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Sonntag, 20. Oktober 2013

Oktober-Traurigkeiten





Dr. Warnix, Todesgestalter und Helfer in schweren Stunden, schlägt das Notizbuch seines Lebens auf.

"Wäre es nicht doch besser, seinen Abschied zu nehmen und in die Ursuppe Nichts zurückzukehren?

Es fehlt wohl wieder einmal an Übereinstimmung, an Berührung der tieferen Hautschichten der Seele.

Er wird dem depressiven Impuls nicht nachgeben. Aber es ist eine günstige Gelegenheit, zurück zu sehen. 
Was habe ich von diesem Leben? Es hat hat mich mit vielen schönen Dingen und mit vielen Freunden, mit Liebe in vielerlei Gestalt beschenkt. Es hat mich mit Einsamkeit und mit Schmerzen gequält. Wenn ich aufrechne, geht die Rechnung einmal so, einmal so aus. Das macht die gerade überwiegende Stimmung.


Irgendwann geht es zurück in das Nichts, in die Auflösung des Ich. Also nutze ich diesen von Licht und Nebel erfüllten Augenblick."


Es klingelt. Warnix erkennt auf dem Bildschirm Jacko Ivanowitsch, vom Regen ganz durchnässt. "Wie schön! Einer, mit dem man hinausdenken kann in die Ungewissheit."

"Komm rein, Dr. Smirc, alter Esoterik-Sniffer, glaubst Du, dass Du Gott oder mich heute besser von der Wiedergeburt überzeugen kannst? Ich hab da einen guten auf alt geharzten Rioja 68."


Sacra! Dahinten kommt Zwick!

Samstag, 12. Oktober 2013

Boris schreibt



Die Überzeugungskraft schwarz glänzender Strümpfe gegenüber dem Fernsehphilosophen. Roth dagegen findet er lähmend.
*
„Andere gehen zum Psychologen.
Ich schreibe ein Buch.“
BB

Plopp, Satz und Spiel dem Kenner von der Schlagzeile. Die Tomaten des Bodyguards erröten.
Es wird schon kein unlösbares Sudoku vom Tennisball sein.
Goldwaage kracht ein, Brechstange zu grob bei Betonerweichung.

Dr. Smirc zum Psychagogen und Placebobomber Dr. Warnix: "Wären die Super-Autoren doch statt zum Agenten zum Psychologen gegangen!"

Dr. Warnix: “Lass sie doch schreiben! Du bist nur neidisch auf Erfolg. Komm doch Du mal bei mir vorbei. Dann machen wir mal Hype,-Hyper, Buchmesse! Vor der Einsamkeit graut doch uns allen. Was will er aus den Besenkammern seines in den Ruhm hinausgejagten Ich erzählen, das einer verstehen könnte, der nicht Psycholog ist.-“

Zwick kommt vorbei. Er denkt daran, wie Boris von Sieg zu Sieg flog und wie alle begeistert waren. Und was für ein großes Gefäß doch die Begeisterung für Neid ist.
Gott klopft ihm auf die Schulter:“ So gefällst Du mir. Willkommen in der Ewigkeit!“ An die ganze Truppe: „Kommt ich gebe eine Runde Applaus aus!“

So endet der Tag noch ganz erhebend und ich weiß: morgen früh brauche ich doppeltes Triptan.
12.10.13



Sonntag, 6. Oktober 2013

Diva Oblast Edessa

Aus den Schlamm wolkenden Wassern des Alltags taucht sie auf. Das dunkel gebeizte Ledergesicht einer Mumie unter dem schwarzen Lack einer Sonnenbrille. Die Hände in lila Strick, die Beine in metallenen Moonboots geschützt vor den beißenden Sonnenstrahlen.

Pieta Illkinnen aus Helsinki spielt das Rondo von der schönen Amelie in den Torfmassen des vom zu häufigen Genuß schwarzen Afghans ausgedörrten Gehirns. Zwischen den tief eingedrungenen goldenen Lichtreflexen klingelt das IPhone der Tochter. Ich sehe ihre nach Art von Gundula Mouse geschminkten Lippen, den von Wichtigkeit triefenden Blick, der das Locken und Herrschen gewohnt ist. Du kennst doch auch den Tonfall von Asoz-Rtl, mit dem sie jetzt über ihre Mutter her fällt:"... Auf Arbeit ist auch alles eklig. Da sitzt schon Eine, die alles macht. Ich habs satt. In München, da zwischen Vlad und Bahnhof, hab ich mir n kleines ausgesucht, mach ich mich selbstständig. Hab schon verstanden, brauchst mir nicht helfen, nehm mir ne Tagesmutter. Doch, dooch, hast mir schon gesagt, dass es Dir nicht recht ist, dass ich es doch der Schwiegermutter geben soll. Schon klar. Aach, jetzt komm mir nicht mit Deiner Eifersucht! Ja natürlich, natüürlich! Warste doch schon immer..."

Unter den stracken braunen Haaren liegt die orangene Decke aus dem Ashram. Von den Steinsitzen her dringt der Geruch von Fisch aus Plastiktüten, von unten das Rauschen und Verrauschen der Wellen, das Heran- und Wegwehen von Kinderstimmen. Eine Schulklasse übt Meereskanu. Bunte Japaner mit zum Teil vertrottelten Sprüchen auf schwarzen T-Shirts staunen, lachen, fotografieren unkomplizierter als wir Eurotouristen.

Nun geschieht volle Konzentration auf Gott in einer Diva. Da knackts in den Chakren. Ein Lächeln zerreißt das Gesicht. Volltreffer ins Herz  unserer verlorenerTräume.

6 . 10 . 2013. Klaus Wachowski