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Freitag, 30. April 2010

Dr. Westerwellness grüßt freundlich.

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Er macht seinen Morgenspaziergang mit seinem Lieblingsdobermann Patsy. Im Supermarkt holt er Brötchen. Hier gibt’s Dorfgebackenes und Provinzgröße.

Ich bereite mich auf Alter vor. Buddhismus wäre praktisch. Dalia Lamy sänge von der Wiedergeburt der Liebe, was ein richtiger Buddhist -heiliges Nirwana- lieber vermeidet.

Karl sitzt den ganzen Tag in gerader Haltung vor dem Fenster und läßt die Monotonie in seine Seele fallen. Tag und Nacht im alles egal. Das wär doch was statt all inclusiv im Seniorenzentrum. Einfach Zeit austrinken, versinken. Irgendwie besoffen.

Summende Bienen in Apfelbaumblüten. Blau spannt der Himmel die Perspektive in die Ewigkeit. Wir essen fruchtelige Johannisbeermarmelade. Unterm Bambus lugt der Philosoph hervor. War sein Name nicht Harry Potter? Sieht aus wie Catweazle.

Warum Senioren wohl immer im Doppelpack auftreten? Das Schweigen einer ramponierten, aber durch Distanz und Aufmerksamkeit haltbaren Liebe. Heute früh wandern sie sich den Eros aus dem Leib. Es winken Torte, Bratwurst und verlogen schöne Erinnerung.

Auf dem Weg zu den Bergen erhebt sich ein Bussard aus dem hellgrünen Feld. Er muß eine gewaltige Latte haben, bedenkt man wie groß der Ast ist, den er zum Nest trägt. Altenglische Lautenlieder duften aus den Buchsbaumbüschen.

Was macht so weich in Frühlingstagen? Warum zieht es uns gerade in dieser Zeit in eine von Fibelfarben gefärbte Kindheit? Ist die nicht auch eine Wahrheit, mein Sokrates, mein Richard?

Du sagst: Was ist Wahrheit, was ist Kindheit? Ist das ein Stein? Und: Was ist Stein? Wir wissen, dass wir es nicht wissen und springen nach den blitzenden Gottesfunken der Chassiden.

Und Bienen summen durch das zarte Weiß und Rosa der Apfelblüten. Die Erinnerung klingt wie die Kirchenglocken im ersten Kinofilm von Lambarene. Ein rauschendes, hirnblasendes Fest von Gelb und Rot und grünem Wiesenplan. Reflections of my body in the shadows of my soul. Potter sagt: das kannst Du nicht beweisen.

Noch ein Tee vom second flush. Mein Körper steht auf. Ich kann ungehindert atmen. Ich stecke meinen Kopf zwischen die Äste des Apfelbaums. Ein Vogel drei Gärten weiter zwitschert ein Langgezogenes. Andere singen einander altenglische Liebeslieder zu.

Der türkische Dichter erblickt im Spiegel einen goldenen Basilisken. Er hat sich von den faulenden Wurzeln einer mittelalterlichen Kulturkonserve losgerissen und dichtet subreal ein Leben wie ein Jazz von Paolo Conte. Sieh die weiten Straßen in den Westen. Freiheit, ruft das Herz.

Summende Bienen im Apfelbaum, singende Vögel, Senioren im Doppelpack lauschen nach dem Geheimnis Frühling. Richard streichelt der Katze Sokrates das Fell mit knisternden Fragen. Ich höre Freiheit. Ich höre Frieden.
Klaus Wachowski      25.04.10

Samstag, 24. April 2010

Plötzlich Ouse

 *

Plötzlich gießt die ouse ihre Wasser in mich hinein.

Ich muß alle Kunst der Coolnes aufbieten, die Tränen unsichtbar zu lassen. Alle Sonnen leuchten, alle Vögel singen, alle Freundlichkeit winkt mir zu.

Kann man sich einsam fühlen, ohne es zu sein?

Es drückt wie Tränen. Wo ist der Sinn?

Das Herz liegt am Ufer des Rio de la Plata. Eine Vogelspinne hat es umklammert und trinkt von ihm. Das Gras schneidet in die Haut der Füße. Die Fluten tragen die Welt vorbei. Aale und Piranjas hausen in und unter Deinen Gedanken. Das Leben lacht Tränen zu Füßen Deines Elfenbeinturms.

Die Luft ist erfüllt von Rosenduft, das Bauwerk Ich stürzt ein in Geschichte. Leicht geht mein Fuß die Treppe zum Himmel hinauf und schwarz lacht meine Haut der Sonne.

Ich öffne die Tür zum Paradies.

Da fließt alle Hoffnung vor meinen Augen. Der Rio de la Plata trägt die Welt davon. Die Ouse spült die Tränen vor die Mauern. Geh noch ein paar Treppen höher, sonst verschlingt uns der Tsunami Einsamkeit.

Samstag, 17. April 2010