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Sonntag, 14. Dezember 2014

Another day with you ...



Wogender Fluß fließt durch den Blick. Vom anderen Ufer wirft Basho ein Haiku herüber. Was ist das? Soll ich Beifall klatschen? Die Wogen im Fluß steigen und sinken.
Ich bin ein Bewohner der Hügel. Noch bedeckt Grün die erkaltende Erde. Die Blätter ziehen noch Energie. Sollen die Wurzeln fetter werden, der Stamm stärker? So sagt die biologische Betrachtung. Aber das Kind in Dir sieht: Der Strauch atmet Kraft. Siehst auch Du den Fluß?
Mit dem Schal eines verstorbenen Freundes wische ich die Fingerabdrücke vom Tablet, um einen tiefgründigen Text zu beginnen. Die Tülle des Kaffeekännchens ist angeschlagen, vor der Tür ein Rollator, der noch nicht auf mich wartet. Schön, am Ufer des Flusses zu sitzen und die Zeit fährt durch mich hindurch.
Die Weihnachtsgeschichte färbt heute die Stimmungen von Millionen von Menschen. Der Hass verliert einige Atome in der Gefühlsschmelze. Der Zorn der Intellektuellen gegen die süße Beeinträchtigung sucht nach scharfzüngigen Worten. Da, sieh den Grünfink am Futterhäuschen und das Vogel-Erkennungsbuch unter gebasteltem Stern. Und jetzt sage mir: Das Leben ist anders.
Ja, da sind Haß, Mißtrauen und Hoffnungslosigkeit, die drei. Aber der Hass ist das Gemeinste unter ihnen. Aber da sind auch Liebe, Vertrauen und Hoffnung. Und die Trauer schmilzt Asche zu Sternen.
Wo Du auch stehst, setz Dich zu mir ans Ufer. Sieh, wie der Fluß diesen Tag durchfließt. Als Du zum Leben erwachtest, sicher nicht in der Krippe, sagte es zu Dir: "Du bist wert." Auch dies ist ein Tag im Paradies.
Klaus Wachowski   14.12.2014

Sonntag, 7. Dezember 2014

Heute Ohnmacht

Heute 7.12. Ohnmacht

Weihnacht rast heran. Die Heimatschluchzer vom Odenwald singen einen Gospel. Glühwein und Bratwurst ganz okay auch polnisch. Der Heimweg durch von Lichterketten erwürgte Gärten plus Jingle Bells und red nosed reindeer. Seltsamer aber friedlicher Sonntag. Gott hat wohl nichts dagegen.

Ich denke an die Frau hinter den Gitterstäben der Burka, unter den Eisenreifen des Kopftuchs, an den Mann im Käfig der IS-Alkaida, ausgeliefert dem Jähzorn des Psychopathen. Morgen totgeschlagen, gesteinigt, geköpft. An zweihundert Mädchen, vom Hass der Heiligkeit begehrenden Verblödung zwischen die Beine von Orks des Glaubens gezwungen. An zwanzig Studenten der Freiheit, geschlachtet von den Beamten der Mafia.

Glaube nicht an die Lüge von der Allmacht! Dann kannst Du weiter an Güte glauben. Er weint mit Dir. Er flucht mit Dir den Unbarmherzigen.

Die Soldaten des Zögerns sind verirrt in der Angst. Und der Nachtvogel singt im Haus des Hasses. Du bist allein.

Dies sind nur Worte aus Trauer und Wut, ohnmächtig wie Gott. Dort aber lächelt der Hass schon ins Smartphone, lädt Grausamkeit Youtube.

Fluche mit Gott,
kannst Du noch beten, so bete!

Lass unsere Gedanken jetzt lenken auf die Frau hinter den Gitterstäben der Burka, unter den Eisenreifen des Kopftuchs, auf den Mann im Käfig der IS-Alkaida. An Mädchen unter den Schlägen von Killern. An Studenten der Freiheit, verbrannt. Und was, Mr. President ist mit dem Versprechen zu Bush-Guantanamo?

Was im Kopf ist, wird aus dem Kopf wehen. Was im Herzen ist, das wird niemals vergehn (Atahualpa Yupanqui).


Freitag, 5. Dezember 2014

Am Abend

Am Abend

Schwesterchen sagt:"Holt mir doch mal das Brüderchen! " Smirc hebt die Augen zum Himmel:"Schon wieder!" Aber er geht gehorsam in die Speisekammer und zieht das alte Reh heraus.

Sieht nicht mehr gut aus, das Tier. Die Haare schmutzig grau, dünn und struppig, es zieht ein Hinterbein nach und verliert ein paar Schleimtropfen beim Gehen.

Schwesterchen streichelt ihm den Kopf. Es fällt ihr schwer, den Arm zu heben. Aber noch einmal das Brüderchen spüren! Wer weiss wie oft noch...

"Wer aus mir trinkt, wird ein Tiger!" Und er hat nicht getrunken! "Wer aus mir trinkt,  wird ein Wolf!"

Brüderchen schläft schon wieder! Wie lang er wohl noch kann!

Die Kinder haben das Reich übernommen und unter sich aufgeteilt. Nun haben sie die wichtigen Sorgen und keine Zeit mehr. Aber das ist nicht schlimm!  Sie streichelt diesen Kopf und fällt zurück in jene Tage.

Die Kinder schimpfen. Sie solle doch dieses schòne Haus mal richtig ausprobieren, unter die Leute gehn. Hoffentlich werden sie so etwas haben, an dem sie sich freuen können, wenn jeder Tag Wiederholung ist!

Ach! Wieder der Schmerz! Immer wieder neu!
Holt mir das Brüderchen! Ich-will-nicht-mehr.
Smirc muss wieder mal zur Speisekammer.

5.12.14 Klaus Wachowski