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Sonntag, 30. November 2014

Advent




Auf dem Feld der Nebel. Die Gedanken im Schlingern der Gefühle. Jetzt werden die Treiber erschossen. Das gibt bedeutungsvolle Blicke an Adventstischen.
Die Vögel schwirren durch dunklere Tage. Der Igel schläft unter faulendem Laub. Ein Junger schlägt einen Jungen kaputt. Im Altenheim klappern die Gitter.
Da dreht sich die Welt, sinken Sonne und Mond, da erscheint Dir die Arbeit als Sinnlosigkeit. Und die Einsamkeit fragt, "Wo stehst Du mein Ich?"
Lass uns die erste Kerze anzünden, lesen aus Märchen, aus Liebe und Mut. Lass uns einander nach  Hoffnungen fragen, und ahnungslos Antwort suchen im Wunsch.
Klaus Wachowski    30.11.2014

Montag, 17. November 2014

Wie war das doch?

Was weiss ich mehr als mit 50?

Ich bin 63, R. wäre 72. Wie war es, als er 63 war? Da war ich 54. Er erlebte mich nur bis 62. Kurz vor seinem 63. starb er. Was hörte er in den Worten des jüngeren?

Buchstaben werfen mit 53

"Eine Lüge heißt: Lebenslanges Lernen.

Ich werfe die Buchstaben hoch in die Luft, löse mich auf.
Die Schöpfung beginnt neu."

Heute aber legt sich die Unendlichkeit als ein dunkler Kokon um den Rausch des Neuen.

Ich sagte:

"Älter werdend werde ich unwissender.
Ich lerne: da ist nichts zu lernen als Verwunderung.
Und auch sie kommt von selbst."

Heute bin ich gewiss: da ist nicht viel zu wissen und: ich verliere es.

"Sokrates erkennt: Ich weiß nichts." Ich sehe hinaus in die Nacht, gerne wache ich in der schlafenden Welt.

"Zuzeiten sage ich "Liebe", zuzeiten sage ich "Leben". Die Buchstaben lösen sich in Fragezeichen," die Zeit in Rätsel und Berührung.


R war unsicherer und bewegter von Sehnsucht: Sag mir etwas zu dem Wort "Höhle"!

Ich wusste damit nichts anzufangen, als ein paar Assoziationen anzubieten, etwa das Wort "Hölle", war noch mehr auf Genuß und Abenteuer. Sein Interesse war verstehen wollen.

Ich glaube heute verstehen zu können, was er meinte, wenn er sagte, die Katze spräche zu ihm. Mir waren Katzen Vogelkiller. Im Angesicht des Endes der Arbeit, in der Wendung zum anderen Leben und Ende wird auch das Tier Teil des Gesprächs mit dem Unbekannten.


Weiße und schwarze Wolken eilen über einen mattblauen Himmel. Knospende Zweige wanken aus den Schatten in hellgraues Leuchten.

Die Zeitung meldet: Neuer Society-Skandal und Weltstadt mit Herz. Ein Liebesnest. Einer streichelt, Augen sind verliebt, was sah der Stromableser? Sind wir Zeugen heimlicher Affäre? Ein Paar, er scheint wie Butter unter ihren Händen.

Und schon ein neuer Flirt von Star und Bürgertochter. Ein Bäckerkönig hegt  wohl Sympathie. Man regelt das Geschäftliche in familiärer Runde. Noch ist man Arbeitstier und jettet um die Welt. —

Dann im Regen sehe ich die Dunkelheit über einem Tisch von Ausgegrenzten. Hoffnung am Lagerfeuer in einem Wald von Wolfsgeheul. X fühlt sich ermutigt, tritt hinaus. Unter Spießerin und Spießer, die Verlierer für ihre Schmerzensfalten hassen.

Sieh die Einsamkeit der Großen im Dunst der Verehrung, die der Unberührbaren in der Verachtung. Ego, satt und urgemütlich, schwappt vorbei durch Kauf- und Schunkelzone.

Oh Babylein, befühlt, behorcht und morgen schon verhöhnt. Du trittst hinaus in schmutzige Verachtung.

Ein kleines Mädchen kramt in seiner Tasche, gibt Dir ein paar Cent, Sie achtet nicht des Blicks des Hasses. Ein Sonnenstrahl.

Auch das kennen wir. Und jeder Mensch ist obdachlos, Beachcomber im Anrollen des Tsunami.

Unter der Frühlingssonne tritt die Liebe zu den Menschen. Ein Kind wird - geboren. Vorbei an der Kneipe Gestern gehst Du hinaus in eigenen Tag.

13.02.2005 Klaus Wachowski

Einsamkeit kaufen

Was ich singe, dorthin will niemand sinken.
Rosen aus Athen im verschwiemelten Ton
eines rumänischen Akkordeon.

Es griff anno 50 dem jungen französischen Dichter
Zwischen den Beinen mitten ins Hirn.

Das Wort eines erschöpften Herzens aber,
ist gefangen im Netz einer klebrigen Musik.

Dann aus dem Pflastergrau
die Einsamkeit fragt: "Gott?"

Aus Schenkeln ruft es in Schenkel;
In wässrige Augen drängen sich Blicke;
Das Leben öffnet andere Tür,
das Himmelreich sich anderer Zunge.
31.1.04

See des Raben

Auslaufende Wellen. In seinen dunklen Wassern spiegelt sich die nähende Hand. Sie näht die Flicken brüchiger Leidenschaften zu einer wunderbunten Sofadecke.

Der Faden durfte nicht viel kosten. Hier ist das Leben nicht leicht.

Die Haut bekam Risse und Flecken, das Lächeln flog mit den Schwalben davon. Ein Husten bellt, ein Lachen krächzt durchs Haus, manchmal bricht ein Schimpfen von zerreißender Angst in die Stille einer knarrenden Ehe.

Eine Schriftstellerin macht einen Roman daraus. Aus den Grüften ihrer Erinnerung holt sie den idealen Liebhaber hervor. Fitnessstudio mit Doktortitel, künstlerischer Begeisterung und knackigem Hintern. Öd!

Im Cafe Welk im Nachbarort erzählen ausgeleierte Freundschaften einander ausgeleierte Geschichten. Und die Schriftstellerin wird mit einem bedeutenden Preis der Öde ausgezeichnet.

Im dunklen Wasser spiegelt sich eine nähende Hand.

Ich sehe die Deine. Nähe mich ein in Deine bunteren Muster! Nimm auch vom schwarzen Wasser: unser Garten dürstet.

Die Raben kreisen. Wir warten auf Amsel, Lerche, Nachtigall.

Klaus Wachowski 23.05.2004


Gärten im Oktober

In den Gärten erscheinen die Spinnennetze schwer von Nebel. Schwebend zwischen Zweig und Zweig. Der Druck auf der Brust sagt: "Wie lange?" Der Arzt sagt:" Ach was!"

Ich sehe, gehe durch ein Paradies von Farben und Stille. Die Erde duftet Herbst. Dies ist zu schön zu Sterben. X aber muß es erleiden.

Du nimmst, was Du gegeben. - Mancher wirft es Dir mit einem verächtlichen Lachen vor die Füsse, mancher lässt es einfach liegen, bis Du es abholst. Wer es aber achtet, dem entreißt Du es.

Die Stille des Morgennebels umschließt mich. Etwas sagt: "Dies ist!"

Das Schweben von Spinnweben. Eintrocknende Blüten in leuchtender Farbe, und Duft von feuchter Erde. Dazu ein Geräusch von einem werkelnden Menschen.

Das Wissen um die Sonne über den Nebeln und die Hoffnung in den Herzen. Aber das Erstaunen kommt aus dem Du.-

Wie lange?-
Ach was!


Klaus Wachowski 09.10.05


Der Raum Bedeutung versinkt im Horizont hinter dem Gestern. Ein Kind rief All das. Jetzt fällt das Meer in die geöffnete Hand der Ewigkeit. Das Schweigen öffnet seinen heilenden Mantel.

Ich sage das Wort Ja.



Freitag, 7. November 2014

Buntes Laub



Buntes Laub

Das Laub brennt bunte Farben und zieht sich in das Innere der Baumkronen zurück. Ist es nicht auch mit der Seele so? Warum sollte ich noch schreiben wollen? Wer will mir davon erzählen? Die es könnten sind in einem Alter gestorben,  das hinter mir liegt. Die wenigen älteren beschäftigen sich mit Erinnerungen oder haben den Sprung aus dem Weitermachen noch nicht gewagt.
Brennen in einer entzündeten Seele.
„Aach!“ Ich sehe die wegwerfende Geste: Selbstmitleid, Depression pp.
Wer bist Du, der mir das sagt? Für Dich sollen leuchtende Blätter nicht brennen. Ich sehe Nadeln zur Erde fallen. Du findest es weichlich, vom Schmerz zu reden. Alt, krank, düster.
Ja, es kommt heran. Es zu betrachten ist lebendige Erfahrung. Im Leid nicht weniger als in der Freude bist Du mit dem Leben verbunden. In der Betrachtung beginnen die  Farben zu brennen.
7.11.14                                       Klaus Wachowski

Samstag, 1. November 2014

Alte Geschichten



Als Dr. Smirc das Buch Kobo Abe aufschlägt, rieselt ihm eine Tüte Sand entgegen. Es riecht wie schimmeliger Reis. Die Buchseiten sind aufgedunsen. Und als er darauf drückt, quellen rote Tropfen hervor. Hulda Grannina Putina, eine entfernte Verwandte von Väterchen Stalin, hat auf die Frage, ob sie sich bei ihm einschweigen wolle, die Hand Gottes ergriffen und sich davon gemacht. Also zieht er alleine durch die Fußgängerzone.

Da gehen Menschen über das Pflaster, da springen Kinder hinter Tauben her, da stehen sie am Cafe´ständer des Billig, da öffnen Kniebettler die Büchse in den rumänischen Off. Draußen aber kreisen die Autos um Stadt, Knast und Anstalt. Sag, wo ist Deine Fabrik?

Eine alte Geschichte fällt ihm ein. Der neue und junge Chef spritzte herein und ließ gewaltige Dankeshymnen vom Stapel: „Ihr glaubt ja nicht, wie dankbar ich bin, dass Ihr mir nichts in den Weg gelegt habt!“ Warnix, heute Doktor, Psychagog und ausgefuchster Rheinhesse, und Smirc schauten einander peinlich berührt an. „Was hat er denn? Was ist denn das: Karriere!“ Sie lachten. Es ging doch um Bruderschaft und Anstand in einer neuen Welt.

Das Lachen ist ihnen vergangen. Sie haben selbst Karriere gemacht und müssen eine Menge Energie aufbringen, den Anstand nicht ganz zu verlieren. Nun ja: er ist – wie man so sagt – etwas geworden.  Er wird mit den gesamten Restprofitlern einer besser gemeinten Zeit in die Heimatgeschichte eingehe, Gähnen um Gähnen erzeugen.

Da ist doch die Ruine von Kibbes noch in diesem Zustand ein ganz anderer Anblick. Zotteliger Bart, fettige Haare, T-Shirt mit Hool-Sprüchen. Was weiß, was merkt er davon? Er wartet auf Charms, der sein Sohn sein könnte, auch nach dem verbeulten Outfit. Sie reißen ihre zwei Stunden Wohlfahrtsmaloche runter und legen sich dann wieder in eine Ecke Weitab. Man hat sie nicht gebraucht. Aber sie glauben bis heute noch an die Sprüche von der Solidarität und winken Dir zu, während sie tiefer und tiefer ins Vergessen der alten „Genossen“ versinken. Tapfer, tapfer wählen sie links, schimpfen sie auf „das Kapital“, gehen sie mit der peinlich berührten Gewerkschaft, die doch eher auf Kultur steht. Und die Kumpel machen sich schnell in den schwarzen BMW oder was.

Dr. Smirc: „Kibbes, was sagst Du zum alt werden?“ 

K:“Weißt Du doch! Am liebsten ein Schlag und  weg! Was ist alt? Keine Ahnung. Da scheint die Sonne, da gibt’s einen kaffee umsonst. Es zwickt und alles tut weh. Aber ist doch schön hier! Stellt Dir vor in Afrika! Oder bei den Taliban! Wir bleiben doch bei der Sache!“ Klatscht ihm die Hand auf die Schulter.

Dr. Warnix, Psychagog und Drosophil, wendet sich an den mit seinen Aktienkursen beschäftigten Intellektuellen: „Ich höre da einen gewissen depressiven Unterton. Als würdest Du ständig über eine verlorene Hoffnung jammern! Geht es Dir denn nicht hundert mal besser als diesen trüben Gestalten?“

Gott, der gerade von einem Schrei aus Kobane kommt: „ Eben!“ Ein Hool der IS hat gerade wieder eine Familie Menschen geschlachtet. Wo bleibt das Echo in Euren Herzen, Ihr Käufer und Säufer?
Aus dem Kirchenfenster Xulda: „Komm rein, die Andacht ist angerichtet!“
Dann sinkt die Nacht herein. Gott-sei-Dank: es ist nicht die letzte.