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Sonntag, 13. März 2011

Trauring

Trauring
Ich fühle mich so Trauring, sagt das Herz. Der Verstand meint dagegen, es handle sich lediglich um den Beginn einer Erkältung.
Ein Schwarm von Tauben fliegt die Runden des vergangenen Herbstes nach. Unter sich Gärten voller Körner, Häuser im Mittagsschlaf von Senioren und zwei Wahlplakate gelb und rot.
Nimm etwas Grün unter Deine Schuhe, wenn Du jetzt gehst. Noch sind die Wege von Schlammpfützen bedeckt.  
Hier schauen Passanten noch misstrauisch auf den einsamen Spaziergänger. Aber schon hast Du das weite Feld erreicht, wo nur der Bussard und der Wind ihre hässlichen Stimmen hören lassen.
Einige Hundefreunde lassen ihren Menschenhass von der Leine. Aber eine Hasenfamilie lenkt sie ab.
Jetzt bist Du allein mit der Welt. Es ist nicht gewaltig: eine graue Schmiere über dem Himmel, deren Ton sich in alle Farben mischt, der Schlamm zu Deinen Füßen, eine Luft ohne Duft.
Lass die Zeit vergehn. Das Wort Gestern weht vorbei als ein Zigarettenrauch. Was war? Es ist wie ein Gefühl von Ukraine im Herbst. Aber ohne Menschen.
Es ist Frühling, aber noch nicht Frühling. Christ und Atheist warten auf Ostern. Die Sonne, die mit dem Tod der Nächstenliebe kommt. Goethe macht seinen Osterspaziergang des bürgerlichen Optimismus. Die Jugend wälzt sich in gestörter Lust, das Alter trägt in Räumen des Schweigens lästige Erinnerungen vor.
Aber da war ein Erdbeben in Japan. Wirkliche Tote, wirklicher Schmerz. Der kurdische Flüchtling spricht davon und der Aktionär von der zufälligen Staatsangehörigkeit. Auch Dir erscheint Deine weltenweite Langeweile doch etwas dick aufgetragen angesichts des wirklichen Schmerzes, der gern mit liebessatter Langeweile tauschen würde.
Ich höre die Stimmen der wirklichen Menschen in wirklichem Gespräch. Ich spüre Dankbarkeit. Ich kann wieder an die Sonne glauben, an die Auferstehung der Nächstenliebe.
*
Ich stelle den Tisch auf die Terrasse. Du räumst die Scherben der Fenster weg. Du aber verblutest im Wüstensand.
Die Sonne scheint Frühling über Deutschland, Japan, Libyen. Und die Vögel singen aus voller Kehle Liebe.
Ich stecke die Zweige des Apfelbaums in eine Vase. Du blickst in einen Himmel voll Rauch und kreischender Erde. Du spürst heiße Tränen auf Deinem Gesicht.
Die Blumen färben die Erde ein. Gras zieht sich grün in die langen Schatten. Erste Bienen sammeln ersten Nektar.
Die Ewigkeit spiegelt sich im Augenblick. Diese Woche will sie sich Strähnen legen lassen.
Berühre und lasse berühren: Was wären all die Glück und Grauen ohne ein Du?
13.03.11                 Klaus Wachowski

Mittwoch, 2. März 2011

Libysche Liebe

Der meteorologische Frühling öffnet die Tür. Draußen steht die arabische Freiheit. Ob er ihr Kopftuch gebrauchen könne? Sie werfen Sand in den Hochzeitsreis.
 
Sie gehen unter den blauen Himmel voll Duft und Vogelklang. Sie gehen in Krokus und Tulpen und trinken Luft.

 
Sieh, wie die Wolke so weiß sich schmückt mit rosigem Rand, sieh die mit Liebe geschminkten Lippen der Freiheit. 

 
Auch Freundschaft bricht auf in den Straßen der Hoffnung. Im Frühlingswind flattern die Drohungen der Herrschaft davon. Es ist ein geschenktes Wunder.

 
Wie willst Du Deine Republik verfassen, mein Bruder, meine Schwester vom Sonnenaufgang.

 
Die ersten Bienen summen im Stimmengewirr des Morgens. Der Tag legt seine schwere Hand auf Deine Schulter. Aber der Frühling streut Blüten. Der Nachbar kommt heraus, auf die Straße der Freiheit. Zwischen Euch geht das Vertrauen.   

 
Dies ist das Wunder Freiheit im Wunder Frühling. 

 
Schwalben auf den Stromleitungen. Sie fliegen hoch in meinen Erwartungen. Ihr heller Schrei ist wie ein Blitz aus der Sonne.

 
Ich lege eine Rose auf das Grab des Tapferen. Ich lege einen Lorbeer auf das Grab des Ängstlichen. Am Grab der Wehrlosen weine ich.

 
Wenn der Abend kommt, bedenken wir Gestern und Morgen. Und wenn Du zu Deiner Liebe gehst, weißt Du: an der Tür wacht die Freiheit.

01.03.11 Klaus Wachowski