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Freitag, 16. Februar 2018

Besuch



Der Besuch

Ich höre vom Morden in Florida.
Es weht ein Schmerz in mich hinein und ich steige drei Stufen tiefer in meine Seele.
Ich werde Dich den Rest meines Denkens in mir tragen.

Viel haben wir nicht miteinander geredet. Es war auch Streit. Aber das Vertrauen war tief. Der Verlust presst mir das Herz zusammen.

Aber ich stelle die warum - Frage nicht.

Wir ziehen den Rauch ein. Du für einen Moment Ich. Ich, um Dich unauffällig anzusehen.
Du nickst mir zu. Ich kann, soll jetzt gehen. In das schöne Leben.

Zwischen den verschlossenen Krokussen steckt das Gras seine Hoffnung in die Hoffnungen auf Frühling.

Im Schulhof Blut, in den Tod gestoßene Liebe. Ach, auch sie fallen nun in die tiefen Räume!

Verlaß uns nicht!

Wir sehen uns.

Klaus Wachowski

Montag, 29. Januar 2018

Zum Friedhof (Ende Januar)



Wolkennasse graue Tücher verhängen den Himmel. Aber am japanischen Busch unter dem eingetrockneten lila Blütenblatt zeigt sich schon die Knospe. Verblendete und Erleuchtete in Massen auf dem Weg, der auch zum Friedhof, zu Deinem Grab führt, Richard. Unter einander gleichgültigen Nachbarn des Servus und Es ist alles egal eines Thomas Bernhard. 

Die Gerippe der Bäume, deren Namen ich nicht mehr weiß, sie verzweigen sich und halten den Himmel oben. Der Wind aus Südwest bläst scharf unter mein Barett. "Monsieur  le professeur", pflegte der alte El Hadj H zu sagen, wenn wir uns so begegneten.  

Schneeglöckchen und Krokus, die Stängel schießen mit Macht aus dem Boden. Jean Pauls Jahreszeit bewegt sich unter dem Schlamm des Winters.  

Die Schiffe an Deinem Grab, der Blick auf den Rhein! Du hast versucht, das Dorf für Menschlichkeit zu begeistern. Es gelang. Und dann kehrten Lethargie und dicke Laune wieder ein, das große Ego vom Wir zuerst. Aber Deinen gerechten Zorn ließest Du nicht in die Öffentlichkeit. Deiner Hoffnung Mensch bliebt Du treu. 

Was bedeutet Höhle? Ob der Doc vom Eso verstand, der Dich noch im Sterben belehren oder bekehren wollte? Zwischen Ästen und Zweigen des letzten Sturms ein Teppich von lila und weiß, Krokus und Schneeglöckchen.

Ich nehme Dich mit an ein anderes Grab. Da ist zu weinen. Laß es unter Frühling geschehen! 

Meine Vögel singen schon "Leben", Deine Katze spinnt einen Lichtstrahl.

29.1.2018 Klaus Wachowski

Freitag, 22. Dezember 2017

Im Dunkel unsrer Nacht

Da liegt ein toter, schon halb verwester schwarzer Vogel.

Das Lied der Amsel ist verklungen. Würde es in die Ewigkeit reichen , wenn es einen Nobelpreis für Amselgesang gäbe? Oder wer schwärmte noch wie lange über ihr Nest, gäbe es mediale Lobhudler auf Bauten mit hinterlüfteter Fassade für Amselräte? Wichtigkeit...

Da ist eine vom Glück eines Amsellieds am Abend verbliebene dünne Spur in meinen Erinnerungen.

Was blieb von Deinem Wort, was ist mit der Spur jenes Lächelns, jener Berührung?
Weiter und weiter in die Fernen des Raums breitet sich die immer dünnere Spur dieses Leuchtens aus. Schon lange ist es aus dem Sensor aller optischer Möglichkeit verschwunden. Niemand und nichts wird da sein, von Dir zu  zeugen.

Hört die Amsel auf zu singen? Nicht, solange sie in einen Augenblick Leben eingebettet ist.

So lange ich kann, versuche ich wahr zu nehmen und mich zu erinnern. Mit meinem Gesang versuche ich die Spur in eine andere Wahrnehmung zu tragen, dem Lied der Amsel etwas mehr Zeit in der Ewigkeit zu sichern. Und so Deinem Wort, Lächeln, Deiner Berührung.

*
Wir singen das Lied aus der Taize'-Manufaktur: "Im Dunkel unsrer Nacht entzünde das Feuer, das nie mehr erlischt!"

Es ist die Dunkelheit in deren unterstem Ort unser Herz friert. Der Platz, den die Freude braucht, Leben zu ermöglichen.

Der Imam sieht in ein blaues Gleisen, der Rabbi wird geblendet von Helligkeit. Der Schüler des Buddha versucht, Licht und Dunkel aufzulösen.

Ich bin nur Mensch wie Du und verwundet. Im Dunkel meiner Nacht entzünde das Feuer. Den Menschen wahrzunehmen, das Lied der Amsel zu hören.  

Klaus Wachowski 22.12.17

Donnerstag, 7. Dezember 2017

über Schönheit

https://karlsruheseltsam.blogspot.de/

Neuer Tagebucheintrag "Samarkand"

Mittwoch, 29. November 2017

Max Frisch betrachtend

Ich spüle das Geschirr
Bin ich einsam?
Ich trockne das Geschirr
Manchmal bin ich gerne allein.

Max Frisch Entwürfe zu einem dritten Tagebuch. suhrkamp

Wer schreibt, malt, forscht, denkt, formuliert, muß, wenn er/sie mit sich zufrieden sein will, die Welt aus der Entfernung betrachten, seinen Stuhl vom Tisch rücken. Die narzißtische Verführung: „Einsamkeit adelt“. Sie schmerzt? Aber auch zu große, zu lang anhaltende Nähe schmerzt. Manchmal, ehrlich, bist doch auch Du gern allein.

Und Du spürst, wie interessante Gedanken in Dein Zentrum drängen. Lasse sie zu: es sind Deine Gedanken und als eigene immer wertvoller als Gedanken von anderen. Hör nicht auf die Empörung des Lehrers in Dir. Hat er Dich nicht in Angst und Schrecken versetzt, als Du noch Kind und wissbegieriger Mensch warst? Aber diese Lehrerin, die Deine Neugier auf Welt begleitete, zeigte, wo es außerdem noch interessant ist; was würde sie denn jetzt und dazu sagen? Du kannst ganz für Dich selbst aussuchen, ob Du darüber nachdenkst.

Mein Freund und viel zu spät kennen gelernter Zweifler Richard, Du bist leider zu früh gestorben!. Du fragtest mich, was ich mir unter der Vorstellung "Höhle" denke. Du hattest Deine eigene Antwort. Aber Dich verlangte nach der Eigenheit meiner Gedanken. Es ging nicht um Recht haben. Es ging nicht um tiefere Einsicht: die eigene ist doch tief genug. Es ging um das Abenteuer der Entdeckung einer neuen Welt in der Durchdringung zweier Sphären. Danke für Deine Fragezeichen!

Dr. Smirc wirft ein: Aber darin kann man keinen Doktor machen!

Dr. Warnix, Psychagog und Dianetic-Clon, regt sich auf: Hör mal! Willst Du denn jedes wilde Denken domestizieren?! Forschung, Forschung! Immer schön die Röhre entlang! Das bringt Erfolg für die Regulierung des Tags. Aber Sonnenschein auf der Wiese, Beleuchtung der Planungs- und Verwaltungswüste, Erkenntnis aus Kenntnissen, das braucht mehr als die Monologe von Doktoren, Professoren, Diktatoren des Wie und Ignoranten des Was.

Gott kommt vorbei. Er liest in und mit einem Einhorn Shakespeare und Socrates. Ein Fastnachter aus Albisheim meint, hier müsse man sich doch mal recht wichtig machen und läßt sich auf den Boppes krachen. Gott und Einhorn peinlich berührt ab.

Ich reinige das Waschbecken. Manchmal bin ich gerne allein. Dann kann ich gut und tief an Dich denken. Das Schwinden der Zeit spüren, die Vorbereitung eines neuen Anfangs.

28.11.17 Klaus Wachowski


Montag, 27. November 2017

Hinweis auf "Aus der Scharwänzelforschung"

Zu lesen im Blog "Spielwiese und Reisen"

Erosions-Dokumente aus der Jetztzeit. Etwas unfaire Zusammenstellung erhabener Gedankenfluchten mit eingeborenen  Wutausbrüchen

Mittwoch, 22. November 2017

Cottage 2017

Ich komme aus den Nebeln Südenglands an John's Hütte an. Gott sei Dank ist er zu Hause. Wir reden nicht viel. Er zieht an seiner Pfeife. Der Rauch duftet würzig. Die dunklen Balken, die abgewetzte Bank. Und es ist warm. Ja, das Feuer knistert im eisernen Ofen.

Was haben wir miteinander zu tun? Wir warten auf Dr. Smirc und vertreiben uns die Zeit mit Trauern. Auch er hat einen Verlust. "Sie hat ihr Leid beenden wollen, nicht weiterschieben auf mich. Aber ich hab es jetzt, muß jede schöne Minute, die die Sonne schenkt, an ihre Schmerzen denken, ohne zu wissen, ob meine Gedanken darüber ihr entsprechen." 

Diese Erfahrung entspricht wohl auch meiner. "Wir müssen ganz schön schaffen, daß wir nicht mit hinab gezogen werden! Wie machst Du das?"

"Ich weiß nicht. Lebe einfach weiter, hoffe auf die Zeit. Aber es geht natürlich nicht ohne nachzudenken. So lenke ich meine Gedanken in die Erinnerung, versuche, mir das Schicksalhafte zu vergegenwärtigen, um meinen Anteil daran nicht zu einem Fels werden zu lassen, unter dem mein Leben erschlagen wird. Aber so leuchtend wie damals wird es wohl nicht mehr werden."

"Ja, wir sind zu einem Leben in Höhlen zurückgekehrt. Aber ein bißschen schön geht schon. Schau Dir mal Deine Bude an! Ist doch gemütlich."

Die Tür geht auf, Smirc kommt. Die Schlammstiefel brav abstellend verlangt er nach einem echt englischen Tee, bitter wie Hartz IV. Er will uns abholen für die Fahrt zur Ouse. Er hat auch schon einen Text für Virginia vorbereitet. Pathetisch natürlich, wie bei twistenden Dichtern so üblich:

"Liebe Virginia, wir möchten uns bei Dir bedanken. Du hast uns die schönsten Seiten Deiner Seele aufgeschlagen, Mrs. Dalloway. In unsere, von deutlich Ichbetontem Willen gepeitschte Welt hast Du die Fragezeichen der Wörter und des Denkens eingegossen. In den Kater der Willensbesoffenheit Deine klare Anschauung. Von der Welt mußtest Du Dich entfernen, um Dich in ihr Erleben hinein versetzen zu können. Davon zuviel hat Dich schließlich umgebracht. Dank für die Begleitung an Deinen treuen Liebenden! Wir denken an dich. Wir danken dem Leben, daß es solche Möglichkeit wirklich werden ließ."

Na ja, es hat etwas von unseren Gefühlen.

Dr. Warnix, Psychagog und schief gelockertes Künstlergebiß, erwartet uns schon. "Entschuldigt meine Verspätung! Stau auf der Gedankenautobahn. Mein Text ist nicht ganz fertig. Aber hier wenigstens das: "Liebe Virginia. Jedes Leben ist ein ganzes Leben! Ob Du nun wirklich eine Legende bist oder ein X von Milliarden wie ich. Die hast uns Teil nehmen lassen an Deinem Innenleben. Ich wünsche uns allen, daß es tatsächlich nach unserem Untergang etwas wie Weiterleben in einem der Energie zufließenden Zustand gibt und in irgendeiner unendlich fernen Zukunft sogar wieder Rückkehr der Materie in individuelles Leben. So etwas wie Du darf nicht verloren gehn."

Plötzlich die Glocken von Big Ben. In den bleiernen Kreisen fliegen Vögel. In ihrem Ruf der Freiheit höre ich die Hoffnung aus der Gemeinschaft. 

Klaus Wachowski 22.11.2017