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Freitag, 22. Februar 2013

Frühlingsstimmen



Der Stamm ächzt: Ich kann mich nicht mehr biegen.
Aus dem Astloch klingt es: Es schmerzt, als müsste ich brechen.
Die Wurzel seufzt: Es brennt wie Säure in meinen Adern.

Von der Wurzel in den Zweig jubelt die Knospe: Ich muß hinaus!-

Die Vögel kehren zurück.

22.02.2013          Klaus Wachowski

Mittwoch, 20. Februar 2013

Ich öffne das Kästlein Pessoa.



Ein blauer Himmel, eine feuchte Brise. Die Stille einer gepflegten Wohnung. Ein Anzug, ein gebeugter Gang, Massen von Literatur, ein Stift, ein leeres Blatt. Seriosität und  Verlassenheit.

In all dem Spielen mit Bildern, Worten, Gedanken ist doch die Angst des Verlorenen vor dem richtigen Leben fühlbar.

Schau, ein kleines Schatzkästlein, voll von Perlen, Ansichtskarten, Federn, Einsichten! Es schimmert blau von Glas oder Plexiglas. Sammlung von Schönem und Klugem. So traurig.-

Die Feuchtigkeit dringt in die Wiesen. Wieder sinken weiße Wolken aus den blauen Höhen. Es krabbelt im Gras, aus dem Gras. Es trillert vom Waldrand herüber. Die Sonne wärmt Deine Seele mit einem Versprechen aus den Horizonten der Liebe. Der nächste Mensch könnte der verkleidete Gott sein.

Ich stecke das Kästchen in die Tasche. Ich stelle es vor die Haustür. Komm herein, Verlorener. Dr. Smirc hilft Dir aus Deinem  Monolog, Tschechow stellt den Samowar auf.

Im Buch "Die Umarmung" von G. lernen wir zurück zu kehren in unsere Sehnsucht.

Die Hütte Leben ist so klein. Warten wir zusammen auf die Liebe oder auf das Ende. Lasse uns die ausgelutschten Antworten hinaus werfen und Fragen fangen.-

19.02.13



Montag, 18. Februar 2013

Literarphilosophischer Monolog des Dr. Smirc




Dr. Smirc doziert: "Wenn die Obstler-Truppe sich ins Ehrenamt wirft, gluckst das Lachen vom Akademiker-Stammtisch.

Einen traurigen Anblick bieten diese Leute, die mit ihrer Gruppe so  wichtig tun. An den Folgen des Lebens sterben doch wohl alle. Und es fließt hier genauso schnell den Bach runter, und all das Selbstgedöns ist auch nur Verpackung von Pofel.

Der Handke zum Beispiel: der "Beobachtungsweltmeister"! Jetzt schreibt er im Pathos der Besonderheit WC-philosophie.- Anmerkungen absetzen, wo sich Därme entleeren!

Oder der vom Ruhm verschmähte Buchhalter Pessoa, dem der Mensch und sein Wollen fern sind. Er vertreibt sich seine Zeit in der Ewigkeit zwischen intellektuellem Spiel und Austapezieren von Kult-Räumen, ohne jemals die Hilflosigkeit von Liebe, Freundschaft oder persönlichem Wollen zu riskieren. Ganz so wie es der Faschismus für die Zwangsgesellschaft vorsieht.

Oder Nietzsche, der Feigling vor Alltag, Anstrengung und Langeweile.

Sie verachten die Menschen. Was können sie von Gott und der Welt wissen? Ist Ich-ich genug? "

Dann erzählt er des Langen und Breiten von Jean Paul, Virginia Woolf, Robert Walser und dem sokratischen Max Frisch. Ja, die hätten sich als Dichter natürlich vom Menschen im Plural fern halten müssen, um zu Gedanke und Wort zu kommen. Aber so unbeholfen sie auch im Umgang waren, so hätten sie doch Liebe, Freundschaft und Gemeinschaft gewollt.

Na ja, was gehe ihn das an? Vetternwirtschaft, Gockelschrei und Humor-Extasen der Kulturbarone. Er sitze lieber in den Hertie-Cafe´s der jungen Lieben, älteren Hoffnungen und alten Erinnerungen, wo das Leben noch aus dem Leben trinke. Ewigkeit habe er genug und er brauche keine philosophische Belehrung von Kunst-Krawatten.

Er steckt die letzte Pferdefett-Fritte hinter die Kiemen und schüttet den Rest Odessa-Bier -schmeckt auch irgendwie nach Vollblut- hinterher. Dann schaut er auf die Uhr. Er muß er noch eine Tour nach Kabul fahren, all along the wachtower, herrliches Abendlicht inclusive. Landschaft, Himmel und Blues von Memphis  sind wie eine Drogenfahrt im Firmenwagen.

Auch hier leben - Menschen. Auch hier gibt es die Sehnsucht nach Frühling, Liebe, Frieden und Freiheit von Not. Auch hier sinken die Fragezeichen vor und nach den Antworten unerschüttert fort.

Dann bringt Dr. Smirc wieder einmal seinen speziellen Freund Gott ins Spiel. Lady Smaak sagt: "Jetzt mal langsam! Wir wollten doch noch ein neues Hemd für Dich kaufen!"

Vergängliche Farben. Es sind Farben, halten Freude am und Hoffnung ans Leben frisch. Die Meisen singen Frühlingsmelodien.


17.02.13


Sonntag, 10. Februar 2013

Dr. Smirc in easy loving



Gott sei Dank: der Winter ist vorbei.
Der Kenner Smirc sagt nicht Liebe, er sagt: "wie schön!". So leicht geht Liebe, Smaak. Um die Kohle zum Glühen zu bringen, seufzt er ein Bedürfnis.  
Sie antwortet: "Ach, Armer!" 
Es läuft.-Easy loving, wenn man alt genug ist. In den närrischen Hochburgen des Frohsinns hissen Damen überdimensionierte Unterhosen. 

Dr. Smirc versteckt sich mit Lady Smaak in einem Cafe´ mit Ausblick auf eine Palme. Aus den Wolkenbergen ergießt sich plötzliches Licht in die grünen Lanzetten.
Alle Wiesen und Felder liegen auf einen Augenaufschlag in einem rötlichen Schein. Es ist noch kalt, aber aller Schnee ist vergangen, in die graueste aller Erinnerungen  eingegangen. 

Was heißt da "schöne Frau" im Anblick der zurückkehrenden Hoffnung? Strickjacken, so bunt, werden schon wieder in die Flechtkörbe des Vergessens vergraben. All die Mützen, Schals und Handschuhe: weg damit. Die Körper sehnen sich nach hauteng und schwarz durchbrochenen Filigranessen.
Es ist nicht Fastnacht, die dumpfe, sondern der Ausbruch der Krokusse ins Licht, Du Schöne vom Frühling. War damals nicht Frühlingserwachen, als die Person in das neue Jahrhundert eintrat? 
Ein Wochenende mit Kindern liegt hinter ihm. Er lernte wieder Notwendigkeit und Glück des Jetzt. Aber er spürte auch, wie schwer das Alter an den Kräften zieht. Jetzt ist er voll von den Farben der Maus Frederik. Und erschöpft freut er sich auf den März.
Ernst fährt der Stadtbewohner zur Fastnacht. Narrenkappe in Dönersauce. Was für ein Wochenende! Wähler und Wahlverweigerer taumeln Seite an Seite durch die Schoppenzone. Die Kinder bekommen Revolver und Minirock, die Alten saugen Blicke und die ganz Alten grapschen nach Erinnerungen der Lust. Es ist ein Singen und Johlen, wie unter Meisen auf knospenden Bäumen.
Eine Prinzessin quietscht Kindergeschichten von einer CD. RTL für die  kleinen Bildungsbürger. Smirc und Smaak sind sich schon im Klaren darüber, daß das eben Navy  CIS und Bauer sucht Frau für unsere  Kleinsten ist. Die Seele muß auch mal die Beine hoch legen und Chips und Coke nehmen dürfen. Laß die Prinzessin quietschen und uns am Knacken der Knospen freuen. Wird das Leben nicht eben deshalb so schön wie eine bunt gesprenkelte Frühlingswiese? 
Sag nicht: "Liebe", sag: "Schön!" Easy loving.
10.02.13  Klaus Wachowski










Freitag, 1. Februar 2013