "Ich werde nicht sein!"
"Ja, der Ast wird nicht mehr wachsen. Aber was Du warst, wird weiter sein. Nicht Staub. Staub von Sternen! Und dies war jener Ast. Ihr werdet sein, was ihr wart, Teil - von Allem."
Smirc denkt: "Was ist denn der Unterschied zwischen so einem Verständnis und dem eines Atheisten?" Nun ja, er glaubt nicht an Gott sondern an ein Irgendwas, an das Nichts dessen, was das Dasein ausmacht.
Dr. Smirc wirft Gott einen Euro in den Pappbecher. Sie gehen schweigend nebeneinander her. Gott ruft ihnen einen schönen Tag hinterher. Das war zwar nicht gerade eine Weihnachtskugel, für einen Glühwein reicht es aber noch.
Hoffen wir ihnen Frühling und Trost.
Klaus Wachowski       4.12.16
P.S.:
Am Scheideweg erhebt sich die Frage, ob ich angekommen bin und, wohin ich weiter will. Es zeigt sich, dass die Zukunft außer Zukunft nichts zu bieten hat und die Erinnerungen der Vergangenheit stark rosten. Stärker als damals in den von der Hoffnung gepeitschten Zeiten stellt sich die Vermutung ein, es wäre für den mit Vernunft begabten Menschen doch wohl angemessener, der Ewigkeit mit den offenen Augen der Gegenwart zu begegnen.
Du siehst dem Wunder der Liebe, Freundschaft, des Lebens gegenüber den Verlust von Liebe, Freundschaft und Leben. Wenn Du nicht gerade Buddhist bist, wirst Du beim Ja bleiben und dankbar. Oder, wenn Du enttäuscht bist, sagst Du Nein.
Mag Dir im Verlust noch genügend Liebe und Erinnerung bleiben zum Ja.
Ich meine: Geboren sein lohnt.
6.12.16

Dienstag, 22. November 2016

Domnapf

Am Domnapf blüht der Wolframsleuchter.

Siehe

http://karlsruheseltsam.blogspot.de


Freitag, 18. November 2016

Wächter der Liebe,


Wir alle sind Wächter der Liebe,*
zu bewahren den Raum vor Einsamkeit.

Wir sprangen hinaus
in die Horizonte und Triumphe des Abenteuers.
In die Arme der Lust.

Es werde Ich.

Und in der Rose der Brodem des Drachen.
*
Wir siegten, verloren und flohen getroffen.
Nun schlafen wir im Schatten der Pforte.

Weh! Der Drache Einsamkeit.
Ach Liebe!
*
Wir alle sind Wächter der Liebe.
Laß uns einander verzeihen
das Kämpfen, das Fliehn!


*: auf eine Entdeckung von Linda Gray Sexton

Treiben



Ich rudere nicht,
Ich treibe.
Ein Strom, eine Strömung im Fluß,
Vom Ufer gerissen,
Treibend.
*
Wohin auch rudern?
Wozu?
*
Es ist erfüllt von Farbe, das Leben
Und grau,
Und Regen regnet bis die Sonne scheint.

Traurig und froh
Ist es,
Zu treiben in Gott.

- Versuch der Antwort
an einen Skorpion von einem Wassermann -

18.11.16 Klaus Wachowski

Donnerstag, 17. November 2016

Eltern

Mit Schmerz, nicht mit Schmutz beworfen

Donnerstag, 10. November 2016

Jahr des Hool

Im Jahr der Barmherzigkeit gewinnen Haßpredigten Wahlen

Eine Bewegung der Unbarmherzigkeit hat die Welt ergriffen. Du glaubst doch nicht, daß der Obdachlose eine Chance hat, wenn er den Kriterien der Bruderschaft vom Stammtisch nicht entspricht!

Elf - Egalite, Liberte, Fraternite

Der Anspruch auf Gleichheit vor dem Gesetz schützt den Egoismus zwar vor dem Untergang, hindert ihn aber auch an der Entfaltung.

Auch in der Freiheit ist der Egoist zu Hause. Aber solange er nicht Hai ist, ist es beschwerlich bis elend.

In der Brüderlichkeit der "wahren" und "reinen" Nation, Rasse, Klasse, Kirche vereinigt er sich mit den anderen Egoisten "seiner Art". Der Nachteil an Verlust von Freiheit gleicht der Zuwachs an Sicherheit aus, den die Herrschaft über "Andere" verschafft. Er braucht keine Barmherzigkeit, hat er doch das Versprechen seiner Kameradschaft.
Menschlichkeit, Barmherzigkeit für Andere ist ihm nicht nur seltsam, krank oder unwirtschaftlich, sondern -wie der Nazi nach Logik des Ork verlauten läßt- defaitistisch, Verrat (auch "wahre" Sozialisten sollen sich derart geäußert haben.)
*
Der Du Mensch bist, sei es nicht "zuerst mal hier", sondern dort, wo Menschen sind.

Auch die Zeit der Freiheit war nicht gut für die Menschlichkeit. Aber unter den Plagen des Dschungels konnte auch sie sich entfalten - wie leider auch Bosheit und Haß.

Unter Gleichen hatte sie ebenfalls ausreichend zu tun, insbesondere um den Abweichenden gegen die Verfolgung zu helfen.

Aber in der Bewegung des Ego ist sie das erste Opfer.

Sie hat  d a s  nicht gewollt.
*
Was kann sie tun?

Gegen Wellen setzt man Wellenbrecher ein; schwimmt die Gewalt wie der Fisch im Wasser, versuche man es zum Kochen zu bewegen.

Wie die Bewegung des Ich-zuerst zur Herrschaft kam, indem sie das Vertrauen zerstörte, Mehrheiten gegen Minderheiten hetzte, Einzelne dem Haß vorwarf, um schließlich die isoliert umhertreibenden Ängste unter dem einen Haß gegen das Projekt Mensch, gegen das Projekt Person zu einigen,
kann die Menschlichkeit der Bewegung des Hasses begegnen, indem sie aus der Bewegung wieder die Einzelnen macht, aus deren freiwilliger Unfreiheit sie gegossen ist. Indem sie den einzelnen Haß, seine Angst und Unbarmherzigkeit zeigt, und in den anderen Einzelnen wieder das Gefühl des Mitleids und der Gleichheit der frei Geborenen weckt.

Ein weit gespanntes Projekt über die Jahrhunderte immer weiter neu. Es ist wie in meiner Stadt: als wären die Straßen dazu da, dem Bau unaufhörliche Beschäftigung zu geben. So dem anständig gebliebenen in den Straßen des Ich-Ich, die nun umgetauft werden in das "Wir zuerst".

Klaus Wachowski 10.11.2016

Mittwoch, 9. November 2016

11 2016

Als Kind sah ich in eine düstere Vergangenheit,
Als Alter  in eine düstere Zukunft.
Eben, weil sie sagen: "Wie schön!" und:" Nicht  schlimm!"

Freitag, 4. November 2016

Philipp Roth schweigt

Philip Roth lernte ich erst mit 60 Jahren etwa kennen. Sein Roman über die "schwarzen Gestalten" hatte mich sofort überzeugt. Die Sprache eines freien Mannes. Die Welt ohne Wischiwaschi von aufgeblähten romantischen Vorstellungen. Ich selbst liebe das Pathos, im Roman hätte ich es gerne klar und mit viel Platz für die eigene Vorstellung.

Ich lese nicht gerne Romane, weil die Kopie des Lebens mir oft langweiliger erscheint als das Leben selbst. Manche Romane spiegeln aber etwas anderes: den Blick einer Person in das Leben. Das gefällt mir manchmal.

Schade dass Philipp Roth jetzt aufhören will mit dem Schreiben. Das kenne ich nur noch von Robert Walser. Ich verstehe das nicht.

Wer schreiben muss, der muss doch einfach schreiben. Vielleicht nicht gleich veröffentlichen. Aber man möchte doch auf seinen Gesang die Stimmen anderer hören. Natürlich auch deren Beifall.

Schade dass Philipp Roth nun aufhören will zu schreiben. Ich hätte doch gern erfahren, was ein kritischer Kopf zum Leben ab 80 zu einzuwerfen hat. Denn die Meinung eines Mannes, eines kritischen Kopfes zum Leben ist manchmal interessanter als das Leben selbst, das wiederum zumeist interessanter ist als die vielfältigen Kopien mit eigenen Späßchen in Romanen der Weltliteratur. Ich bedaure das. Aber vielleicht werde ich auch nicht so alt, dem Leben und dem Tod ohne den Erfahrungsschatz eines klugen Mannes zu begegnen.
Nobelpreis hin oder her.

4.11.2016

Sonntag, 23. Oktober 2016

Ein Kiesel



Die Stimmen von Muezzin und Rabbi sind hinter der nächsten Kurve der Zeit verklungen. Da donnern die Glocken unter die Erde. Mächtige katholische Walzen, die Gott die Bedingungslosigkeit seiner Gnade nicht abnehmen. Der steht am Eingangstürl und läßt erst mal dem Atheisten den Vortritt. Sie schweigen.

Aber wer schlendert denn da fröhlich plaudernd durch die Gräber? Der bekannte Dudler Reinhard Mey rührt ein Bißchen zarte Langeweile in den Samstag der SZ ein. Er plauscht von Ewigkeit und Schönheit, wie man es kennt. Kein Sterbenswörtchen säumt seinen Vortrag.

Schicksal der Auftragskunst: "Mal doch mal wieder was Schönes!-"
*
Du aber findest tiefer im Sand einen Kiesel.
Du schlägst ihn auf. Er splittert.
Nach innen zu ist der Kristall dunkler, bis schwarz.
Da war eine Höhlung.
Dem aufgebrochenen Schmerz entfloh die Trauer.

Du nimmst den Stein in die Hand.
Aus der Erwärmung spricht es: "Laß mich!"

*

Ein Ewigkeitsgeschwätz.
Schmerz hat kein Ende, Liebe hat kein Ende. - In der Zeit.
Die Ewigkeit hat noch etwas mehr zu bieten:
Gegenwart, Erinnerung, Hoffnung, Gehen und Vergehen.

Gott meint: "Laß doch den Plauderer!" Du guckst doch auch RTL!
Und Richard sagt: "Srebrenitza."

Ich berühre die Erde.
Ich lege den Kiesel in die Erde zurück.

23.10.2016 Klaus Wachowski