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Sonntag, 27. September 2015

Hänschen klein

Von mir gibt's immer das gleiche. Also mittelblauer Himmel, ein hoch hinaus leuchtender glatter Birkenstamm, ein weniger hoher grauer glatter Stamm, ebenso schlank, dicht daneben, schon gelbes in noch grünem Laub, zitternd im kühlen Herbstwind.

Deine Stimme sagt: Die Wolken, wie vor den Himmel gehängt.
Dies waren die schönen Tage.

Ein rötlicher, wie gläserner Stein im gelben Kornsand, den die Jahrmillionen und eine Kaninchenpfote freigelegt haben. Wie ist dieser Teil eines Rings von der Deponie in den Hügel gelangt? Relikt einer Unachtsamkeit, eines verzweifelten Verzichts oder eines Verbrechens? Edelstein oder Kirmesscherbe? Vom letzteren gibt es mehr. Die Elster zieht silbern Glänzendes vor.

Eine leuchtende Hagebutte im Wasser einer spiegelglatten Seele. Das löst Reflexionen aus. Ist das Thema nicht immer Ewigkeit und Ich? Und Du und Einsamkeit? Und die Liebe darin?

Allein in die Welt hinein, will Hänschen klein. Und Stock und Hut stehn ihm gut. Die Weite der Zukunft, die Vielfalt des Bekannten und Unbekannten, vor der das Duftbäumchen baumelt. Fahren, Fliegen! Unter wolkenblauen Himmeln.
Jetzt ziehen sich goldgelbe Fäden durch das Wasser. Nimm den Teebeutel heraus, bevor aus anregender bittere Bitternis wird. Sieh hinaus in die im blauen Horizont ferneren Berge.

Das leichte Ziehen da drinnen beginnt zu schmerzen.

Hallo, kleiner Mann! Hörst Du es nicht, dieses Weinen? Ein sehres Weinen von Mama. Da besinnt sich, dreht sich um das Kind.

Und es sieht den Schatten über den Dächern, und das Licht, das da schon aus manchem Fenster hinaus in die ausgeblühten Gärten glüht. Es ruft und weint.
Was heißt da Welt und Weite? Was heißt da Ich? Nach Haus geschwind, kleiner Junge von den großen Plänen!

Der Wind macht weiter, treibt die Rotoren der Gewinnerwartung in ihren schlaflosen Schlaf.

Gott lässt sich ein Tattoo stechen. Na ja: Herz mit Pfeil und "Mom". Prächtiger Bizeps, wenn man Mensch wird...

27.9.15

Sonntag, 6. September 2015

Herbstgeräusche

 Wind in trockenen Blättern, das Fegen hinter Hecken, Rasenmäher, die sich in ausgetrockneten Sanden verfangen. In Gefäße rauschendes Wasser.

Die Erde wird leichter, die Luft befreit sich von Düften und Wespen.

Höher kreisen die Schwalben und Raben fallen ein. Stare in Schwärmen wie ein- und ausatmende Lungen über fernen Hügeln.

Tief zieht der Betrachter den Atem ein. Ein Wechsel ins Unbekannte, wie in etwas Freies.

Schwärme von Schwärmern ziehen plötzlich hinaus, sich einen Genuss zuzuführen, einander zu gefallen. Feste fallen über die Einsamkeit her. Mit neuer Einsamkeit in Massen.

Eine tote Ratte am Wegrand. Vorbei zieht der sogenannte Junggesellenabschied. Ein liebevoll hergerichteter Bollerwagen, gefüllt mit Bier.

Die Luft trinkt den sauren Atem unerfüllten Wollens. Ein leichter Regen wischt die Beeren ab. Der Wind öffnet den Himmel wieder. Die Farben erneuern meine verblassten Erinnerungen. Ich gehe die alten Jahre ab.

Wie war das noch, als ich diese Hand berührte?

6.9.15