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Montag, 23. Februar 2015

wichtig

"Wichtigkeit kennt keine Grenzen", singt Hape Kerkeling in einer gelungenen industriellen Komödie.

Auf dem Weg zur Pause trage ich wichtig, wichtig meine Baskenmütze durch Schüler- und Elterschaften. Auch sie präsentieren sich wichtig.

Die kleine Pocahontas Schbribl zum Beispiel erklärt: "Das ist eine Glaubenssache. Das hat Frau X doch gesagt!" Karl, von dem die Mutter meint, er übernehme jetzt bald die Führungsrolle legt Orcan den Arm um die Schulter: "Stimmt nicht! Gott ist der Vater des Glaubens! " Orcan denkt:" Blödsinn. Der Held ist Mohammed." Vater des Glaubens? Als Evangelischer meine ich, er habe wohl vom Papst gesprochen.

Kein Wunder, bei so einem Wetter kann man nicht einfach nur sein und Sein genießen.

Das Ordnungsamt patrolliert. Einer, der immer wieder Bußgeld zahlen muss, beobachtet die beiden.

Wichtigkeit von allen Seiten. Die Würde des Menschen flüchtet.

Vorsichtig schaue ich nach oben. Auf wessen Kopfbedeckung landet wohl der Taubenschiß?

Siegel der Exzellenz.

23.2.15

Freitag, 20. Februar 2015

Vorschlag Freundschaft



Wer das Leben trotz allem als Wunder erfährt.
Für den hier ein Vorschlag.

Ich habe einmal mein Leben in Beziehung zu meinen -leider vielen- gestorbenen Freunden betrachtet. Vor einem halben Jahr hiess dies:
R 3.702 Tage älter als ich, wurde 5 Jahre älter als ich bin. Ist schon Jahre tot.
K 1.339 älter wurde 1 Jahr und 9 Monate älter als ich bin. Vor Jahren.
RW Rd 3.000 Tage älter 1 Jahr und 3 Monate jünger als ich bin verstorben.
Pp.

Was ist mit den gescheiterten Freundschaften?

Was könnte mein geliebter Jean Paul mir aus seinem früher beendeten Leben noch als Erfahrung mitteilen. Könnte ich, der jetzt ältere ihm etwas erzählen?
Virginia Woolfe, verehrt für Wort und Haltung. So viel jünger verstorben!
Wie jetzt noch reden, mit wem? Worüber.
Freunde erscheinen mir nun als Vorbereitung auf den Menschen.

Einsamkeit hat viele Bedeutungen.
Im Alter geht der Schmerz über in Verwirrung.
Er ermöglicht Dankbarkeit für das Wunder, Freundschaft und Liebe leben und gelebt haben zu dürfen.

Samstag, 14. Februar 2015

Dos Gardenias

Der Oberiut singt einen Filin mit Ruben Gonzales. Dos gardenias para ti. Jean Paul und Virginia lassen Blumen die ouse hinab schwimmen. Für Ryonosuke Akutagawa.

Mittwoch, 11. Februar 2015

Tod, wo ist Dein Sieg?


Über einem Wiesenhügel bei Fulda bricht plötzlich die Wolkendecke auf.
"Der Tod lügt," sagt die Frühlingssonne mitten im Winter, wohin der Tod sein brutales Nein gesetzt hatte.

M ist gestorben. Wir werden ihr nicht gerecht. Wir wären es gern gewesen.

Bleibe mir mit Deinen Wahrheiten und mit Deinem Pathos vom Leib. Sie war ein Mensch, nehmt alles nur in allem.

Ihr Foto strahlt den Beginn eines aufmunternden harten Lächelns aus. Sie konnte es nicht mehr vollenden. Zu viel Härte kam von oben.

Die Frühlingssonne mitten im Winter nimmt sie zurück. Dem Tod gibt sie die Antwort der Geburt an die Welt:"Sei!"

Und ist nicht das Leben?
Ist nicht der Mensch?
Und: Sind denn Tod und Lüge?

Plötzlich Gesang der Frühlingsvögel.

Zum Geburtstag.-

Sonntag, 8. Februar 2015

Echt primitiv das Leben


Das Holz grob gestrichen, dunkel nach Geschmack der Senioren in den 50ern. Das Bild an der Wand, primitiv nachgemalt nach Kaufhausvorlage. Die Gespräche, primitive Nachahmungen der Gespräche der Alten. Und Abkassieren. Super!
 
Das Geräusch des Baches ist wie eine Erzählung aus dem Märchenbuch Leben. Helles Wasser über schattigen Vertiefungen. Und über uns erstes Gezwitscher von Meisen.
Ja, aus den grauen Wolken fällt noch Schnee in winzigen Kugeln. Wie auch Streifen von Depressionen in unsere Erwartungen einschießen. Aber das Moos leuchtet schon ab und zu auf im Sonnenlicht. Und so unser Alltag unter neuer alter Hoffnung.
Am Nachbartisch zwei Alte. Sie erinnern in ihrer stillen Gemeinsamkeit an Herrn und Frau Platz aus der Nachbarschaft. Ein selten synchrones Familienleben. Kam er nach Haus, gab es ein einfaches Süppchen, zwei Kartoffeln mit Rippchen pp. Dann zog er seine Jacke an und verrichtete eine kleine Reparaturarbeit, um danach die Zeitung zu lesen, Radio zu hören. Man ging ins Bett. Für uns Kinder ein Anschauungsunterricht über das Thema "Leben ohne Aufregung".
Man belächelte sie. Später wurden sie zur Vorlage für das Bild vom Spießer. Es war aber das Bild vom Frieden. Todlangweilig für viele, so etwas wie Volksmusik aus der Nazizeit.
Sie lebten still, ohne Ansprüche an das Warenangebot, in Erwartung der Wiederholung von Morgen und Abend, Werktag und Sonntag, Winter und Sommer. In Erwartung des/der Anderen.
Wer von ihnen starb zuerst? Was geschah mit der/dem Verbliebenen? Eines Tages waren sie nicht mehr da.
Die Welt ist, wie nicht anders zu erwarten, weiter gegangen. In ihrem Haus wohnt nun wieder das Auf und Ab von Hoffnung uns Enttäuschung in großen Portionen. Es ist renoviert. Und in der nächsten Generation wird sich jemand finden, an seiner Stelle ein neues zu errichten.
Das sogenannte Murmeln des Baches begleitet uns auf dem Rückweg ins Tal.
Laß den letzten Schnee herunter kommen! Ein paar Wochen und wir werden nicht mehr wissen, wie es war. Unter Blüten werden wir das Wunder Frühling bestaunen.
In Ludwigshafen grölen die Hooligans. Die Orks schlagen dem alten Platz die Aktentasche aus der Hand. Die Gegendemonstranten achten auf Wichtigeres. Das Idyll scheint jedermann etwas peinlich-lächerliches zu sein.
Sind das Fäden von Blut? Ein Chor intoniert das Lied vom Wandern. Von ganz anderem spricht der Bach.
Seltsame Lichter von Ewigkeit in einem Alltag.
8.2.15