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Sonntag, 27. Dezember 2009

Fünf auf dem Weg

Was ist der Helden Ruhmeshall gegen das zitternde Kind im Stall?

5,sagt man,gehören zur Freiheit

In der Zeit des großen Schlachtens trafen sich fünf in Ruinen.
Eine aus den Entwertungen der Kindheit,
Einer aus dem Hass der Religion,
Eine aus den Verfolgungen der Rasse,
Einer aus der Gewaltherrschaft,
Eine aus den Lügen der Schulen.

Unter den Himmeln der Ewigkeit betrachteten sie den Größenwahn der Familien, Cliquen, Vereinigungen und ihrer Führer. Sie hörten das Brüllen und das Flüstern der Menschenhetzer.

So schworen sie einander Liebe und Nächstenliebe. Sie zogen hinaus unter Kriegen, mordenden Fabriken, Lagern, zum Morden rufenden Lehrern, Priestern, Herrschern.

So arbeiteten und liebten sie. So gewannen und verloren sie Glück. So erlebten sie die Herrschaft des Hasses und das Erwachen der Vernunft, und neuen Hass.

Und unter neuen Ruinen treffen sich vier. Eine war früh gestorben. Sie sehen in die Weiten der Ewigkeit. Nun werden sie bald erlöschen. Aus den Vulkanen des Hasses strömt weiter der Hass. Die Blutsümpfe warten weiter geduldig auf das Fleisch begeisterter Jugend und ihrer Opfer. "Reinheit", ruft und flüstert es, "Größe" und "Gerechtigkeit". "Gott", predigte Mörder und Völkermörder. Und verzweifelt und gierig suchen die Krallen des Ruhms in den schwarzen Wassern.

War es ein Glück, frei geboren zu sein? Was war über die Freunde gekommen, dass sie sich so begeistert in die hundert Ausfaltungen des chiliastischen Wahns stürzten, um an Weltenplanen, Wahnen der Zerstörung mitzukämpfen?

Sie nehmen den Tod nicht ernst, wie sollte Geboren-sein ihnen Wert sein? Sie werfen sich weg, um töten und tot sein zu dürfen und ein erhabenes Bild mitzunehmen ins - Nichts. Das Wunder Leben, das ihnen geschenkt wurde, zertreten sie, um Menschen, ihren Befehlen und Vorstellungen nachzukriechen, und nichts macht ihnen mehr Angst als das Wort Freiheit. Schauspieler ohne lebende Seele , die einen gewaltigen Eindruck hinterlassen wollen, wo sie nicht - sind... Sie morden, versuchen in Explosionen, Botschaften und Gräueln gegen das Vergessen anzugehen, mit dem der Tod die Ewigkeit, das Leben wieder instand und Freiheit wieder ins Recht setzt.

Was ist das für ein Stolz, den Tod nicht zu fürchten? Verachtung des Lebens, des Menschen, der Liebe. Hass vom Stolz. Herrschaft vom Größenwahn.

Eine aus den Entwertungen der Kindheit, sagte: "Sie wollen größer sein, als Menschen und rufen "Gerechtigkeit"".
Einer aus dem Hass der Religion: "Sie setzen ihr Wort an die Stelle des Wortes und rufen "Gott"".
Eine aus den Verfolgungen der Rasse: "Sie hassen den Menschen und rufen "Reinheit"".
Einer aus der Gewaltherrschaft: "Sie morden und rufen"Frieden"".
Die aus den Lügen der Lehren hatte eine Nachricht hinterlassen: "Sie morden und rufen "Wissenschaft"".

Sie gehen auseinander. Ein jeglicher in seinen, eine jegliche in ihr Leben und Tod. Am Rollator, am Arm der Geliebten, auf dem Weg der Einsamkeit und auf dem des Glücks gehen und schlurfen sie.

Lege die Hand aufs Herz: Könntest Du im Raum der Ewigkeit eine unbekannte Vergänglichkeit leben?

Das wäre die Freiheit,
zu der Dich jeder denkbare Gott verführen möchte,
der die weniger großen als berührenden Dichter nachreisen,
der die Menschen von Zeit zu Zeit die Hoffnung auf Republik errichten.

Sieh in dem gewaltigen Panorama der Geschichte, der großen Geschäfte und Schlachten den Spatz in der Pfütze. Und in seinem Auge den Reflex eines Sterns aus der Ewigkeit. Wenn die Priester der Reinheit ihre Hassgesänge erheben und die Stiefel des blutigen Gehorsams aufs Pflaster knallen, nimm Dein Herz und mache Dich auf zu den Ruinen.

22.12.09 Klaus Wachowski

Samstag, 5. Dezember 2009

Märchen

ein Auszug aus "Märchen"

Vic aus Rußlanddeutschland sieht die Sonne den Abend über dem Donnersberg ausbrennen. Die Schwärmereien seiner Eltern über die Weiten Kasachstans und die Parolen seiner Brüder knallen als morsche Dielen auf den Betonboden der Erinnerung an eine schmutzige Kindheit. Er braucht Platz zum Träumen und räumt seine Liebe frei von den familiären Hysterien und Katastrophen. Er denkt an Ayse, die Freie, die ein Kind von ihm erwartet.

Sie haben zusammen den Schleier verbrannt und sind auch aus den idedogischen Gefängnissen geflohen, die ihre Familien Kultur und Tradition nennen. Sieh! Der dunkelblaue Wolkenstreif, um den die Liebe ein rotes Flammenband zieht. Er spürt wie sich die Einsamkeit aus dem Abendrot mit Wärme füllt. Er schickt seine Gedanken an seine Freundin, die sich nun im Frauenhaus auf ihre gemeinsame Zukunft freut.

Seine Sehnsucht geht nach einer neuen, fremden und kalten Stadt des Anfangs, in der der Slang seiner Leute klingt wie das Gemütsfurzen eines Dialektgedichts. Wie wohl der Blick aus dem Fenster Chance sein wird?

Auch Ayse will fremd sein unter Fremden. Ihre Einsamkeit sehnt sich nach anderen Gesprächen. Kurdische Markklöschen oder pfälzer Blini, das Leben ist kein Saumagen. Aus dem meerestiefen hellblauen Himmel leuchten neonrote Wolken-streifen. Sie erinnert sich an das Bild dieses französischen Malers Monet. Wie hell die Einsamkeit hinter den Birken das gelbe Feld empfängt! Hier aber sind Regenspritzer, kahle dunkle Äste und in die Nacht stürzendes Grün hoher Nadelbäume.

Menschen huschen vorbei. Er sieht schwarze Hosenbeine, hört das Klacken der Stöckel, man eilt aus dem Leben ins Geschäft. Auch er wird dazu gehören. Das Schweigen der Vögel legt sich in die kaltfarbenen Straßen des Winter....

3.12.09 KW

Sonntag, 1. November 2009

Wilder Wein

Wilder Wein,
wir fegen ihn beiseite.
Noch einmal Platz für Zukunft,
in deren Hoffnung
Vollmond scheint,
der Dich nicht schlafen läßt,
wo ich schnarche im Nichts,
fern von hier und mir.

Rot leuchten die Blätter.
Im Allzuviel,
im Allzujetzt,
fiel ich aus Sehnsucht und Wunder.

Wir kehren den wilden Wein,
hinaus aus gezähmten Gedanken.
Wir fürchten zu fallen,
wir stellen die Deko.

Die Schuhe blau vom wilden Wein
sinken wir ins Ungefähre,
erschöpft in Nächte von Mond,
in die sanfte Berührung von Kissen
wo wir kein Wort vom Ich und Du,
und nichts vom Sternenhimmel wissen.
Klaus Wachowski  17.10.08  

Donnerstag, 15. Oktober 2009

an einen Super-DSL- Anbieter

Sehr geehrte Damen und Herren,

habe mich gerade bei einem anderen Anbieter gemeldet und tolle Gehirndrehungen vollführt, die man sonst einem alten Mann nicht zumutet. Mir ist der ganze Ingenieurswahn um zwei Telefondrähte zuwider. Ich werde auch meinem derzeitigen Anbieter nach Abschluß der Laufzeit kündigen.

Ich wollte eigentlich nur komfortabel telefonieren und ins Netz. Dafür muß ich mir einen Gerätepark von unglaublichen Ausmaßen kaufen, kryptische Anweisungen und knotige Verkabelungen ausführen, um schließlich zu hören, dass die Netzverbindungen besetzt sind und käufliche Leistungen von Anbietern oder  noch schnellere Verbindungen bezogen werden können.

Ich danke made in germany und anderswo.
Kann überhaupt noch einer einfach?

KW

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Sarrazynismus,

Spaß unter manchmal gut bezahlten, in der Regel nicht sehr urteilsfähigen Intellektuellen:

In Not geratene Menschen durch Gehässigkeiten so in Rage zu bringen, dass sie so schlecht aussehen wie das Bild, das sie von ihnen blasen, um es den anständigen Bürgern als Wahrheit anzudrehen.

Ziel ist, in Deckung zugehen vor kritischen Fragen zum Bedarf an intellektueller Dürftigkeit in Zeiten, die nach Vernunft verlangen.

Die Republik der frei und gleich geborenen sagt: „Pfui!“

Klaus Wachowski     08.10.2009

Samstag, 3. Oktober 2009

Republik, ein Kompendium jetzt bei lulu.com


ein Auszug aus dem Buch

Familien

Die Auflösung der politischen Gemeinschaft in eine Gesellschaft von locker verwalteten unkontrollierten Clans (zurück ins Nomadenzelt) ist die wohl aktuellste Gefahr für die Republiken. Es gibt erschreckend viele Parallelen zur Entwicklung des römischen Kaiserreichs durch den Umsturz der Republik. Die Verwandlung der politischen Gemeinschaft in eine Festgesellschaft, die durch das Jahr schunkelt, rockt und Ball spielt, das Er-setzen öffentlicher Debatte durch Präsentationen in Talk-Shows, die gewaltigen Festveranstaltungen bei Wahlkämpfen und das Bedürfnis nach Star-Auftritten regierender Eitelkeit, von Berlusconi, Sarkozi, Schröder und Putin bis Bush


lässt das Heraufkommen einer neuen Ära von Cäsaren nicht mehr unvorstellbar erscheinen. Das Protzen und Prunken, das Verteilen von Wellness und öffentlichem Wohlbefinden aus allgemeinen Steuern bringt oppositionelle Meinungen zum Schweigen, Applaudieren oder Mitprofitieren und die Bürger zu dem Gefühl, "die da oben" veranstalteten etwas, das sie da unten ohnehin nichts anginge, so lange die Events, oder zumindest der Anschluss ans Privatfernsehen noch bezahlbar bleiben. Die Bürger ziehen sich ins Private zurück und überlas-sen das Regieren in den Städten und Staaten mächtigen Clans (in den USA sind erste Familiendynastien im hohen politischen Sektor erkennbar). Aber noch ist nicht die Herrschaft von an die Macht drängenden Familien das Gefährliche, sondern der Rückzug der Bürger in die ihren. Der Bürger begibt sich freiwillig seiner Rechte und lässt die Republik, sich und seine Nachbarn, die mit ihm unter gewaltigem medialem Spektakel zum nächsten Event gekarrt werden, im Stich.
Auch das Wort "Familienpolitik" sollte kritische Anhänger der Republik aufhorchen lassen. Neben einem gerechtfertigten Interesse zu sozialem Lastenausgleich wirken hier unziemliche Wünsche zur Formung der Bürgerschaft und zur Zurückdrängung des Individualin-teresses. Es wirkt das sattsam bekannte Interesse an Steuerung von Bürgern, die nicht als Versammlung der Gleichen und der Freien begriffen werden, sondern als zu formende Verwaltungsmasse.
Die Gefahr des Rückfalls in die atavistische Auflösung der Gemeinschaft, das Verschwinden der Person hinter der Familie, dem Clan zeigt sich in Ghettos, vor deren Zaun die Polizei die Macht der Streetgang übergibt und im Aufscheinen von mafiosen Familienvereinigungen im Licht der Talk-Shows.

Montag, 17. August 2009

Happy Jack

Wenn Du zwanzig Jahre Familie warst, willst Du auch mal Ich sein. Hans hatte sein Abi, ja sein Studium in der Tasche und sprang hinaus in die Welt.
Ein Stück seiner Freiheit schnitt er für die Firma ab. Da gabs Geld, Wohnung und Auto. Wie froh unser Hans da war: jetzt konnte für sich wohnen und hinfahren, was das Herz begehrt.
Aber was für ein Glück, als er von seiner Grete genommen wurde! Jetzt sagte er zur Freiheit "Autonomie", konnte er doch ein Haus bauen, viel mehr zusammen erleben und der Einsamkeit entwischen. Und wie frei er war von der Welt und ihren Erwartungen!-
Was dann?
Da gab es Kinder. Das war ein Fest: endlich konnte er all seine Gedanken weiter geben. Was war dagegen das Bißchen Freiheit, das er dafür tauschte. Er bekam ja so viel Glück dafür.
Zogen die Kinder aus, ach da streckte er die Beine unter die blitzende Harley Davidson und freute sich wie ein Schweinehirt auf Martini. Jetzt konnte er alles Geld mit seiner Grete verprassen. Sie kauften dicke Autos und machten die teuersten Diäten in der weiten Welt. Und wenn er morgens mit schwerem Kopf beim Alka Seltzer saß, da freute er sich so laut, dass die Lehrer an den Nebentischen vor Neid ihre Kleinkinder anzischten.

Wer aber kann sich die Freude vorstellen, als er endlich, endlich in Pension gehen konnte. Es zwickte zwar hier und da, die Beta-Blocker machten flau und Grete zog zu den Seminaren der Urmutter. Aber die Welt stand weit offen und die verbotenen Äpfelchen lockten.
Wie gut er doch sein Geld angelegt und die Häuser vermietet hatte! Die Scheidung erledigte ein Tennisfreund für fast geschenkt. Er konnte seine Pflegerin aus jedem Land östlich der Grenze kaufen.
Wenn Du seinen Grabstein finden willst, mußt Du lange suchen. Die Erben haben seine Asche nach seinem Willen verstreut.
Und jetzt sag mir: Wer hat mehr Glück aus seiner Freiheit gemacht?
16.08.09 Klaus Wachowski

Montag, 3. August 2009

Ast

Ein abgestorbener Ast, auf dem keine Schwalbe sitzt. Grau ist die Rinde und von gelben Flechten überzogen. Das Zwitschern der Schwalben und das Rauschen der Autos begegnen einander zwischen den Zweigen. Das Grün der Brennnessel, ein leichter Luftzug und ein blauer Himmel voll Schäfchenwolken. Junges Kraut zwischen einem Hügel von Steinen. Ich werde müde und muß mich setzen.

Eine weiße Wicke steigt den Felshang hoch. Schräg nach oben gehen die steinigen Strukturen. Eine der Blüten, ziemlich oben, macht eine plötzliche Bewegung unter einem unsichtbaren Zug. Zwei Kohlweißlinge taumeln in dem dunklen Braun und Grün. Aus dem Fenster im Obergeschoß das Zwitschern der kaufenden Frauen. Frieden, sage einen Wunsch!

Plötzlich flitzen fünf Schwalben durch den Garten. Sie fischen in den Kronen der Büsche, über den Köpfen der Hühner nach dem Glück.

An der Futterecke riecht es nach etwas, das nicht abgewaschen werden kann und nur durch einen Umzug in städtische Bezirke vergeht.
Der Hahn kräht. Es geschieht nicht nichts.

Klaus Wachowski 02.08.09

Sonntag, 26. Juli 2009

Derwarnix

Kleine Ausflüge ins Delirium.

Dies ist eine Skizze für Freunde wechselnder Wolkenfelder.


Himmel, irgendwo zwischen Zeltingen-Rachtig und Kottweiler-Schwanden. Es gibt ein gutes Weinchen in der Kulturschwemme. Sie kennen das Multitalent Karl Theo Göring nicht? Ein Keks ist kein Pflasterstein. Die Zeit zwischen 1930 und 1949 hat zwar weniger künstlerische Spuren hinterlassen. Kleine Bedenkenkrise oder großes Schweigen? Der Kriegsgefangene aber fotografierte viel.

Raffzahn-Schani erblickt das Geleucht des Bergmanns und macht sich auf den Weg in den heiligen Caucas.

Am Fenster stehend sieht er die Bäume, den Himmel voll grauer Wolken, hört er die Vögel singen und das Rauschen der Autos. Er spürt sein Gewicht angenehm in den Füßen. Wozu er auf der Welt ist? Diese Frage zu beantworten, weigert er sich. Die Freunde aus Union und Brutalverbänden, allesamt hochintelligente Minderleister, gehen zur Zeit in Depression. Und der Hund macht sich mausig mit Reiki-Übungen gegen Katzenpisse. Das Dorf lebt im Hier und Jetzt und hollerrä dijöh.

Da war eine PKK-Demo in Dortmund.

Wer demonstriert schon samstags? Man ruft den Namen des kurdischen Stalin und Hirn strammierende saugrobe Parolen. Wer da wohl alles mitmarschiert, weil er muß! Es gibt auch die ehrlich wütenden. Aber sie haben Probleme mit den Politprofis. Es fehlt ihnen an verläßlicher Lenkbarkeit.
Die haben ihren Haufen stramm organisiert. Vorne weg die jungen Aktiven, danach mit und ohne Kopftuch, ganz wie Du willst, die "Unrecht" schreienden Frauen. Dann wieder ein Block anständiger Männer und Kerle. Dann, gut umzingelt, junge eingeborene Chaoten in schwarz, und individuell und freizügig gedreßte flotte Go-go-Girls der Avantgarde, manche in scharfem Netzwerk von Stilikonen, manche in Silikon, schließlich der Block der ehrwürdigen Männer und Beter in Anzug und Grau. Als gäbe es keine demokratische Opposition. Man spürt etwas wie Drohung.

An einem Tisch erzählt man sich: "Sie ist verheiratet, schwanger und hat sechs Geschwister, und die haben wieder eine Menge Kinder. Das verliert sich in der Zeit. Die können nicht alle putzen gehen oder Hausmeister machen! Ein paar davon müssen auch zur Polizei oder in den Knast."

Arbeiten bis zum Umfallen. Auf die Straße gesetzt werden. Die Partei wählen und betrogen werden, einen Verein unterstützen und zum Schluß alle Arbeit selbst machen, in Rente gehen und die Ansprüche gekürzt kriegen. Er kennt das und regt sich schon gar nicht mehr auf.

Es gibt eine dünne Schicht Freundschaft, auf der Du Dich vorsichtig bewegen mußt, wenn Du nicht vollends in die Menschenverachtung abstürzen willst. Die ganze Welt mit Liebe, Selbstbewusstsein, Spaß, Ernst und Lust steht schon da drauf und es wackelt gewaltig unter der Einsamkeit. Wie gesagt: Du mußt Dich vorsichtig darin bewegen.

Da gibt es ja angeblich auch noch Gott unter einem Krautblatt. Wenn die Sonne scheint, ist gut glauben, und in der Not ist gut fürchten. Aber ich brauche ihn im Menschen.

Andere arbeiten fleißig an ihrem Körper. Sie bilden ihre Muskeln aus, heiraten, und bekommen Kinder, die sich dann in einer Buchhaltung einrichten oder festgeschnallt werden. Auf richterliche Anordnung versteht sich. Er liest lieber samstags im Feuilleton. Da ist ein Leben wie im Märchen. Was schadet es, dass die größten Langweiler zu Geistesriesen aufgeblasen werden, die kleinsten Geister zu Koryphäen.- Die Boxkämpfe zwischen den Rivalen der Kokosnusswälder hallen nicht weniger gewaltig als wirkliches Gedankenkrachen. Und das Lob eines outgesourcten Kritikers klingt wie ein dunkles, Bezahlmärchen aus alter Zeit. Erkläre mir, wie ich den Weg der Erinnerung verlassen kann. Meine Gedanken stürzen von Sehnsucht zu Sehnsucht.

Er zündet sich eine Zigarette an und für die langsameren Leser noch eine. Es ist schon in Ordnung, ich warte auf Dich.

In der Arbeitswelt ist es nicht anders als in der totalen Freizeit. Was bedeuten diese roten und schwarzen Zahlen schon? In der einen Familie bricht eine Tragödie aus, in der anderen tanzt die Langweile des Reichtums einen Tango mit seiner Angst.

Schräg fällt der Regen in die ohnedies frierende Seele. Unter den aufgetürmten Wolken plötzlich der Wellenschlag eines Vogelschwarms.

*

In den kleinen weißen Blüten zwischen dem rheinhessischen Altstadtpflaster breiten sich die ungesagten Worte der Nachbarin aus.

Frau Platz hatte keine Kinder und lebte glücklich mit ihrem Mann zusammen. Für den kleinen Jungen sah das kleine Haus eines Post- oder Bahnbeamten aus wie eine Wirklichkeit aus einem dieser Bilderbücher, die man damals in den ersten Klassen las. Hans, Heiner und Elsa lebten dort ein freundliches Leben vor, etwas fremd, aber unter dem blauen Sommerhimmel und roten, wurmfreien Kirschen glaubhaft wie eben ein Töpfchen mit gekochten Schweinsohren bei Frau Platz.

Wenn sie am Zaun stand und über die Straße lächelte, konnte sich der Junge gut eine Zukunft von schönen Straßen mit schönen Häuschen, schönen Gärtchen und schönen warmen Abenden vorstellen. So konnte der Friede unter den Menschen aussehen. Etwas langweilig. Aber wie sehr sehnte er sich unter den Gewitterstürmen familiärer Tragödien nach so einer Fibelwelt.

Jetzt, an diesem Morgen, in vom Erlebnishunger verlassenen, leeren Straßen, steigt eine Kindersehnsucht auf nach diesem anderen Leben unveränderlicher Freude im Zyklus der Jahre, deren Rhythmus durch Sonne und Regen bestimmt ist. Ungesprochene Worte steigen aus der im Muster der Straße verwobenen Erinnerung auf.

Von da geht die eine Form der Philosophie und der Religion aus.

Später lernte er den anderen Teil kennen und wurde lange Jahre von seinem Trieb getrieben, dessen Ermüdung er nun nicht zulassen will. Wenn er vom Eiffelturm aus über die Dächer von Paris blickt, bewegt ihn alle Erhabenheit weniger als der Horizont eines sich vor ihm in die Unendlichkeit eines Lächelns erstreckenden Ausschnitts. Manchmal. Aber mit länger bleibendem Eindruck. Sein Mitgefühl gilt dem beim Anblick des Gekreuzigten Sexualität schwitzenden Priester.

Ob er sich je aus dem Tanz um Grete und Hans wird herauswinden können? Hier hilft Erinnern, Nachdenken, Austausch. Die zugehörige Philosophie kommt von Kant, die Religion aus den zweifelnden Gegenden des Glaubens: glühende vom Wetter umher gewehte Buchstaben einer Frage vom Caucas.

Die Vögel singen noch nicht aus dem Bauch. Sie schmettern und seufzen in Kopfstimme. Die Amsel sprüht Regen, die Lerche läßt die Welt unter einem Hitzeschild erstarren. Die Liebe findet einen Platz.
*

Nicht von Elif oder Fatma, sondern von der Marquise von O schreibt Kleist:
"Sie hob, mit dem ganzen Stolz der Unschuld gerüstet, ihre Kinder auf, trug sie ohne daß der Bruder gewagt hätte, sie anzuhalten, in den Wagen, und fuhr ab.

Durch diese schöne Anstrengung mit sich selbst bekannt gemacht, hob sie sich plötzlich, wie an ihrer eigenen Hand, aus der ganzen Tiefe, in welche das Schicksal sie herabgestürzt hatte, empor. "

Im Gefolge der französischen Revolution nimmt eine Frau ihr Schicksal selbst in die Hand, wird "mit sich selbst bekannt". Sie läßt sich nicht von der Familie ins Nichts verstoßen, nimmt sich ihre eigene Famile. Dieser Schritt ist der Beginn des Wegs zurück in die Selbstbestimmung.

Die Erfindung der Person ist ja noch nicht alt. Mit dem Aufstieg des heiligen römischen Kaiserreichs der Massen und der auf sie einpeitschenden Familien - Deine Ahnenforschung kann nichts finden, worauf ein Individuum stolz sein könnte- war sie für fast 1700 Jahre von der Erde verschwunden. Erst Reformation und Revolutionen ermöglichten wieder ein Recht der Person gegen die Gemeinschaft.

Dünne Spuren davon gibt es auch in Deutschland. Eine davon ist dieser Augenblick in der Marquise von O.

Inzwischen verlottert die Republik wieder. Jeder und jede Unverantwortliche schottet sich gegenüber den Ansprüchen seines Nachbarn ab mit Sekretärinnen, Front-offices, Call-Centern und schwarzen outgesoucten Diensten. Jeder Trottel hält sich für einen verkannten Cäsar und schickt seine Kinder in Bildungseinrichtungen für Narzißmus und Beziehung.

Der Bürger wird zur Ausnahmeerscheinung mit Tendenz zur Randexistenz. Ihr müßt Euch selbst wehren, wenn ihr frei geboren seid.-

Ansonsten, z.B. bezüglich Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit scheint es mit Kleist zu sein wie mit sogenannten Dekomäusen. Mit dem Bauch denken, ist so eine Sache. Aber solange sie den Mund nicht aufmachen... Überhaupt scheint die Geschichte zu zeigen, dass kaum, dass die Freiheit eine Öffnung für die Gedanken in den düsteren Horizont gebohrt hat, auch schon alles was an Chauvinismus, Rassismus, gnadenloser Weltenplanung und Menschenhass in den Individuen steckt hervorkommt und die Welt in neue Schrecken versetzt.

*

Vorsicht auf der A4 zwischen Kulwick und Pflastingen. Unfall in einer Baustelle. Ein Lastwagen tiefgefrorener Einsamkeit fährt auf Dich zu, während Du bremsen musst.

Derwarnix sitzt schon Sonntag früh um 8 mit dem ersten Bierchen auf der Bank bei der Tankstelle. Der war schon in der DDR nix und bei Vatern. Was ist ihm ein Auflug ins Grüne? Er wartet. Wie wir einst warten werden.

*
Jetzt aber macht Platz für Ehrfurcht und Andacht in Rheinhessen:

Blickt man auf das literarische Lebenswerk eines Wörrstädters, dann ist man geneigt, vor Ehrfurcht zu erstarren. Ich zwar nicht, aber öffnet er den Schrank mit seinen vielfältigen Werken, huscht ein Lächeln über sein Gesicht. "Das sind meine geistigen Kinder", sagt er andächtig. Eines heißt: "gelacht, gebabbelt und gegrunzt" oder ähnlich.

Wer so etwas wohl liest? Man beschenkt einander also mit langweiliger Kurzweil, um der Langeweile zu entkommen.

Im Caucas bringen sie also die Menschenrechtler um. GUS blöd. Der Geheimdienst ist wohl scharf auf Aktien von Gazprom. Urmütterchen Rußland, ganz schön Neonazi, zeigts ihren Kindern, was Erziehung zur Bravheit ist. Die Sibirienfahrer träumen düstere Märchen zur Beleuchtung ihrer Altersdepressionen. Pittoreskes Elend weicht in die Städte aus. Dome der Hoffnung erbaut die neue Unbarmherzigkeit. Das Volk wird ins hollerrä dijöh geführt. Die Elite der Beziehungen handelt aus dem Bauch gedacht. Es riecht gelacht, gebabbelt un gestrunzt.

Ein Junge und ein Mädchen machen sich auf den Schulweg aus der Fibel. Unter den Wolken plötzlich Vögel.


Tauche auf, vergiß alles, was ich gesagt habe und mache Dir eigene Gedanken.-

26.07.2009 Klaus Wachowski

Mittwoch, 15. Juli 2009

Drei voll Text in einem Boot

Deutschland, Deutschland, gute Laune,
voll Text sind Deine Denker

Ich kam an einem See vorbei,
da suchten drei:
Der Maier nach nem Schnitzel,
der Sloterdijk Gedankenblitzel,
der Handke nach Milosewitzl,
ein Braver und Vasall
rieb Adalbert Stifters Bergkristall.

Traum und Frösche, Feuerstellen
See und Elfen, Stimmgewalten,
Genie und Frau und lustige Gesellen,
es wallt spirituell.

In schwarzen Löchern Hintern wogten,
Thing und Raumschiff, Plastiktank,
das Kind war selber weggelaufen,
erzählte Landschaft,
Höll sei Dank.

Da dachte ich, wie hier wohl der Verstand so unter Schriftstellern vonstatten gehe, und ob die auch noch anderweitig wogten.

Der dänische Künstler Olafur Eliasson ist im Fischerdorf Hafnarfjördur aufgewachsen, das als großer Versammlungsplatz von Elfen gilt, und hat vor Frank Gehrys grandiosem Konzertsaal einen See angelegt. Das Arrangement erinnert halb an einen isländischen Thingplatz und halb an einen Landeplatz für Raumschiffe.
Der Maier von neulich lugt hinter wendländischen Bärten hervor:
Nicht schlecht, oder?
Die Pferde kamen, drei riesige Friesen. Dem einen, der Dame, hatten sie ein gelbes X auf den Hintern gemalt. Dieser Hintern wogte ziemlich. Da dachte ich, wie hier wohl der Sex so unter Wendländern vonstatten gehe, und ob die sich noch anderweitig bemalen?
Schließlich trieben wir in einem zersägten Plastiktank über einen völlig verschilften See und betrachteten die Frösche beim Nichtstun.
Der Tag, an dem Menschen zum ersten Mal auf dieser Insel gemeinsam träumen, ist der Tag der Einweihung. Peter Sloterdijk, Du-sollst-Dein-Leben-ändern, beschreibt Utopien der Menschheit, erzählt von Kosmonauten, von der Erschaffung schwarzer Löcher, der Erhaltung und Neuschaffung der Lebenswelt und dem "Raumschiff" Erde, das so schwierig zu manövrieren wäre.
Einige Zuhörer sehen ins Wasser, um sich zu konzentrieren. Es ist voller tiefschwarzer Kaulquappen.
Mit seiner großen, massiven Statur, den halblangen hellen Haaren erinnert Sloterdijk an einen Wikinger, vielleicht auch an einen Raumschiff- Kommandanten. Sein Ton ist beschwörend. Er benutzt den Begriff "kollektive Träume" und erfasst damit den Zauber des Augenblicks, ohne ihn zu zerstören.
Was ist, wenn sie alle Frösche werden?", flüstert eine junge Frau.
Aber in Kali geht es zuerst um den Schmerz, der überall in der erzählten Landschaft gegenwärtig ist, weil ein Kind verschwunden ist, wodurch die Zeit der Abwesenheit des Kinds zur "Schreckenszeit" wird, zur "Zeit der Verlorenheit".
Das Kind war selber weggelaufen, und Feuerstelle um Feuerstelle in der Landschaft werden der Finderin den Weg zu ihm zeigen. Und deshalb könnte dieses Kind, wenn es dann gefunden und zurückgekehrt ist, erzählen wie die verirrten Kinder in Stifters Erzählung Bergkristall...

• nach Maier von neulich (in Volltext),
• nach Silke Scheuermanns wohl sarkastischem lyrischen Moment (in Volltext),
• nach Hölls verdrillter Verteidigung des problematischen und sonst eher
langweiligen Handke (in Volltext).

15.07.2009 Klaus Wachowski

Dienstag, 30. Juni 2009

Rex

Rex

Wer bist Du, lächerlich aufgedonnerte Einsamkeit? Ein Weinen ist in Deinem Gesang von der Liebe. Die Männer lachen verächtlich. Und sie, die Verräterin Liebe?
Wie enttäuschend das Glück!
Diese Frauen liebten den weißen Prinzen von der Rose in Dir. Wie sollten sie über ein Toupet erschrecken? Da war dieses Weinen in der Stimme, das die Träume macht.
Und verächtlich lachten die Männer. Und ich.
Nun, auch der weißeste Prinz, auch der Matrosenanzug Costa von der Palme verwandeln sich zu fortgeschrittener Stunde - Hossa! - in eine schweißtriefende Boulette. Es ist das Leben selbst, das ein Weinen in die Stimme senkt.
Rote Rosen, weiße Hosen, volles Haar und die edle Bräune vom Strand. Das war wohl der Traum in der kleinen Kneipe und der Ferienwohnung.
Wir lachten über das Weinen in einer Stimme.
Wir sahen den Mond im Kaufhaus nicht.
*
Dein Leiden läßt mich die Enttäuschung über die Erhabenheiten vom esoterischen Arschgeweih verschmerzen. Was ist der Schmerz ihres Verrats an der Gemeinschaft der Freien gegen Deine Liebesschmalz brennende, aber eben brennende, Sehnsucht.-
Ihr, die Ihr immer neue Altare der Hoffnung und der Verehrung errichtet: Eure Abendmahl ist ein kannibalischer Akt. Nicht Leib noch Blut: die Seele esset Ihr.

KW 30.06.09

Montag, 8. Juni 2009

Montag, 18. Mai 2009

Räume, zwei Herzen

Maientanz im Pflegeheim zur Musik des Zillertaler Hochzeitsmarsches

In Betrachtung zweier Herzen

Das braucht nicht zu heißen, dass sich die beiden tagtäglich anfauchen... Georg Haddenbach zur Löwepartnerin des Wassermann


Das Herz ist angefüllt mit schwarzem Staub. Strindberg hält das Plädoyer eines Irren. Er hat seine Frau geschlagen, er klagt im vulgären Jargon der autoritären Zeit vom Schrecken der weiblichen Herrschaft. Ein Herrchen, das sich seinem Frauchen unterwirft und sich erzürnt, wenn sie Ernst macht und sich Freiheit nimmt. Er wird zum Eiferer, der Familienleben einfordert.

Staub des Nichts. Sein Gefühl schreit, Unrecht begehrend, ehrliche, widerwärtige Wahrheit der Eifersucht.

Ein Obdachloser fragt Dich, ob Du eine Zeitung abkaufen willst, etwas aus den Räumen des Verlusts.

Du wendest Dich der Befreiung begehrenden Frau zu. Ein Herz aus Leder öffnet sich.

Vom Leben zu Hinterlisten des Überlebens gezwungen, bricht sie ihrerseits das Liebesversprechen, intrigiert und betrügt.

Eingesperrte Herzen suchen die Freiheit. Seines die von den Zwängen der bürgerlichen, ihres die von den Zwängen der feinen adligen Gesellschaft. Sie fliehen in das Glücksversprechen der romantischen Liebe. Du kennst diesen Rausch der Verliebtheit, den kein anderes Glück erreicht und dem die Vernunft so wenig entgegenzusetzen hat. Mächte der Kindheit begünstigen die Sehnsucht. Sie erlebt die Angst des in die stinkende Armut sinkenden Landadels. Sie braucht Verehrung. Wenn er in sie eindringt, begeht er ein Sakrileg. Er muß nach oben, phantasiert Erlösung durch eine heilige Mutter Gottes, will ihr ein Jesus sein. Wenn sie mit anderen singt, zerbricht sie seinen Traum, der ihm überleben hilft.

Sagen wir es mit Rom: die angeschlagenen Adligen und der Macht suchende Mittelstand vereinigen sich zur neuen, gierigeren und von alten Zwängen freien Schicht der Nobilität. Aus ihr werden sich die Bürger und Völker unterjochenden Cäsarenfamilien des einstürzenden Rom rekrutieren.

Die Liebe baut den Ring für den Boxkampf auf, der mit dem K.O. der Hoffnung endet. Der Schiedsrichter hebt, je nach Herkunft eine andere Hand zur Verkündung des Sieges. Die Gesichter der Gegner zeigen im Scheinwerferlicht unserer Neugier den Ausdruck von Desillussion. Das Leben signiert das Antlitz des Menschen mit dem Schriftzug Leiden.

Ein Kind ist gestorben. Vor der Ehe. Ein Kind stirbt in der Ehe. Was schreibt der Mann da? Hat es ihn nicht getroffen? Er schweigt? Dann war die Form, der Codex der Verhärtung, doch stärker als die verletzte Seele.

Er "macht" ihr Kinder,um sie zu fesseln, sie nimmt sie an, um Verbündete gegen ihn heranzuziehen, um eine vor der Schwere kapitulierende Liebe in der Konvention einer Ehe zu retten. Er wird ihr vorwerfen, nicht Mutter zu sein, sich nicht um die Kinder zu kümmern und kümmert sich nicht um die Kinder.

Wohin geht seine Anbetung der heiligen Mutter in der Frau? - So weit sind wir von den primitiven Ursprüngen der freieren Zivilisation also doch nicht entfernt, wenn wir die menschenfeindlichen Famiienwerte von Evangelikalen, Fundamentalisten, einwandernden Stammesangehörigen anprangern. Europa kommt erst Jahrzehnte nach diesem Geschlechterkampf zu Freiheit, Toleranz und Vernunft.

Wohin geht also seine Anbetung? Er erkennt, dass dies keine ihm die Füße salbende Mutter ist, sondern eine Verehrung brauchende, selbst nicht verehren wollende Frau. Ich sehe die Theaterliebe. Die Verehrung des Schriftstellers für die Schauspielerin, die nichts als dankende Verehrung erwartet. Aber die Liebe ist keine Bühne, die Akteure sind nur dann berührtes Publikum, wenn sie keine guten Akteure sind.

Nach dem Liebesschwur wendet er sich den virtuellen Horizonten seiner Arbeit zu, während sie in der gläsernen Kugel des Immergleichen warten, ja ihn erwarten soll. Die zu wichtigen Zwecken beiseite gelegte Liebe wird unmerklich von einer feinen, Schicht Schimmel überzogen.

Die Ehe zerbricht. Die Frau sucht andere Liebe, neue Verehrung. Der Schriftsteller löst sich in Erinnerungn auf. Ein schwarzer Raum voll Asche und auffliegenden Funken.

Zwei Obdachlose gehen getrennte Wege in die Welt, suchend und fürchtend die Liebe. Wenn Du ihren Weg kreuzt, scheue Dich nicht, ihnen Deine Frage vorzulegen. An Antworten sind sie nicht mehr interessiert. Das macht neue Hoffnung.


17.05.09

Samstag, 9. Mai 2009

Napoli konzentriert

*
„Es gibt keinen Platz mehr für partikularistische Landschaften in einer Welt, wo sich alles einreiht in die internationale landschaftliche Einheitsfront.“ (Pier Paolo Pasolini 19.7.69 in der Illustrierten „Tempo“)

Napoli zeigt augenfällig, dass Kultur ist. Der Versuch der betriebswirtschaftlichen und die Projektion der ideologischen Intelligenz, im Leben ein Massenprodukt der Industrie zu sehen, werden von der höheren Angestellten wie vom Hafenlümmel in einer grandiosen Geste der Achtlosigkeit zusammengeknüllt und neben den Papierkorb oder in den Blumenkübel geschnickt. In einem furiosen Duett der wütenden Begeisterung umschlingen sich derweilen die beiden Stimmen, übertönt von einer Symphonie der Hupen, der einander schrammenden Autobleche, tausendfacher Brems- und Anfahrgeräusche über erloschenen Zebrastreifen.
Der Zug legt einen halbstündigen Halt ein und das Tunell vibriert unter einer aufbrausenden öffentlichen Erörterung von Alltag und Beschwerde. Aus einer Nische im Beton leuchtet eine rot bestrahlte Mutter Gottes und der Familie, von den Zugwänden die Graffiti einer mystischen Revolution in halbgaren Gehirnen.

Ich besinge die Stimmen von Napoli, die nach außen gestülpten, einander in sprühenden Tonfällen küssenden Seelen eines unbelehrbaren Ich von bella figura und heiliger Begeisterung für die Grandiosität des Unwichtigen. Unterm Vesuv und über dem Meer, schwimmend im Blau und sich schüttelnd im Regen, türmen sich die Architekturen der Familiengebirge in rot und gelb, unterbrochen vom Rot und Gelb der Zitrusfrüchte im dunklen Grün und im grauen Grün von Olivenbäumen. Siegreich weht die Wäsche auf den Leinen der schwarzen Gassen mit den bunten Altären Verstorbener aus Familien der Mafia, während halbjunge Mädchen und Jungen in zerrissenen Wirklichkeiten und heiligen Hoffnungen in die Brieftasche Deines fremden Lebens spähen.

Was sind die Ruinen von Paestum, Pompeji, Herculaneum, wenn sie nicht von Napoli aus interpretiert werden können? – Globige Knochen von Macht, Gewalt, Spekulation, ein Selbstbild des nach Norden geflohenen , sich immer mehr der Maschine nähernden Bewusstseins der „machenden“ Existenz, die im Schweigen versinkt.*
Von Napoli aus wird selbst das prunkende Paestum lebendig.

*…und während der Eingabe in den Automaten der DB Geist und Funktion aufgibt: Was in Napoli Kultur ist, ist im Superflughafen Frankfurt der Einbruch der Realität des Nichts in den Anspruch der technokratischen Selbstgewißheit.

Über Napoli drohen der Vesuv auf der einen, die brennenden phlegräischen Felder auf der anderen Seite mit dem Auslöschen einer Kultur, in FFM schaltet ein overload eine Zivilisation ab. Das erste ist ein Verhängnis, das hunderte von Kirchen in der Altstadt gründete. Das andere ist ein zivilisatorischer Witz, der terroristische Ideologien gebiert.

Schnell ins Cafe´, einen Espresso von gegenseitiger, aufsteigender Begeisterung trinken, schnell hinaus in einen wütenden Disput, Vespa-Crash und guten Verkauf. Den Vesuv halten derweil tausende gelegenheitsweiser Bekreuzigungen in Schach, und das Brausen des Verkehrs bringt das des Meeres zum Schweigen. Ein Nigerianer verkauft eine Packung Tempo zu 50 ct. Der Neapolitaner beweist die Überlegenheit der städtischen Kultur über das Misstrauen der Provinz und gibt: ohne mitleidige, ohne verächtliche Geste.

08.05.2009 Klaus Wachowski

Samstag, 18. April 2009

Fallende Buchstaben fotografieren

*
Wutrasende Koloraturen wandern mit Jesus Christus durch die Nacht. Unser Dorf soll schöner werden. Als sie sich setzt nimmt ihr Körper einen verführerischen Gesichtsausdruck an.
*
Am Feuerwehrhaus, unter frisch vom Häcksler blutig geschnittenen Büschen erfahren sie Geschichte.
Ein Stück klein gerissener Plastikplane aus den 90ern. Sie kam damals mit einer ersten Fuhre Hoffnung auf schnellen Reichtum aus Weißrussland via gerade erloschener DDR. Wie klein die Kinder waren. Noch rebellierte Trotz, aber auch Pubertät ließ schon erste Schrecken von Beziehungsbeben über uns donnern. Wie abgespannt wir waren!
Hier eine ausgehärtetes Brause-Überraschung. Bizzel-Blitz und super-sauer. Es lag weiter zurück in der Kindheit von X und ist unserem Alter näher als jenes.
Ein zerbrochener Flaschenhals pubertäre Lustwut, eine Scherbe junger Verzweiflung, ein Knochen Schnitzel vom Rottweilerführer auf Sonntag. Etwas Buntes vom Dorffest, etwas

Glitzerndes vom aufbrechenden Schlägertrupp. Ein Edding aus gewaltigen Ankündigungen von Liebe und Hass. Die Besitzerin baut inzwischen Blockhäuser in Rumänien oder Kanada.
Hier aber liegt ein Versprechen auf ewige Treue neben der Tagebuch-Seite eines Superschülers, der inzwischen betreut wohnt, jenseits im Loft eines Verzweifelten.
Etwas Schmutz vom Stab eines Rheinhessenpilgers auf dem Kondom des letzten Viagradichters.

Unsere Sehnsucht unter der Feuerwehrspritze. Du sagst: Depression. Ich antworte: schöne neue Welt. Der Nachbardesigner hüllt die Kronkorken-History in duftende Beflockungen.
Jedes dieser Kapitel enthält Sätze weltgeschichtlicher Weisheit, schreibt der erste Weltkrieg zu Herder. Erinnert an ersten Nolte vom Historikerstreit. Er macht jetzt in
Islamismuswissen. Jesus Christus hält einen Moment, um die Walking-Stöcke wegzuwerfen. Im Wagnerianum erheben sich wutrasende Koloraturen.
Aber schau: ein erster Glaskork von heute. Prost, Liebe: wie schön ist doch der Garten Eden am Feuerwehrplatz.
*
Ein Poetry-Slam wird aufgebaut. Worte in gereimten Klumpen fallen aus Menschen, die Du für Nachbarn gehalten hättest. In der VIP-Lounge applaudieren zahnlose Zuhälter an der Seite bissfester Prominenz. Wir gehen als die von Bratwurst aufgedunsene Begleitung des menschlichen Faktors Platz begehrt.

18.04.09 Klaus Wachowski

Donnerstag, 16. April 2009

Eine Buchbesprechung

Alzeyer Wochenblatt S 8 | ALZEY / REGION DONNERSTAG, 16. APRIL 2009

Das leise Grauen hinterm Spiegel
Der Alzeyer Klaus Wachowski und seine „Idyllen 2008“
Als „Idyll“ bezeichnet man (heute) harmonisch verklärtes (ländliches) Leben, ein Bild oder einen Zustand – beschaulich und/oder friedlich wirkend auf die Betrachter. Das Wort stammt aus dem Griechischen. „Eidyllion“ heißt ursprünglich „kleines eigenständiges Gedicht“ oder „Bildchen“.

(be) – Kleine kraftvoll-poetische Hymnen auf Alltäglichkeiten, auf die Gitter unserer menschlich-allzu-menschlichen Schwächen, auf die Gefängnisse unseres ureigenen Ichs begegnen uns in den „Skizzen“ des Autors Klaus Wachowskis. Idyllen sind eigentlich ein Widerspruch in sich selbst. Es gibt sie nämlich nicht wirklich. Vor allem bergen sie immer einen Hauch von Gefahr in sich; was steckt hinter dem dekorativ golden berahmten Spiegel? Was unter dem einladenden Sofa, auf denen akkurat in der Mitte geknickte Sofakissen liegen? Selbst der süße Teddy darauf erzählt eine andere Geschichte. Schaut man genauer hin, hat er ein Auge verloren und sein Overall hängt ihm auf der Rückseite in Fetzen von seinem braunhaarigen Körper.
Genau damit – mit den drohenden, oder vorhandenen Abgründen hinter den Idyllen – spielt der Autor Klaus Wachowski manchmal in seinen „Prosagedichten“. Und das mit großer, sensibler Intensität und Ausdruckskraft. Seine einzelnen Bilder oder „Skizzen“ haben ihre ureigene lyrische Sprache gefunden, die im Leser tiefe Gefühle freisetzen. Man atmet seine Seelenzustände mit, leidet mit, wenn der Autor leidet. Wachowski schafft es, die Leser zu Komplizen zu machen. Wir nehmen Teil an seiner offensichtlichen Verehrung für den Dichter Jean Paul, schauen nach, wer Primo Levi ist (ein Überlebender und Zeitzeuge von Auschwitz), verstehen die Intension des Textes „Eine Niederlage“; in der Tat kann und konnte man eigentlich nach Auschwitz keine Gedichte mehr schreiben. Und dennoch: „Primo Levi schreibt seinen Bericht auch für die Deutschen. Ist es sein Vertrauen, das uns so sehr von den Schmerzen der Schuld entlastet?“
Wir akzeptieren, dass Wachowski Knut Hamsun „wegen Hitler“ nicht liest, Handke wegen „dem serbischen Hitler“ und überlegen sogar, warum selbst der Lieblingsdichter der Deutschen, Heinrich Heine, als „Allreimer“ sein Fett weg kriegt. Der Autor ist eben in seinen Texten überzeugend, authentisch und sicher. „Es ist noch viel zu tun und zu ertragen, bis der Mensch den Menschen nicht mehr nur ausnahmsweise im Menschen erkennt. Da ist ein Weg, der weg von Auschwitz und den anderen Höllen führt!“ So fremd es klingt, auch in Auschwitz konnte man ein Idyll erkennen; es gab dort bis zum Schluss eine Musikkapelle, sie spielte auf wie zu einem Tanztee für gut betuchte Senioren am Nachmittag, spielte gegen das allgegenwärtige Grauen an. Auf Befehl.
Aber da sind auch Texte, die der Seele schmeicheln, sie besänftigen, beruhigen und Hoffnung bringen. Auch da bleibt der Autor allerdings Pessimist. Ihm ist – wie allen wirklichen Schriftstellern – als Katalysator die Melancholie immer Weggefährtin. Wunderschöne Metaphern gelingen ihm mit einer genialen Leichtigkeit. Hier schreibt ein kluger, ein belesener Mensch, der uns immer wieder kurze, prägnante Licht- und Dunkelblicke in sein Leben zu Füßen legt. Ein 68-er mit präzisem Durch-, Weit- und Rückblick.
„Im dunkleren Blau des Himmels löst sich das Schwarzgrau der Regenwolken in Fäden auf. Das Abendrot webt sich ein. Unter zwei Kirchturmspitzen schwebt ein Gespräch in zwei hellgrünen Baumkronen. Es ist schön, menschlichen Stimmen zuzuhören.“ Das ist eine der Stärken des Autors; das Zuhören, das akribische Beobachten von Seelenzuständen wie in „Goethes Pudel“: „ in einer Haustür steht eine bedrückt schauende, tief aus der Zigarette ziehende Frau, blond über blau, und lässt den Blick weit in die Mythen eines Wohnzimmers der Kunstblume sinken… Wurden Deine Haare nicht auch auf so einem Sofa von Mama und Schwester gebürstet und gekämmt? Blicktest nicht auch Du aus so einem Fenster in einen todlangweiligen Sonntag, liebestollen Samstagabend. Sie zielen auf das Kind mit dem Märchenbuch.“
In „Fragen“ schreibt der Autor: „Fliehe mit Robert Walser ins Nichts.“
Uns Lesern soll es recht sein, wenn dann aus dem Nichts solche „Idyllen 2008“ – solche Reflexionen, Canzionen und Phantasien – entstehen, die wir empathisch in einem „Gang durch fremde Gärten“ mit ihm teilen.

Dank an die Redaktion für sensibles Lesen!- Klaus Wachowski

Sonntag, 8. Februar 2009

Linie vier

in den Fenstern der entgegenkommenden Straßenbahn die gleichen Passagiere wie vor vierzig Jahren. Der gleiche Regen läßt meine Wurzeln faulen. Ich sehe die Armut in den Kinderwägen, und im mürrisch hinein blickenden Gesicht verbitterte Sehnsucht.

Die jungen Männer lachen und stupsen und schnauben. Kichern und Kickeln bei den jungen Mädchen. Eine nicht viel ältere Frau im Kopftuch tauscht mit ihrem strengen Begleiter von der Bartstoppel Zungenküsse. Der Fundamentalismus ist auch nicht mehr das, was er einmal war.

Alte Männer, Begleiter von Einrichtungs- und Einkaufsprojekten ruhen aus in von Möbeln entleerten Gedankenräumen, Frauen rasten auf der Flucht vor dem Schweigen der Wünsche. Es geht durch die esoterischen Labyrinthe der Kaufhäuser, manche ziehen sich verzweifelt an den Felsen von Designer-Shops aus dem Meer der Anonymität.

Die Tram fährt weiter in die Schnäppchenmeile 70%. Hier treffen sich Kichern und Spähen, Lust und Scham, die aus dem Elend den Provinz in die Schluchten der Stadt flohen. Hier im Feuchten schwillt der Schimmel der Kultur. Hier blüht irgendwo die Blume Deiner Erlösung. Die Kirche der Heiligen von der Fleischeslust öffnet ihre rot leuchtenden Tempel, die Priester von der Goldkette und die Priesterinnen vom Arschgeweih erleichtern Deine nach Berührung brüllende Sehnsucht.

Im städtischen Dampfbad schrubben zwei gefaltete Heilpraktikerinnen einander die Lust aus der Haut, als sei sie vom Satan entzündet. Der geht einsam durch die duftenden Aufgüsse des Saunameisters. In der Ruhezone versenken sich schließlich alle in die Phantasien von Roman- und Skandalfabrikanten. Sie fliegen, stürzen und landen schließlich weich in der Liebe, sie kämpfen tapfer und siegen gegen das Unrecht in der Welt. Sie ermutigen sich zu Liebe und sie ermuntern sich zu Hoffnung.

Endstation Hauptbahnhof: Linie 4 kehrt um. Bist Du bereit für nach Haus? Für die Berührung im whirlpool Familie?
Fliegen wie schön, vom Nest aus!

Und was gibts im Fernsehn? Man darf zusehen wie Fledermäuse in der größten Höhle der Welt fliegen. Kot von millionen Exemplaren, der von millionen Schaben wimmelt. Man sieht wie eine Fledermaus in Kot und Schaben versinkt, zuckt, zersetzt wird.

Das Kino gibt den Vorleser von Schlink. Sex and Crime macht die Deutschen ganz hektisch, wenn sich heraus stellt, dass die erfahrene Liebesmutter Killerin bei der SS war. Wäre es nur eine sehnsüchtige Frau gewesen, hätte man zumindest etwas Literatur erwartet. Bilder, Fühlen, Gedanken. So reicht die Mechanik, die ein Altersgefälle in Gang setzt für neugieriges Kaufen. Romantisches Geschichtenbasteln. Ein billiger Plot macht Kasse. Wer fühlt bekommt in all der Begeisterung an Sex und Nazicrime ein Gefühl wie eine in Kat und Schaben verzweifelt gegen das Versinken kämpfende Fledermaus in den Batu-Caves. Ist es das, was wir im Ruheraum des Wellnessparadieses über unsere heißen Steine von der Hoffnung gießen?

Klaus Wachowski 07.02.09

Sonntag, 18. Januar 2009

Sterne

Hinter der Wiese eines Märchenbildes in der Zahnarztpraxis erhob sich ein Himmel voller Sterne. Sie glitzerten über der Weihnachtsvorstellung des Tivoli und aus den Dessous eines Damenkränzchens der 50er Jahre.
Etwas Entsprechung von Dunkelheit und Verheißung ist mir aus einem viel älteren Traum gegenwärtig. Ein Schatten im Gebüsch einer Rheinwiese.
Aus der Dunkelheit einer Welle im sprudelnden Bach einer auftauenden Landschaft sprach eine Fee zu mir unverständliche schöne Worte. War es Gott?
Lange Zeit verging. Bei Perry Rhodan und in den Terra-Heftchen begegnete mir das Leuchten wieder als Sternenstaub in Zeitlosigkeiten. Ihr berichtetet mir von solchen Begegnungen in Haschischträumen. Meine Liebe tröstete sich in ihrem Glanz.
Später hörte ich Deinen Atem, später den kürzeren der Kinder - und sah aus dem Fenster in die leuchtenden Augen der Nacht. Man konnte die Fragen des kleinen Prinzen hören.
Dann sah ich Virginia, Sylvia, Anne und ihren weinenden kleinen Bruder TC. Und Viele...
Wir fahren hindurch durch diesen Sonnenstaub in die Reklamen des Discounters Tag. Und wir suchen in seinen Regalen die Software, die es uns ermöglicht, die Sterne jederzeit und an jedem Ort einzuwerfen.
Eine Vernissage voll von verschossenen Pfeilen der Sehnsucht. Eine Buchmesse von zu kurz gesprungenen Hoffnungen, die deprimiert mit Ruhm Vorlieb nehmen. Ein Waggon von Leserinnen preisgekrönter Langeweile. (Ihr Literaturklatsch aber bringt in gesunder Kaubewegung etwas von dem zum Vorschein, was unter der harten Schale der bitteren Nüsse an Geschmack und Blausäure geblieben ist.) Kinder, die mitten im Abitur träumen bleiben. Ja sogar im Dialektgurgeln des Heimatschwitz öffnet sich manchmal ein Schweigen von Stern.
Es ist schwer zu singen und zu sagen. Und auch Warten muss nicht helfen. Es kommt und geht wie die Liebe, die Deiner Sehnsucht antwortet. Unglückliche springen darauf zu, andere Unglückliche öffnen weit die Türen der Hoffnung.
Werden wir dem Wunder wieder begegnen? Die Erfahrung lässt hoffen. Ich habe vorläufig ein Staunen davon geschrieben.
Klaus Wachowski 18.01.09

Sonntag, 11. Januar 2009

Raum Australien

Blaue Nacht unter einem Sprühregen von Sternen. Der Regisseur träumt uns den Anfang eines Märchens.

Was sind das für Wanderungen der Aboriginees entlang der Traumpfade? Die Gegenwart sinkt aus der Zeit in einen von Gegenständen ausgeräumten Raum. Wem begegnest Du?

Die Experten übersetzen die Namen mit "Regenbogenschlange" oder "Schildkröte". Ich stelle mir die Liebe, die Hoffnung und Gott in den Verkleidungen eines Regenmärchens vor.

Der Vernunft klingt das ganze nach Didgeridoo, nach einem 12-Ton-Jazz unter der Schamanenstirn. Dem Traum ist es die Vergegenwärtigung des Ich über die Bindungen und Verheißungen, über Geschenk und Verlust, und schließlich über das Wunder, zum Leben auserwählt zu sein.

Der Junge sieht hoch unter der Sternennacht das rote Feuer, er hört den dünnen Gesang des Alten an die Sehnsucht des in der Welt lebenden. Ein Schamane vom Jazz einer vergangenen Zeit.

Ich sehe den anderen Alten, der den Vermummten darum bittet, auch seinen Enkel mal auf den Knopf der Rakete ins Nachbardorf drücken zu lassen. Wen willst Du sterben lassen! Ich sehe den anderen Alten, der seine sterbende Enkelin in den Armen hält. Wer wollte töten!

So weit sind die Traumpfade doch nicht entfernt, wenn aus den Nachthimmeln nur Sterne sprühen! Bevor Du in den Tag hinaus gehst, versuche den Haß von Deiner Seele zu waschen. Es ist schwer. Vielleicht hilft das Staunen eines alten Aboriginees im Staunen seines Enkels über die Spur der Regenbogenschlange.

Klaus Wachowski 11.01.09