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Sonntag, 4. Juli 2010

Der Medizinmann

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Der Medizinmann ist kein Heiler. Er braucht keine magischen Mystifikationen, wenn er Dich in Dein inneres Universum begleitet. Er braucht keinen Kirmesüberbau von Geheimnis, wenn er Dir das Wunder Welt zeigt. Er braucht Deinen offenen kritischen Verstand und Dein Vertrauen in den Menschen, in den Gott sein Wort gelegt hat.

Es ist Nacht und Vollmond

Der Wetterfrosch wartet unter dem goldenen Ball vergebens auf die Prinzessin. Nur noch die Schatten der Verbrecher und die Angst der Bürger sind unterwegs.

Orlando schlägt die Decke der menschlichen Vielfalt zurück. Er zieht sein lila Kleid über und öffnet das Fenster. Er steigt hinauf in den dunkelblauen Sommerhimmel. Die Last des richtigen Lebens fällt von ihm ab. Graue Schuppen. Er setzt sich auf einen Stein vor dem Eingang zum Mond.

Es ist still von Frieden. Er sieht die helle Scheibe, spürt den Stoff des Kleides leicht auf der Haut. Er lehnt sich zurück und hört das Versinken der Geräusche in die Stille.

Die Welt wird weit und senkt sich in seine Seele. Eine Träne fällt in ihre Unendlichkeit, verbrennt die zitternden Erinnerungen.

Jetzt legt er seine Seele ab. Es ist, als sei da ein Segen um ihn. Er steht auf, legt sein Kleid in den Mond, sinkt ein in die Nacht.

Der Mond ist hinter einer Wolke verschwunden. Orlando geht zum Bett zurück und nimmt die Decke der menschlichen Vielfalt. Er berührt die Haut seines treuen, verwunderten Körpers.

Draußen quakt ein Frosch nach einer Prinzessin oder einem Ball. Oder ist es das Gurren der Urmutter nach ihrer Kröte?

Klaus Wachowski  01.07.10