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Donnerstag, 25. April 2013

Aus Tag und Traum 2012 jetzt veröffentlicht



Vorwort


Ewigkeit und Vergeblichkeit beschäftigten mich im Jahr 2012 besonders. Die Vergeblichkeit des menschlichen Strebens nach Dauer, wo doch auch das Gedächtnis der Liebe, des Hasses und der mit der wichtigsten Wichtigkeit ausgestatteten Archive untergehen müssen. Nur kurz kann man sich diesen Umstand vor Augen führen.

Das Streben nach Wichtigkeit, für die kein Selbstbewusstsein Ersatz bietet, flieht vor dem Gedanken an die Vernichtung des Ich in immer höhere Verstiegenheiten der Selbstvergleichung mit einem größeren - Nichts...

Und so werden immer mehr Kleinbürger zum Breivik. Jeder verblasene Hip-Hop-Gangsta erwartet Verehrung der Welt, jeder Ortspolitiker fühlt sich in seiner Größe mißachtet, wo der Fremde seinen Prachtbau belächelt. Und die Diktatoren von der Seidenstraße lassen ganze Akademien errichten, die ihr Lob gegen den Abgrund des Nichts skandieren.

Narzißmus ist längst nicht mehr nur eine Erkrankung von ruhmsüchtigen Künstlern. Mit der Befreiung des Ich aus den Grenzen der gesellschaftlichen Beobachtung ist die des Wahns einher gegangen. Das Ich hat das Du für einen Größenwahn verloren und irrt im Nichts der Menschenleere, lange bevor das absolute Nichts heran tritt.

Schnee fällt aus der Unendlichkeit in den Tag. Die Schneeflocke Leben schmilzt vor unseren Augen im Lärm gewaltiger Gefühle.

Wir wollen leben.

Alzey,
-heimliche Hauptstadt Rheinhessens-,

Klaus Wachowski                     12.03.13

Das Buch kann jetzt über Lulu.com bestellt werden.

25.4.2013

Montag, 15. April 2013

Friedhof Edenkoben

Am voll erblühten Samstag des April 2013 dämmert die Frau unter Opiumpflastern in die Zukunft.
 Die Amseln fliegen geschäftig über Split und Rasen durch einschießende Strahlen und Regenspritzer des Raums Friedhof Edenkoben. Emsiges Scharren und Kratzen auf Gräbern, fröhliches Zwitschern in den Bäumen.
Ich nehme einen filmischen Abdruck von der Abteilung "jüdischer Friedhof". Im Schlagschatten der Schuld hatten die Gemeindeverwaltungen nach dem Krieg die Gräber sauber erhalten, nicht wissend, ob das denn angesichts der anderen Haltung zur Vergänglichkeit dieses Erhalten nicht ebenso "falsch" im Gutgemeinten war wie das vorherige Auslöschen aller Menschlichkeit gottes- und menschenlaesterlich im Verbrechen.
Ich filme das Schweigen der Erinnerung. Hier lebt keiner mehr, der das Haus des Einst besuchen und den schwindenden Erinnerung das Gebet Hoffnung auf Dauer des Bundes sprechen könnte. Wenn der Sandstein zu Sand zerfällt und die Trauer selbst in einem Grab begraben ist, ist es nur noch der Menschheit möglich, den Blick zurück als eine Sehnsucht wahrzunehmen. Zwischen den Lichtern aus Himmeln und den Reflexen aus Regenspritzern, kann sie noch suchen, was bleibt.
Die in den Stein eingelassenen Sterne aus Porzellan (?) glänzen unverändert weiß. Sie werden wohl etwas grauer und kleiner auf der Erde liegen, wenn auch unser Nachdenken in ferneren Gräbern Teil eines ferneren Vergessens sein werden.

Das Video kann unter "jüdischer Friedhof Edenkoben" bei Youtube angesehen werden.

Das Opium der Kultur nimmt uns die Schmerzen der Vergänglichkeit und wir dämmern fern von Ich und Du der Zukunft Nichts entgegen. Vielleicht wäre es jetzt besser, die Angen zu schließen und zu hören.

Mittwoch, 10. April 2013

Aus Tag und Traum 2012

Das neue Buch erscheint demnächst bei Lulu.com



Dienstag, 9. April 2013

Vladissimo

Ein Bißchen muß schon sein.

Dieses Gelb möchte ich Dir aufbewahren. Etwas Orange ist eingemischt. Das etwas flache Blau des Himmels verstärkt das Leuchten. Die im Schatten stehenden Blätter sind dunkelrot.

Vielleicht schaffen es die Worte besser als ein Fotohandy.

Soeben fallen zwei schon gerollte Blätter zu Boden. Wer redet da von "Tod"? Bei solchem Wetter findet Tod nicht statt. Da sinkt es sich leicht in die Ewigkeit. Ich sehe Dich dort, so fern und mitten im Leben. Und hier flammenden Herbst.

Hinter mir ein Cluster Fernseh-Asoz von RTL. Der Wortführer, he Alda!, dem die Welt am Arsch vorbeigeht, trägt eine Jeans der Marke Kosmopolit. Eine der Frauen steckt es gerade einer Freundin-Zicke am Handy. Super, jetzt in die Ewigkeit zu trudeln. Was wäre das Leuchten im Gelb ohne den Schatten im Rot?

Es berührt das Dach eines alten VW. Die Diebstahlsicherung hupt.

*

Gott sagt: Ein Bißchen Spaß muß sein und schickt Vladimir zur Eröffnung der Donaueschinger Musiktage. Er kommt direkt vom Abschuss eines Kamtschatka-Bären und ist noch von einer Schar verehrender Medienkrähen umgeben.

Asamisamasa eröffnet mit einem Apfelstichel auf Laptop-Keyboard. Eine Pussy-Riot-Revival-Band singt die Kuban-kasachische Hymne: "Retter Rußlands, schwarze Birke Zarewitsch". Asamisamasa begleitet mit einem Stahlbesen auf sibirischen Eislöchern und einer leimgesinterten Bratsche aus Chikago. Ein Blatt trudelt in die Ewigkeit. Man hört ein leises Switchen der Bodyverstärkung und das Initial eines rheinhessischen Eselkreisch auf Schaumkartöffelchen. Zingg um zingg, ordentlich konnotiert in 10er Partituren der Sammlung Liou Lau (Kat.Nr. 12/10j-m). Der Komponist springt mit professionellem Hodengriff auf die Bühne. Er ruft aus: Süßes oder Saures. Man bemerkt Nervosität bei Rundfunksprecher und Sponsor.

Der Präsident hält eine Nobelpreis-Rede. Die Interpunktion des Ensembles Nadar oder Radar ist überraschend. Kontrapunktische Swungiaden lösen sich ab mit pathetischem Aufschlag aus der Kesselpauke. Es ist wie Temperatursturz in Päonien.

Man glaubt im Publikum ein Pfuinanzpferd zu sichten. Regengeräusch von Betablockern auf Internet-Sieben. Klingelingelig gelingender Szenenbeifall aus der Ukulele von Asamisimasa. "Wo bin ich?", fragt das Gefühl den Verstand. "Hör doch hin!", antwortet die Phantasie. Nur ein gewisser Wagner wähnt Wahn und vermißt etwas vom romantischen Farbenschlamm.

Die Rede setzt ein moll mitten ins Dur. Man hat sich zur Bestückung der Lego-Burgen mit Kanonen und Hellebarden vorgearbeitet. Schätze werden in Särgen versteckt. Befreundete Truppen unter Elklänern und Murkianern geworben. Der Metropolit von Moskau ruft eine Fatwa gegen die Käufer von Netzstrümpfen aus. Klatschendes Echo aus Ghom. Jetzt kommen aber die Profis: Nadar blendet das Piepsen afghanischer Drohnen ein. Die Geige ziept aus Rebajas der Winter- Kollektion. Im Publikum werden Hüte gelüpft. Angeleitetes Hüsteln zu den Kommata. Ein Spirrr, über 30 Sekunden gehalten, dann -hör ich recht?- ein Knack und Knäckäckäck; und ein phiuhhh sinkt unaufhaltsam in brausenden Schlußapplaus und erleichtertes Intendantenaufatmen nach Auftritt einer den Boden wischenden Musikerin.

Zugabe ruft es aus dem da capo eines Nietzsche: Siongg, drdrr, ponz, Arghhh.

Ein gewaltiges Dröhnen über den Flußmustern. Die Iljuschin steigt in das Gelb und Rot des Tags von Asamisamasa und Nadar. Schwirren der Stare nach Westen.

Und dieser Mann soll Salafisten in Syrien züchten? Ich als ein Künstler sage Ihnen: In was für einem Deutschland möchten Sie leben? Schöner, feuriger im Versprechen, als das Abendrot nun das Aufleuchten des Laubs vom Machandelbaum. Dingdingg-zwoschh.

Die Fusion ist beschlossen. It’s off.

21.10.12 Klaus Wachowski