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Sonntag, 20. Januar 2019

Frieren

Die Straße ist grau wie der Himmel, aber es regnet nicht. Ich hoffe, daß ein Hoffen durch Dein Frieren leuchtet.

Ich denke an meine kalten Tage, von denen nichts als dieses unangenehme Sich-an-frieren-erinnern blieb.

In einer zu Eis gefrorenen roten Beere des letzten Herbstes wünschte ich mir eine Blüte zu sehen. Die Straße war schwarz.

Der Stoiker wünscht mir klare Gedanken.
Einen sauberen Weg in die Auflösung.
Es ist ein Standbild.

Sehnsucht fehlt, die Liebe mit all ihren verpackten Geschenken von Glück und Leid.
Es fehlt der Antrieb und auch die Angst.

Ich wünsche Dir Hoffnung im Frieren der Straße.

Sonntag, 6. Januar 2019

Epiphany

Lebe nicht mit der Lüge (Alexander Solschenizyn) 

Du kannst nicht zurück in die Vergangenheit, um etwas zu berichtigen.
Du kannst bereuen. Du kannst leben und Du kannst Zukunft. 

Die Abwieglerin vom 19. Jahrhundert rät, "genauer hinzusehn":
Dressur gewähre Autonomie.
*
Epiphanias or
The three kings of the latter days

Ich gehe durch die Straßen des zahnlosen Wyoming, Iowa, Kansas, Meck-Pom US. Das weiße Hemd ist mit gelben Rosenknospen gesprenkelt. Die Welt bereitet sich vor, mich zu begrüßen. 

Der Trumposoph Dirty Harry kommt mir als Scheriff entgegen, deutsche Herkunft, deutsche Dogge. Ein anderer Kerl als dieser Black Hawk. Er zieht den Gürtel unter den Bauch und fragt, was ich denn hier wolle. Sieht aus, als habe auch er so ein Murmeltier auf dem Kopf.

Ich frage nach dem Weg zum Ku-Klux-Klan. Er empfiehlt mir, mich zu der Adresse xy zu scheren und den Ort schleunigst wieder zu verlassen. 

Ziel sei es, den Bürgern im County exzellente mitfühlende Strafverfolgungsdienste und Schutz zu bieten. Die Dienstleistungen würden konsequent, verfassungsrechtlich und ohne Vorurteile an Dritte erbracht. Die Pipeline sei ins Reservat verschoben worden. "I just closed my eyes and did it." Homer Trump Simpson.

Hinter den Gardinen das Blinken von Gewehr und Revolver. Man traut dem Nachbarn nicht und man hasst den Staat (will wohl Waffen kontrollieren). Da ist Jesus natürlich längst nicht mehr Bruder, sondern ein Herrscher, der Gefolgschaft verlangt statt Nächstenliebe. 

Ist in Europa in Gemeinden unter 2000 Einwohnern Demokratie eine Illusion, dann gilt es, wegen der gewaltigen Distanzen unter den Nachbarn, in den USA auch für Kommunen unter 10.000. Waffen, Wahn und Whiskey vergrößern die Entfernung noch.

Mißtrauen späht ätzend meinem Weg nach. Was will der schwule Städter von unseren harten Kerlen? Zwei Häuser hinter mir öffnet sich eine Tür und ein mit dem Revolver spielender Alter schlurft hinter mir her. 

Ich erreiche den Bauzaun. Es ist nicht der um die Farmen der Reichen des Raffen-will-belohnt-sein. Den meide ich wie diesen hier. Zuckendes Lachen, fordernde Fragen begrüßen mich. Irgend so ein Rap wird plötzlich voll aufgedreht. Ich drücke mich um die Ecke, der "harte Bursche", der mir nachgeschlurft ist, schleicht sich zurück.

Hast du schon mal nen schwarzen Mormonen gesehen? Du glaubst doch nicht, dass die Clans der Frömmler oder die hispanischen Katholen hier etwas mit den Leuten des Gospel-Kommunitarismus an Fellmütze  oder Sombrero haben! Vor Lügenpredigern warnen, aber Trump wählen! Das Esoterische verbindet sich mit der Schulverweigerung zur Anbetung des heiligen Kalbs der letzten Tage.

Da. Das Haus der Klux-Vertretung. Dreckig.  Die russische Fahne hängt neben dem Südstaatenlappen, dem Tattoo aus Ungarn. Im Hof die bekannten militärisch aufgeblasenen Schrottfahrzeuge. Drei Bluthunde stürmen heraus, umringen mich. In das Zähnefletschen hinein bellt ein Lautsprecher: "Stop!-Was wollen Sie?" 

Ich schieße die Köter nieder und nehme Deckung hinter einem aufgemotzten Hummer. Totenstille. Die Orks kommen die Treppe herunter gesprungen...

So denke ich mir das große Amerika der Maultasche.
*
In Wahrheit gehe ich in ein wirkliches Karlsruhe made in Europe. Ich sehe beschäftigte Menschen,ich sehe an einer Beschäftigung gehinderte und arme Menschen.  Vermehrt stürzen die Kosten einfachen Lebens über kleinen Hoffnungen ein. 
Man ist -von wenigen Ausnahmen abgesehen- höflich, ja oft zuvorkommend miteinander. Spießerin und Spießer grüßen einander und ich bin dabei. Man ist auch egoistisch, mancher/manche drückt sich an der Schlange vorbei, glaubt an die besondere Wichtigkeit des Selbst, rächt sich für die Missachtung besonderer Wichtigkeit. 
-Ein Kabarettist nutzt es aus, tanzt mit der Wichtigkeit des Ego einen Tango surreal in rauschendem Beifall besseren Publikums. Mir ist nicht lächerlich, wenn nicht jeder Mut und Wut eines Kabarettisten hat. -
Wie schön. Man hat etwas miteinander zu tun! Es gibt eine Gleichheit des Werts ohne Clan-Stempel. Schon von daher braucht es keine Waffen außerhalb der Polizei. Und fremd ist jede und jeder, höflicher Umgang bedarf  weder eines Passes noch einer Pistole. Auch die Stadt Rom blieb noch lange nach ihrer Unterwerfung durch Augustus Republik, bis aus ihr ein repräsentativer Palast mit Tafel gemacht war und im kolossalen Privatfernsehen Menschen gejagt wurden. Hier lebt noch Bürgerin und Bürger.
Dr. Smirc kommt vorbei. Wir malen unsere Depressionen mit Bildern von Jean Paul und Virginia Woolf aus. Der Kaffee schmeckt scheußlich und ist teurer als in so ner Bumskneipe am Dorfrand von Babbittown, aber die Leute freuen sich des Sonntags. Frieden senkt sich herab und schau: auch Dr. Warnix, der alte Psychagog, und Achenbachvom Rheinkilometer 501 kommen herein, etwas am Gespräch zu nippen. Und Gott gibt heut Trinkgeld vom Frühling.
Laß doch große Koalition, SPD, CDU, Grüne pp! Lass uns meckern und diskutieren. Ist doch noch mal gut gegangen. Da ist Frieden und Freiheit.
6.1.2019 Klaus Wachowski

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Tears go by

Auch ich höre as Tears go by von Marianne Faithful.

Als Ihr noch im Spielplatz spieltet.
Und Tränen haben heute andere Quellen als Sehnsucht.

In zerfließenden Räumen seufzen wir und lachen.
In fließender Zeit. Das Licht einer Kerze erinnert an das Licht einer Kerze.

War da Freude?
Ich sage laut und lauter in mir: "Ja!"
Unsicher über die Festigkeit der Haare meiner Erinnerung.
Da war, ja, ganz sicher: da war etwas.
Sagt die Liebe mit der Unsicherheit der Liebe. Laut und lauter in mir.
Seufzend und lachend
 as tears go by.

Freitag, 23. November 2018

Übergang

In diesem Augenblick
Vom Ast der Schrei des Raben

Mittwoch, 14. November 2018

Raum Leben

Raum Leben

Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Das Land ist bereitet. Ich stehe auf und gehe meinen Weg. Hinter mir schließt sich das Blätterdach. 

Vorbei an Angst, Glück und Sehnsucht der Kindheit.  Vorbei an Angst, Glück und Sehnsucht der Kindheit meiner Kinder. Ich hoffe, daß ihnen heller war. 
 
Verlust hat die Erde aufgerissen. Erinnerungen breiten ihr Grün über der Tiefe. Lianen, gewaltige Baumstämme, Riesenfarne. Aber die Sonne dringt durch das Laub. Schreie von Affe und Kakadu. 

Ich weiß schon: da lauert die Katze und weiter hinten sammeln sich Wölfe. Aber jetzt ist Tag, jetzt ist Weg. 

Ich denke an Dich. Heute Abend feiern wir Begegnung in Wort und Berührung. 

So Gott will. 

Ich sehe auf zu den Bergen. Von wo kommt Hilfe? 

Die Sonne scheint. 
Oder regnet es Traurigkeit? 

Ich gehe in der Welt. Ich bin in der Liebe. 

Amen.

Sonntag, 11. November 2018

Raum Stille

Raum Stille

Frieden ist der Ort,
Stille ist der Raum,
Die Zeit hört auf.

Ich sehe:
Viel ist mir geschehen,
unglaubliches Glück,
Leid, das Glück löscht,
Trost aus Trauer.

Hoffnung senkte Wurzeln ein
und Liebe nährt.

Stille hüllt mich in samtene Nacht,
in funkelndem Netz hält mich Leben.

Und Stille ruht über den Räumen
-wie unerschöpflich der Quell.

9.11.18 Klaus Wachowski 

Donnerstag, 8. November 2018

Von Sorgen

Wessen Anspruch ich genüge?
Das lass mal meine Sorge sein!
Liebe oder Lebenslüge?

Sei ich im Ende auch allein,
Sei unbesorgt!
Und lass
auch das mal meine Sorge sein!