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Samstag, 22. April 2017

Vertrauter Schatten



So einen Abschied habe ich nicht gewollt
Ich hatte Hoffnung, Staub aus Licht,
Nun ist es so.
Ich halte fest, was blieb
und gehe weiter ins Vergehn.

Was es auch war,
Ich habe Dich gesehn!
Es pocht in mir,
Berührt mich weh und froh.

22.4.2017

Samstag, 1. April 2017

Zugehörigkeit und Gott

Dies reflektiert eine Reflexion meines Freundes W, dem ich für seine Fragen und Forschungen des Eigendenkens dankbar bin. Wie wenig ernst wird doch in einer ungeheuren Produktion von Antworten sonst gefragt.


Auch dieser Versuch, mir selbst etwas Gewißheit zu verschaffen, möge dem Selbstfragen und -denken anhand gegeben werden.


Gott sagt nicht: es werde Nacht! 


- so Stimpfle, unser Hausgammler*


Zugehörigkeit und Geborgenheit werden gern in der Nation, Heimat, Herkunft und oder Gott gefunden. (In der Masse dann wohl doch eher  die Auflösung, das Nirwana...).
Gleichheit und Gerechtigkeit suchen eher Freund und Nachbar, Freiheit ist in der Einsamkeit und im Ich angelegt.

Was hat Geborgenheit mit Gott zu tun?


Kleiner Bruder Jesus meint: "Liebe Deinen Nächsten und glaube! Was noch?!"


Ich fühle mich geborgen in den Kirchenbänken von X. Dort sammelt sich eine Gemeinde von Leuten, die Leiden noch spüren. Das scheint mir echter, näher als der Gehorsam der Frommen.


Was ist mit Glauben? 


Gott kannst Du nicht wissen. Wie auch das Nichts nicht. So Sokrates. Bleibt nur Zweifeln und Glauben. Christen glauben oft an Gott, Buddhisten*** und andere Atheisten eher an das Nichts. 


Überhaupt nicht glauben: weder an Gott noch an das Nichts, ist das möglich?
Nicht zugehörig sein, ist das möglich? Sich nicht zugehörig fühlen schon. 


Zugehörig der Familie, dem Stamm, der Gemeinde, der Nation? Da endet schon die Vorstellungskraft vieler. Eine Zugehörigkeit zur Menschheit verspricht sehr wenig Halt. Die KZs zeigen den Wert dieser Gemeinschaft vor jeder anderen, die dem Angehörigen ein Privileg verspricht, eine Ehre, indem sie den Wert "nur" Mensch zu sein jeweils niedriger ansetzt. 

Dagegen erhoben schon Pico de la Mirandola für die Republiken der Renaissance und Kant für die Menschenrepublik den Wert der Person, die "Würde". Sie ist allerdings die letzte Verteidigungsposition des Individuums. Daß in den beiden letzten Jahrzehnten der Artikel 1 GG so oft zitiert werden mußte zeigt, wie sehr die Republik berannt wird.


Wer achtet außerhalb der Politik und der Gesellschaft die Person wert? 


Da gibt es nur noch in vielen Religionen Gott, die Gottheit, der, die Dich nicht in den Feuern der Entwertung stehen läßt, den Mantel um Dich schlägt, Dir Mut zuspricht. Das hilft im Widerstand: es gibt eine andere Geborgenheit. 


Zurück: dieser unerfahrene junge Bursche Jesus meint also, mit dem Glauben (und Liebe) allein könne man problemlos in den Himmel kommen? Sündige tapfer aber bete umso tapferer (Luther)? 


Ich denke es mir so. Sich "sündig", unfair, gemein zu verhalten, darum kommt wohl keiner und keine herum. Nächstenliebe als Problem.
Aber ich durfte doch in die Welt kommen**. Und wenn ich mich umsehe, so gibt es ungeheuer viel Unrecht und Leiden, deren Ursache auch Menschen sind. 


Ich kann aber ebenso deutlich sehen und ich habe ebenso deutlich erfahren: Anstand, Mitleid, Hilfe einfach so pp, so daß ich die Welt tatsächlich nicht als Hölle begreifen kann. Diese Erfahrung ist es, manchmal ist es sogar nur eine Hoffnung darauf ohne Bestätigung in der Realität, die Folter, Grauen, KZs pp durchstehen oder sogar überleben läßt. 


Was gibt es da noch zu glauben? Ich glaube, daß das Leben diese Möglichkeit enthält. 


Daß sie von Anfang an irgendwie darin enthalten ist, darin stimme ich diesem Jesus zu. Er sagt "Vater" zu der Energie, deren Ausdruck sie ist. Ich hatte einen Vater und benenne sie dann doch lieber mit diesem Wort für das Unbekannte: Gott. Und je nach Situation, -dieser Gott ist ja leider nicht allmächtig im Sinn eines Kindergartenglaubens-, zweifle ich oder glaube ich.


Irgendwie ist das Leben auch eine wunderbare Sache.


Das bringt dann wieder den Gedanken auf die, die gerade das Gegenteil erfahren. Auf dem Mittelmeer, in den Kampfzonen, auf russischer Müllhalde.


Man kann Gott, den Menschen, dessen Kind gerade vor seinen Augen ertrinkt, weil er das jüngere über Wasser zu halten versucht, durchaus unterstützen. Nicht nur gegen Gotteskrieger.


So mit Jesus: zweifle oder glaube, aber vergiss den Nächsten nicht!


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* Gammler- freier Obdachloser der Gentrygeneration
** Wer sagt, es sei besser, nicht geboren zu sein, etwa der deutsche Buddhist Arthur Schopenhauer, vergesse nicht, daß er ins Leben kommen durfte oder mußte, diese Gelegenheit zu bekommen.
*** ich finde, daß der Buddhismus den Nachteil seiner Indifferenz gegenüber dem Nächsten nicht durch noch so viel Weisheit des Ich ausgleichen kann. Er kann froh sein, dass nicht durch eine schräge nietzscheanische Wende das Ich zum Gott erhoben wird. Wie es eben N. gegenüber seinem Lehrer Schopenhauer -hoffentlich nicht dauerhaft erfolgreich- versucht hat.