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Donnerstag, 30. Mai 2013

Eigenes

Da geht ein eigener Gedanke durch die Gärten der Nachbarschaft.  

Ein Auto mit Schülerin und Mutter fährt vorbei. Zwei einander ins Ich fallende Willen. Da ist die Schule zum Einkochen des Einheitsbreis und heute Abend wieder zurück ins Wir.

Wohin auch immer der eigene Gedanke geht: er findet immer weniger Du vom Eigenen, immer mehr man und immer breiteres wir.  
Er muß sich immer heftiger gegen den Sog der Krake Mittelalter wehren, die sein Ich in etwas namens Identität saugen will, das ein allgemeines Wohlsein definiert.  

Es geht aber auch umgekehrt: Wo er anstößt, löst er kleine elektrische Impulse der Uneinigkeit aus. Die vom man und wir kommen in Bewegung.

Und manchmal entspringt ihrem Wellness-Knast ein -eigener- Gedanke. Hallo Richard! Schön, Dich zu hören...  

30.5. 2013

Mittwoch, 15. Mai 2013

Berufspendler und Baustellentouristen



Kenne ich den Alten nicht?  Der Magenbrothut über struppig grauem Haar. Die gelbe Gesichtshaut von einem Kauen oder Selbstgespräch in Bewegung gesetzt. Der Gang aus dem Hohlkreuz. Das kennt man unter alt. Auch den verlorenen Blick, der Dich zur Hilfe ruft. Man lebt wie Blätter im Wind., wo man früher wie Blüten in den Wind sank. Den da vor der rollenden Plastiktüte aus 1990 spricht Keiner an.
Du aber denkst an Deine Kinder. Und die Leere füllt sich mit einem Gefühl wie Wärme.  Aber Dein Kind geht eigenen Weg und möchte nicht immer Deinen breiten Rücken oder Dein lächelndes Gesicht die Sonne verfinstern sehen.  Bitter wiederholst Du :"Über den alten Stolperer stolpern. -" Jetzt weinst Du Freude vergiftende Tränen.

Aber Du hast doch alle Liebe, die ein Kind geben kann, das nicht mehr von der Muttermilch trinkt oder Altersweisheit absondert.

Der Philosoph und Heilpraktikant Dr. Warnix meinte vor Kurzem zu seinem Saufkumpan Dr. Smirc: „ Wir haben die alten Besserwisser auf ihnen schauderhaften Wegen überholt und sehen die Jungen nun hinter Nebelwänden verschwinden wo wir Abgründe befürchten, Gehen wir auf sie zu, besteht die Gefahr, daß sie zurückweichen…-
So stehen wir und die Zeit ballt schwarze Wolken, schickt gleisendes Sonnenlicht. Was auch immer der Sinn vorher war: was ist er jetzt?“

Das Weniger reißt Löcher in die Gewebe der Erinnerung und der Freundschaft.  Wir treiben ab und sehen von ferne größere Landstriche der Wahrheit bei Verlust der Umarmung. Dann gehen wir mit Einkaufstaschen ins Jetzt, auf der Suche nach Du. Die Welt legt sich als eine papierene Paketfüllung um uns. Tassen und Gläser fallen um und ergießen ihr Lachen über unsere unauffällige, passgenau eingekaufte Kleidung. Die Stoffe wehen -etwas bekleckert- über allem Stoff.

Wollen wir Wellness schwitzen gehn? Auch die hier Gestrandeten waren Teil. Wenn sich die Nebel lichten, zeigt sich der Abgrund als Baugrube eines neuen Glücks.

15.05.2013            Klaus Wachowski

Freitag, 10. Mai 2013

Reha-vital  
Menschen mit weißen Gesichtern  
Man berichtet mir, da seien Menschen mit weißen Gesichtern in der Stadt.Sie sängen seltsame religiöse Lieder. Es klingt mir wie Tod und Gespenster.
Die Angst vor der Einsamkeit hat die Freiheit an der Leine. "Bei Fuß! ", ruft die Liebe. Und zum misstrauischen Passanten:"Keine Angst! Sie beißt nicht! "  
Die Freiheit ist noch jung. Sie springt hoch und beißt der sorgenden Liebe in die Hand.  Sie pinkelt an jede Straßenlaterne und setzt an den unmöglichsten Stellen ihren Kot ab.  
Die Liebe geniert sich. Aber der treueste Freund der Liebe ist nun mal die Freiheit. Dies erfaehrt jene,  als die Heimatliebe, gezogen vom pitbull Hass, auf sie zu rast.
*
Ein Spalier von Egoisten leckt Depression aus Waffeln. Und die in unseren Tagen mächtig erblühte, stark gewelkte Macht sinnt vergeblichen Wichtigkeiten nach. Noch weiß der Undedog zu grüßen. Nur,  man kann auch nicht mehr sagen,  dass dem Publikum geradezu der Atem stockt.  
Und ein weißer Mercedes, der einmal ein schwarzer BMW war fährt in ein Meer des Vergessens ein.
*
Sieh das Licht auf den grauen Steinen,  den grauen Gesichtern, wie freundlich sie werden. Höre die Gespräche,  das Lachen zittern und flattern über den Platz. Die Stimmen der Voegel flechten sich ein, das Bellen. Ein Brunnen verströmt Ewigkeit. Freude schneit Funken in dunkle Herzen. Wunder des Augenblicks im Dahintreiben des Tages.
*
Poetr-Islam in der Lausitzer Rundschau  
Christliche Himmelfahrt und Xenophobie treffen einander im Handwerkermarkt Phukket. Flott geht's in naturbeschliffenen Demenz-Tretern in die Pflege-Oase mit Aussicht auf Tsunami. Man liest vom Liebes-Aus des Daimler-Chefs.
10.5.2013

Mittwoch, 8. Mai 2013

Die Tulpe

Die Tulpe errötet, als sie in die Collagen fällt. Die Worte zerfallen in Wörter. Das Herz verletzt sich am Ruhm.

Als der Flieder an der Pforte aufblüht und nach dem Ereignis Herta Müller fragt, schüttelt die Empfangsdame Ingelheim den Fragebeutel. Es klappert aus der Naivität: "Wer ist Frau Müller?"

Dr. Smirc fragt einen Kulturpassanten der gehobenen Mittelklasse: aber Dir sagt der Name doch etwas! Der Mann antwortet etwas vom FCK. Dr. Smirc fragt sich, ob er sich recht erinnert. Die Tulpe lacht in einen Frühling aus Wörterschnee.

8.5.2013


Sonntag, 5. Mai 2013

1.Mai 2013

Gestern habe ich gelesen. Man hatte etwas harmlose erzählende Literatur erwartet.

Meine Versuche, das Äußere mit Reflexen aus inneren Bewegungen und Brechungen aus der Kristallstruktur der Begriffe zu vertiefen, sorgte für Verwirrung. Man bedachte mich mit Beifall. Aber diese seltsamen Flugbewegungen mitzumachen oder zu feiern, fand sich niemand. Die Dichtung bleibt fremd unter Menschen, Literaten, Dichtern. Nur Liebende und sonst selisch verwirrte finden sich verwandt. Man  erwartet, in irgendeiner Weise heimisch in dieser Welt werden zu können. Über den Plumpsklo Dialektgedicht oder die wahren Empfindungen gelockter Fragwürdigkeit. Dazwischen die Weiten der Sehnsucht. Aber Einsamkeit macht auch Einsamkeit lindernde Gedichte.
 
Die Kundgebung ist in diesem Jahr eine Veranstaltung unter treuen Senioren und hoffnungsvollen Randgruppen. Die Arbeiter sind fern im Feiertag. Die politischen Führer haben das erkannt und sind ebenfalls zu Hause. Der Mairedner von der SPD und die Gewerkschafts-Aktivistin ausgenommen. Arbeit hat so einen Geruch von Underdog.

Über die Jahre bin ich zur Auffassung gekommen, daß es nicht schlimm ist. Wenn es darauf ankommt, werden die Arbeiter sich sammeln und die Parteien hinterher springen, um den Anschluß nicht zu verpassen. Inzwischen sehen sich die wenigen Getreuen verpflichtet, bewußten und gepreßten Arbeitern und Arbeiterinnen ihre Stimme zu leihen und dies einander und ihnen zu demonstrieren.

X ist da. Er hat mehr vom sozialen Netz profitiert, als dafür zu arbeiten. Arbeit heißt in seinem Fall der fehlenden Ausbildung: Maloche. Natürlich ist er öfter krank und fertig als unsereins. Für ihn gibt es null Mitbestimmung des Arbeitsalltags. Kläglich der Brustton von Moral aus dem Mund des gut gebetteten Top-Pharisäers.

Den Rest des Tages sollte man damit verbringen von den Helden der Gerechtigkeit zu lesen, in einer Zeit, in der Solidarität in den Laugen und Säuren von Beziehung und Isolation ausgewaschen wird. Die Betriebswirte haben die Republik ausgebeint. Man wartet auf die Liquidation durch die Inkasso-Büros des Terrors.  *

Durch den Regen fahre ich, durch die Ehrgeizigen wird kalt das Leben und grau. Von der begehrten Schönheit zum bösen Reff, vom umschwärmten Helden zum geilen Alten entwickelt sich die Seele. lm Schloß Bauchweg findet die Anstandspolizei das Fluchtfahrzeug der Sehnsucht.

Die Pflegerin wischt dem Erfolgscoach mit einer harten Papierserviette den Faltenmund. Die Berge versinken hinter dem Nebel, die Welt in einer Blüte Jasmin. Der Sterbende bekleckert seine Edelkrawatte mit Omega-3 Fettsäuren für die Ewigkeit.

Brüder, in eins nun die Hände. Werft die Herrschaften aus dem Tempel -und lernt Vertrauen in der Einsamkeit   4.5.20131.