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Samstag, 27. März 2010

Lob

Nach einer ppp
"Lob",

sag er,
er meint:
leistungsorientierte Bezahlung.
"Menschenverachtende Wertung",
sage ich
dem Verräter des Werts.

Klaus Wachowski 27.3.2010

Donnerstag, 11. März 2010

Afrikanisches Zimmer

Depression im Deutschland der Dekadenz. Ich lese Tschechov und richte meine Seele ein. Ich wasche Wände und Boden.
Die Decke ist offensichtlich aus dunklem Holz gefertigt. Eine Erinnerung an unsere Flucht in die Wälder. Ich verwende Weiß, Braun und zwei Mischungen Beige, um die Wände zu streichen. Rechtecke, drei Handbreit hoch und zwei breit legen den Untergrund meiner Sehnsucht nach Farbe.
Ins oberste Regal stelle ich fünf Teller von der Rose. Aus weißem Untergrund leuchten sie die Botschaft meiner Liebe in den Alltag. Ist Liebe nicht stets erste Liebe? Manchmal entzündet sich meine Erinnerung an ihnen und ich werde fröhlich und freundlich.
Im mittleren Regal mischen sich Teller mit dunklem Muster dazwischen. Sogenannte alte Meister, die noch nicht Farbe konnten. Ich grüße sie in ihren Hütten, in ihren Hoffnungen auf bessere Tage.
Was erhoffe im Gegenzug ich? Ist mein Paradies nicht auch eine Kinderphantasie, deren Verwirklichung die Welt in einer wunderschönen Langeweile erstarren ließe? Es bräuchte wohl auch so eine Form von Kultur- und Anstandspolizei und endete vielleicht in einem revolutionären Terror.
Im unteren Regal findet sich neben den genannten Motiven ein dunkelblau glänzender Plastikteller vom letzten Markt, in dem die Chilischoten mich anlachten.
Neun grün, gelb und weiß glänzende Schälchen stehen auf dem Vorsprung aus Lehm, der das Regal abschließt. Große, grob gestrickte Lappen mit Mustern in rot und blau oder rot und schwarz habe ich über den Vorsprung gehängt. Wenn ich sie vom Trocknen abhänge, fühle ich in dem Stoff nach, wie sich die Welt wohl anfühlt.
Die Türgewänder habe ich in weiß-braun-beigem Zickzack angelegt. Eine Rolle dünnes Linoleum mit dem Muster eines persischen Teppichs liegt auf der festgetretenen Erde. Wenn Du Dich setzen willst, ziehe einen von den weißen, braunen oder beigen Hockern unter der in den gleichen Farbschatten gemusterten in die Wand eingelassenen Tischplatte vor.
Wir denken an die Welt da draußen, so sauber und kalt. In ihren Straßen ziehen die Herden gelanweilter und verdrossener Käufer an Ausgestoßenen vorbei. Hörst Du auch, worüber sie reden? Über Hübsches und Teures, über Schnäppchen und Übervorteilung. Es gibt auch noch Pärchen, zwischen denen noch oder nach langer Zeit wieder liebende Blicke fliegen. Und hier die beiden Alten explorieren gerade die Welt anhand ihrer aus der Erinnerung hervor gekramten Hoffnungen.
Graues Elend im Bunten. Liegt es daran, dass man in ihrem Nachthimmel die Sterne nicht mehr erkennen kann? Dass man in ihren Straßen keine Vögel mehr hört und sieht?
Nun, in unserer Hütte ist der Lärm der Mofas und der Gestank der oberirdischen Kanalisation nicht weniger erschlagend. Aber die Sehnsucht ist noch stark. Und Freundschaft findet noch ausreichend Sehnsucht. 
Lass uns hinaus gehen, Freunde sehen. Der Frühling kommt ins Leben. Die Welt richtet ihre afrikanische Seele ein.          
Klaus Wachowski 07.03.10