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Samstag, 3. Juni 2017

Die Bitte

"Halte mich!", sagt Virginia zum Leben,
"Ich sinke".
Und beschwert die Taschen mit Steinen.

Die Ouse umarmt sie auch von innen.

"Warum?", zwitschert der Frühlingsvogel.
"Warum?" fragt Mütterchen Eichhorn.

Wir sehen voll eisigem Schrecken das Bild,
und die Sehnsucht zieht unser Leben hinab.

*

Was beschwert unsere Taschen? Woher dieser Stein?
Du hast ihn nicht gebrochen noch herbeigezogen.
Und doch liegt er im Netz, das wir auswarfen, Menschen zu fangen.

"Wirf es zurück!", ruft der Vogel,
"Laß!", bittet Mutter Leben.

Ich bitte Dich: Atme!

3.6.17

Freitag, 2. Juni 2017

Abschluß und Entlastung

Abschied 

Ich kam als Fremder in die Provinz, ich ging als Fremder.

Dr. Smirc rät, ich solle mir das Zischen der Heimattücke nicht zu Herzen nehmen, wichtiger sei, die Spuren vor den Heimatforschern zu verwischen. 

Dr. Warnix, Psychagog und Weihnachtsschmunzler, lacht: ich sei doch schon vergessen.

Gerne. 

Das Gemüt von der Backeskartoffel, die Freundesbande von Ehrgeiz und Macht, die hinterlüftete Fassade der Herrschaft. Sie haben sich längst wichtigeren Ereignissen zugewendet, deren Erleben die Erinnerung an mich überbügeln wird. Und die wenigen Freunde sind nicht Rheinhessenfreunde, sondern eben Freunde geblieben. Die Bilanz ist ausgeglichen.

Mancher wird noch denken: "Da gabs doch einmal den Wieheißternochmal. Aber: wie heißt er denn nun wirklich noch mal?" Nicht anders als ich es tat mit anderen.

Ich will nicht unfair bleiben und etwa im Zorn scheiden. Aber niemand sage: dieser komische und empfindliche Wachowski habe in irgendeiner Form etwas von den Cliquen der Provinzkultur, des politischen Ehrgeizes, von Backeskartoffelgemüt und Vorteilsrechnung profitiert oder profitieren wollen. Ich mag über den Einen oder Anderen bei falscher Gelegenheit vorschnell geurteilt oder gespottet haben. Seine Würde war mir stets wert.

Wem ich geholfen habe, der oder die gehe davon aus, daß ich es gerne getan habe oder daß es in Erfüllung von Nächstenliebe oder allgemeinem Gesetz geschah. Wer über mich lachte? Ich kann mir nicht vorstellen, daß es einen gab.

Ich verschiebe nun die Texte des Blogs "Flop Alzey" ins Archiv und lösche den Zugang.

Es wird sein wie nicht geschehen.

2.6.2017

Klaus Wachowski

Mittwoch, 17. Mai 2017

Lilie



Bläulich in einem kleinen Bach von Licht schimmernde Lilienblüte.
Eine Biene schwimmt herbei, pudert sich mit dem süßen Staub der Liebe, fliegt hinaus ins Blau.
Einer Schwalbe roter Mund schließt sich um einen mit Liebe gewürzten Bienenleib.
Glücklich, das Kind einer Schwalbe.

Ein Schatten.

Schatten und Licht sprudelnder Bach.

Klaus Wachowski 17.5.17

Samstag, 6. Mai 2017

Glocken

Glocken

Das Leuchten der Butterblume
Das Singen der Vögel laut, laut.

Ich gehe unter blühenden Kastanien weit hinaus.
Weiß und rosa die Pracht.
Von weit her und schwach der Duft einer gelben Rose.

Kinder im Spiel!

Sacht fließt in die Welt
die Freude auf  Dich.
   Mai 2017 Klaus Wachowski

Montag, 1. Mai 2017

Über Sehnsucht

Es soll Menschen ohne Sehnsucht geben
Dr. Smirc kommt sich vor wie ein röhrender Hirsch.

Ich bin immer wieder in die Strudel der Sehnsucht gezogen worden.
Die Liebe zog mich heraus.
Dann brach der Schmerz in uns herein.

Erwachend spüre ich den Sog der Sehnsucht,
die heilende Hand der Liebe,
den Schmerz.

30.4.17 für Virginia Woolf

Samstag, 22. April 2017

Vertrauter Schatten



So einen Abschied habe ich nicht gewollt
Ich hatte Hoffnung, Staub aus Licht,
Nun ist es so.
Ich halte fest, was blieb
und gehe weiter ins Vergehn.

Was es auch war,
Ich habe Dich gesehn!
Es pocht in mir,
Berührt mich weh und froh.

22.4.2017

Samstag, 1. April 2017

Zugehörigkeit und Gott

Dies reflektiert eine Reflexion meines Freundes W, dem ich für seine Fragen und Forschungen des Eigendenkens dankbar bin. Wie wenig ernst wird doch in einer ungeheuren Produktion von Antworten sonst gefragt.


Auch dieser Versuch, mir selbst etwas Gewißheit zu verschaffen, möge dem Selbstfragen und -denken anhand gegeben werden.


Gott sagt nicht: es werde Nacht! 


- so Stimpfle, unser Hausgammler*


Zugehörigkeit und Geborgenheit werden gern in der Nation, Heimat, Herkunft und oder Gott gefunden. (In der Masse dann wohl doch eher  die Auflösung, das Nirwana...).
Gleichheit und Gerechtigkeit suchen eher Freund und Nachbar, Freiheit ist in der Einsamkeit und im Ich angelegt.

Was hat Geborgenheit mit Gott zu tun?


Kleiner Bruder Jesus meint: "Liebe Deinen Nächsten und glaube! Was noch?!"


Ich fühle mich geborgen in den Kirchenbänken von X. Dort sammelt sich eine Gemeinde von Leuten, die Leiden noch spüren. Das scheint mir echter, näher als der Gehorsam der Frommen.


Was ist mit Glauben? 


Gott kannst Du nicht wissen. Wie auch das Nichts nicht. So Sokrates. Bleibt nur Zweifeln und Glauben. Christen glauben oft an Gott, Buddhisten*** und andere Atheisten eher an das Nichts. 


Überhaupt nicht glauben: weder an Gott noch an das Nichts, ist das möglich?
Nicht zugehörig sein, ist das möglich? Sich nicht zugehörig fühlen schon. 


Zugehörig der Familie, dem Stamm, der Gemeinde, der Nation? Da endet schon die Vorstellungskraft vieler. Eine Zugehörigkeit zur Menschheit verspricht sehr wenig Halt. Die KZs zeigen den Wert dieser Gemeinschaft vor jeder anderen, die dem Angehörigen ein Privileg verspricht, eine Ehre, indem sie den Wert "nur" Mensch zu sein jeweils niedriger ansetzt. 

Dagegen erhoben schon Pico de la Mirandola für die Republiken der Renaissance und Kant für die Menschenrepublik den Wert der Person, die "Würde". Sie ist allerdings die letzte Verteidigungsposition des Individuums. Daß in den beiden letzten Jahrzehnten der Artikel 1 GG so oft zitiert werden mußte zeigt, wie sehr die Republik berannt wird.


Wer achtet außerhalb der Politik und der Gesellschaft die Person wert? 


Da gibt es nur noch in vielen Religionen Gott, die Gottheit, der, die Dich nicht in den Feuern der Entwertung stehen läßt, den Mantel um Dich schlägt, Dir Mut zuspricht. Das hilft im Widerstand: es gibt eine andere Geborgenheit. 


Zurück: dieser unerfahrene junge Bursche Jesus meint also, mit dem Glauben (und Liebe) allein könne man problemlos in den Himmel kommen? Sündige tapfer aber bete umso tapferer (Luther)? 


Ich denke es mir so. Sich "sündig", unfair, gemein zu verhalten, darum kommt wohl keiner und keine herum. Nächstenliebe als Problem.
Aber ich durfte doch in die Welt kommen**. Und wenn ich mich umsehe, so gibt es ungeheuer viel Unrecht und Leiden, deren Ursache auch Menschen sind. 


Ich kann aber ebenso deutlich sehen und ich habe ebenso deutlich erfahren: Anstand, Mitleid, Hilfe einfach so pp, so daß ich die Welt tatsächlich nicht als Hölle begreifen kann. Diese Erfahrung ist es, manchmal ist es sogar nur eine Hoffnung darauf ohne Bestätigung in der Realität, die Folter, Grauen, KZs pp durchstehen oder sogar überleben läßt. 


Was gibt es da noch zu glauben? Ich glaube, daß das Leben diese Möglichkeit enthält. 


Daß sie von Anfang an irgendwie darin enthalten ist, darin stimme ich diesem Jesus zu. Er sagt "Vater" zu der Energie, deren Ausdruck sie ist. Ich hatte einen Vater und benenne sie dann doch lieber mit diesem Wort für das Unbekannte: Gott. Und je nach Situation, -dieser Gott ist ja leider nicht allmächtig im Sinn eines Kindergartenglaubens-, zweifle ich oder glaube ich.


Irgendwie ist das Leben auch eine wunderbare Sache.


Das bringt dann wieder den Gedanken auf die, die gerade das Gegenteil erfahren. Auf dem Mittelmeer, in den Kampfzonen, auf russischer Müllhalde.


Man kann Gott, den Menschen, dessen Kind gerade vor seinen Augen ertrinkt, weil er das jüngere über Wasser zu halten versucht, durchaus unterstützen. Nicht nur gegen Gotteskrieger.


So mit Jesus: zweifle oder glaube, aber vergiss den Nächsten nicht!


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* Gammler- freier Obdachloser der Gentrygeneration
** Wer sagt, es sei besser, nicht geboren zu sein, etwa der deutsche Buddhist Arthur Schopenhauer, vergesse nicht, daß er ins Leben kommen durfte oder mußte, diese Gelegenheit zu bekommen.
*** ich finde, daß der Buddhismus den Nachteil seiner Indifferenz gegenüber dem Nächsten nicht durch noch so viel Weisheit des Ich ausgleichen kann. Er kann froh sein, dass nicht durch eine schräge nietzscheanische Wende das Ich zum Gott erhoben wird. Wie es eben N. gegenüber seinem Lehrer Schopenhauer -hoffentlich nicht dauerhaft erfolgreich- versucht hat.