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Sonntag, 18. November 2012

Ernst-Reuter



Ernst Reuter, der auf Straßenschildern vergessene Bürgermeister Berlins, war in jungen Jahren Funktionär der Republik der Wolgadeutschen.

Der Rußland-Deutsche Heinrich Miller geht die Straße lang. Die Füße sind kaputt, daher an zwei Krücken.

Ja der Stalin wollte uns alle weg machen, weil der Hitler den Krieg mit ihm angefangen hat. Belogen. Ham uns alle belogen. Nach zwei Monaten, wenn der Krieg vorbei sei, sollten die Deutschen wieder zurück an die Wolga.

Der Junge drückt auf den Knopf und stellt sich vor, wie die Rakete in einem Hotel Tel Avivs explodiert und die ganzen westlichen Teufel in einem Feuerball verbrennt. "Verdammt", zu früh abgedrückt. Der Soldat hat das Baby getroffen.

"Trud-Armee? Ja!", er lacht: bei Semipalatinsk oder wo musste mein Vater Bäume fällen. Die müssten bis zu den Knöcheln im Wasser stehn. Nach einem halben Jahr war er lahm und musste heim. Im Frühling musste er nochmal zwei Jahre raus. Der Stalin und der mit dem Bart, der Kalinin, die ganzen Herrn. Die haben uns gehasst. Im Meer wollten sie uns ertränken. Da sind Tausende, Knochen schwimmen da unten im Meer. Die Jekaterina hat uns auch belogen. Zu den Tartaren hat sie die Deutschen geschickt, die ham sich lustig gemacht und die Männer und Frauen mit ihren Pferden tot geschleift.

Menschen sterben in Israel, Menschen sterben in Gaza. Wer ist schuld?

Wird eines fernen Tages, einer fernen Straße ein Alter von Hartz IV Dir den Spiegel vorhalten können: "Bei der Stadt, beim Kreis hab ich gehört: Geh doch zurück!" Die Araber/Juden haben meine Familie umgebracht. Alle haben zugeguckt, wie das Land ausgelöscht worden ist: Ihr, die Amis, Russen, Chinesen.

Ein Sonntagsspazierer mit Hund geht vorbei. Was haben denn die mit dem Russen?

Was weiß ich, woher wir kommen. Die Voreltern meiner Voreltern? Ihr wißts doch auch nicht. Sechzig Jahre hab ich gearbeitet, Im Stahlwerk, die Stampfmaschine hat man fünf Kilometer gehört, der Boden hat gezittert, das Öl hat gezischt und Flammen geworfen. Das war nicht schlimm, aber der Rauch, der Dampf.

Dann hat der Kohl uns geholt und die Hälfte von meiner Rente. - Macht mit der Krücke ein Zeichen für X auf den Boden. Die ersten, die gekommen sind, haben noch alles gekriegt. Wir waren im letzten Wagen vom Zug. Für uns gabs - nix. Lacht. Ich könnt ein Buch schreiben.

*

Ich sitze im Café` und möchte schreiben. Aber in Israel wird getötet. Der iranische Fanatiker spielt mit der Atombombe und das Leben der Welt hängt an dem seidenen Faden der Vernunft, der den Mächten der Welt uno-egal ist. Sie haben andere Sorgen.

Ich könnte ein Buch schreiben, sagt der verachtete Mensch. Er kann es nicht. Ich kann es nicht. Angeblich ist die neue Jugend der Welt besser. Waren nicht wir die enthusiastischste Jugend der Welt? Da ist wenig Hoffnung. Aber sie ist größer als Null, so lange noch ein Sonntagsspazierer sich fragt: was wollen die nur mit dem Russen?

18.11.12

Er liest Weihnachten im Kaufhaus

Auf Knopfdruck ein Projektil abfeuern: Figur einfach in die Box stecken und schon ist Batman mit Rüstung und Waffe ausgestattet.

Die Antifa hat schon teilweise Recht: in jedem von uns steckt von Kind auf ein Nazi. Insbesondere, wenn wir Ordnung lieben.

Anders rum: Figur einfach in die Box stecken und schon ist Super-Ali mit Sprengstoff-Gürtel und Iran-Rocket gerüstet.

Oder: Monster-Power in Deiner Hand:
Der Core als wichtigstes Element im Monsuno-Spiel. Diese Kapsel verfügt über eine schnelle Dreh-Action und enthält verborgen in ihrem Inneren ein mächtiges Monster. Treffen zwei Cores bei der Dreh-Action aufeinander, brechen die Monster daraus hervor.

Der wilde Core ist die stärkste Waffe im Monsuno-Kampf. Aktiviere den Wilde Core per Knopfdruck und beobachte, wie dieser sich durch den Einschlag des Cores aktiviert.

Mit Hilfe des original Monsuno-Launchers können die Cores durch einen einfachen Handgriff zum Drehen gebracht werden. Rooaaar!!!

Nicht übel antwortet der Nachbar:
Mit dem Air Ace Zoopa 300 3-Kanal Helicopter für hundert Euro Nachbars Garten ausspionieren und eigene Duftmarken platzieren. Mit dem "drone 400 Quadrocopter" sich ultraheiße Rennen in Wohnzimmern liefern.

Aber schütze Dein Revier mit dem Air Hogs Battle-Tracker oder dem Hover-Assault. Auch der Mega Masters Robo Blaster, ein extrem gelenkiger Kampfroboter mit Raketenwerfer ist hilfreich mit coolen Spylights. Freut Euch, Ideologen, Liquidatoren der reinen Lehren: der Weihnachtsbaum erstrahlt.

Und wofür das Alles?

Mit dem Lilifee-Friseurspiel hast Du die wichtigsten Utensilien immer dabei. Der Staubsauger hat kindgerechte Funktionen mit zweistufiger Saugkraft-Regelung.

Ken kommt vom Wilde-Core-Vergnügen. Er wird zum Dating-Fun-Ken. Er wechselt seine Kleidung -und Frisur- im Handumdrehen und ist so immer perfekt gestylt. Mal feiner Anzug, mal  Edel-Kaftan. Zusammenklappbar für das Glamour-Spiel unterwegs. Bitte nicht öffnen!-

„Belogen“, sagt ein Rußland-Deutscher in der Ernst-Reuter-Straße.



Freitag, 2. November 2012

Zeemann wer war das noch?

Dorothea Zeemann schreibt über den vielleicht zum Faschismus bekehrten Nazi Doderer "Jungfrau und Reptil". Suhrkamp veröffentlicht 1982. Sie hatte eine sexuelle Beziehung zu dem Berlusconi-Galan und breitet so ihre Gedanken über ein Leben der Anschmiegung an den Ruhm einer Art von Holzmichel aus. Eine elend lange Beschreibung. Es fiel einiges an Beziehung ab. Ja, sie wurde PEN-Vorsitzende.

Aber was hat sie gesagt? Was hat sie denn nur gesagt?

02.11.12

Donnerstag, 1. November 2012

Verkannte Literatur



Selbst nicht gerühmt lese ich von dem verkannten Literaten Gogolin. Hochgeschwemmt und ausgelaugt. Er habe es besonders mit der Wahrheit.

Allerheiligen. Was soll ich sagen?

Die Wahrheit wird in vielen Oberflächen gespiegelt. Es gibt grottenschlechte Spiegel. Aber auch sehr viele gute. Und auch gute Spiegel werden wieder weggestellt, wenn es Mode oder Laune verlangen. Nahmen sie nicht selbst einmal anderen den Platz?

Wir spiegelnden Oberflächen müssen darauf achten, nicht beleidigt zu sein, wenn man uns wegstellt oder gar nicht erst hervorholt. Wenn wir uns nicht oder nicht mehr in einem grottenschlechten Spiegel wiedergespiegelt sehen müssen, weil wir mit vielen anderen auf das Weg-Geräumt-Werden warten.

Vielleicht können wir dann endlich – sein. Und weiterhin tun, was wir taten: spiegeln und nicht spiegeln.

Für ehrliche Spiegel das schwierigste ist, vom Spiegel wieder zur Person zu werden, mit dem Ich und Du wieder zu beginnen.

Eine Literaturmaschine, die einst an der Börse brokte, hat sich des ebenso einst wie sie berühmten Mannes in der Zeitschrift volltext angenommen. Die Folge ihres vom Willen diktierten Lobs ist ein Zweifel.

Klaus Wachowski 01.11.2012