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Dienstag, 29. März 2016

Tulpe am Abend

Die Tulpenblüte schließt sich.

Die Blätter entfärben sich,
legen sich um eine glänzende schwarze Beere.
Was man so Samen nennt.

Ins Dunkel getrocknetes Leben.
Ein anderes wird aufgehen. Vielleicht.





Du willst es wissen, schneidest durch es hindurch. 
Also wird es in einen tieferen Boden sickern, 
In eine fernere Luft eindünsten. 

Das ist: Den Tod nicht wissen. 
Ja, weißt Du denn das Leben? 

Mittwoch, 23. März 2016

Tag des Verrats


Als die SPD den 1.Mai boykottierte - 2004 

Donnerstag, 17. März 2016

Warten auf blau



Der Frühling wirft dem Winter ein bunt gepunktetes Osterei an den Kopf. 

"Ej! Mein Herz ist voll Asche!"

Aber ihre Haut strahlt von schneeweißer Kälte. Kawabata küsst von der Kälte erotisiert ihre prall gefüllten Lippen von der Form eines Blutegels. 

Ein erster warmer Sonnenstrahl lässt die Aschepartikel in ihrem Tanz aufleuchten. 

Ein Tränenbogen spannt sich über die Jahreszeiten. Ein Wind schiebt die Wolken davon nach Osten. 

Ich erwarte das Blau.

Sonntag, 13. März 2016

Grün weckt eine Ahnung von Hoffnung

Das Leben scheint noch etwas zu haben.

Vorne zu meinen Füssen zeigt sich eine grüne Lücke im Schwarz. All das ist noch weit entfernt von Berührung. Ich zweifle an der Möglichkeit von Berührung durch Glück. Aber das Grün weckt so eine Ahnung von Hoffnung. Die Gefühls-Taubheit weicht etwas auf.

Keiner kann mehr die Sprüche vom kommenden Frühling hören. Er kommt mit und ohne Kommentar.

Die Luft füllt sich mit dem Duft erwachender Erinnerung. Es zieht mich zum Eingang der Höhle. Je näher ich komme, umso ferner scheint das Bild zwar. Aber es ist.

Ein seltsamer Gottesdienst über den Trost. Was sollen die Worte? Sie wehen vorbei wie der Abendwind in dunklen Zweigen. Eine wort-und geistreiche Beschwörung des unbekannten, viel ersehnten Gottes. Mir wird daraus kein Trost. Es hat mich zu sehr auf mich selbst zurück geworfen. Beim Versinken geht mir kein Blick nach oben. So ist mir das Reden von Gott heute ein Geräusch eher als ein Gesang.

Aber zwischen den Menschen scheint mir etwas zu sein. Draußen gehen wir aneinander vorbei. Spießer und Chaot. Aber hier legen wir alle unser Leid auf den Boden einer aussichtslosen Hoffnung. Und wir hören vom Mord an Liebe und Hoffnung, legen unseren Wahn von Exklusivität und Wichtigkeit ab.
Wie viele Jahre, wie tiefe Räume des Leides hier wohl versammelt sind? Ja, auch Neugier und bloße Sehnsucht nach Gemeinschaft. Es stört mich nicht.

Das Lied sagt: "Kommt, Kinder, lasst uns wandern, / wir gehen Hand in Hand;/ eins freuet sich am andern / in diesem wilden Land. / Kommt, lasst uns kindlich sein, / uns auf dem Weg nicht streiten;/ die Engel selbst begleiten / als Brüder unsre Rhein."

Engel glaube ich nicht, Gott weiß ich nicht.

Wo aber das Leben zu mir sagt: "Nicht Knechte, sondern Brüder nenne ich Euch!", fühle ich Trost. Wo die Welt eben etwas mehr ist als das bloße catch as catch can, wo Menschen mehr sind als Wölfe unter Wölfen, glaube ich lieber an eine uns gemeinsame, nicht versiegende Quelle der Menschlichkeit als daran, dass Evolution auf ihrer höchsten Stufe nichts besseres zu bieten hat als ein Egal.

Danke, dass Du mir nicht tief in die Augen geschaut und Deine Gefühlsphantasien in meine Trauer gesenkt hast.

Es sieht aus wie ein Spalt Grün im Schwarz. Hoffnung scheint möglich.
Die Luft hat eine Spur Sehnsucht in sich.

Belohnung durch ein Wahlergebnis für die Republik.

13.3.2016