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Montag, 21. April 2014

Ostern 2014

Mann, wie kann man bei so einem Wetter eine Kreuzigung ansetzen!?
Der will nicht auch noch eine Runde auf dem Karussell.

Stimme von oben:"Warum hast Du mich verlassen?"

Die Doktoren Smirc und Warnix gehen am Stammtisch vorbei und schweigen. Sie wagen es nicht, die Wachen zu überlisten und den Menschensohn abzunehmen. Sollen sie stehen bleiben und ihm unter feixenden Wut- und Wellnessbürgern ihr Mitfühlen zeigen, zuhören?

Wie schwach ist doch der gute Willen gegen die Macht der Herrschaft und die Übermacht der Beherrschten!
*
Der Tag fing gut an. Ein gewisser Beilkirchner schwelgte in Moser und Wagner. Eine irgendwie ranzige Verliebtheit in das problematisch Problemlose.

Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus (Schubert). Unter der zunehmend festbackenden Betonmischung von Mundart, Gemüt und Wellnes regionaler Kochsendung bin ich froh geworden, fremd geblieben zu sein.

So fahre ich ins Hack-Museum einer Stadt mit dem Flair der Ukraine, deren verschiedene Mitten ausgekrazt von der Betriebswirtschaft, die Ränder als Schrunden von politischer Depression überkleistert vom Zweckoptimismus einer in lauer Zustimmung dümpelnden Planung. Die unverwüstlichen Pudding-Stelen eines beziehungskräftigen Allround-Bildhauers quäken durch die in die Einkaufsbunker rauschenden Konsumgezeiten. Auch wir werden uns in die saugenden Wirbel stürzen, verlieren uns aber vorläufig in der Ausstellung Love.

Ne me quitte pas.

Was Künstler sich so denken? Irgendwie hat Liebe etwas mit dem Geschlechtsakt zu tun, auch mit Wut und Wahn. Wir gehen durch die Versuche, etwas zu fassen, das nicht zu begreifen ist. Die schönen und hässlichen Oberflächen der Körper, das Schreien, Seufzen, Singen der Lust und der Sehnsucht, ein Versuch, das Innere zu berühren, wie über die Reibung der Sexualität das Feuer der Liebe zu entfachen. Aus der Asche versuchen wir einige Knöchelchen Erkenntnis zu lesen.

Es bleibt das Wunder und die Gewißheit nicht wissen zu können.
*
Schöne Landschaft zum Ostersonntag

Vorbei an Weinbergen, unter deren Drähten die Biologie totgespritzt wurde. Prost. Die zwischen den Schatten gelb aufleuchtenden Rapsfelder. Ein Zitronenfalter, ein Pfauenauge, ein Kohlweißling. Leichte und schwere Wolken zwischen dem Blau. Die Bäume schon dicht im Grün.

Christus ist auferstanden. Was ist die Hoffnung davon?

Die Steine unter den Schuhen und die Steine als große aufgeschichtete Haufen. Der gelbe Schrei aus dem frisch erblühten Ginster. Vogelstimmen von neuer Melodie. Es wird warm. Wir liegen auf einer Bank unter einer milden Zukunft, die in eine milde Gegenwart übergeht. Das Herz schlägt es ein in das Cellophan der Erinnerung für den Abstieg.

Gott in der Palliativstation, umgeben von frommen Helfern. Dieser Mensch war ich...

Was er wohl schreiben würde? Was Helfer wohl von Freiheit wissen?

Dieser Gott war Mensch, der sich nichts auf seine Herkunft einbildete. Er hatte Schmerzen und Angst, nicht wie ein Gott, Weltweiser, Held oder Genie! Wie der Mensch im Ich und Du. Auch im Tod hat er sich nicht über die Menschen erhoben, weshalb alle Narzißten von Wagner bis Nietzsche von Haß auf ihn erfüllt waren.

Es gibt Unterschiede:"Vater, warum hast Du mich verlassen!" (Sollte es nicht heißen:"Warum hast Du mich vergessen!") Verließ er denn nicht Vater und Mutter? Du aber wirst Vater und Mutter vergessen, wie Deine Kinder von Dir gehen in eine andere Welt. Und auch die Freunde ließen ängstlich ihn allein.

Fremd zu sein bedarf es wenig.
Aber wer glaubt nicht an die Liebe?

Die Mozartammer erfüllt die Welt mit wehmütigem Gesang. Einige zig Passagiere ertrinken unter Schmerz und Angst. Zu früh. Krieg wird gegen Mensch und Mensch geführt. Vater, warum hast Du mich vergessen!

Je nach Standort hängt der Himmel voller Halleluja oder der neusten Erfindung sich drehender WC-Steine.

Da stirbt Einer, der sagte:"Lebe als Mensch; Sohn und Tochter Gottes."

Er steht wieder auf in jeder Geburt.