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Sonntag, 3. August 2008

Der Sonntag vom heißen Sand.

Dieser Sonntag riecht wie eine faule Feige, schreibt der japanische Schriftsteller. Ich sehe heißen Sand zwischen den Gemüse-Beeten. Wer hat Gemüse noch im Garten? Es wächst weit draußen, wo der Bauer seine Bulgaren vor der Erntemaschine her treibt.

Der Schatten des Hauses schneidet ein Stück des Gartens weg. Ein grau bestäubtes Kraut, eine schlaff auf der Erde liegende grüne Frucht begrüßen die Einsamen und Geschäftigen.

Es lockt aus dem Schatten. Sie aber kommen aus den Regentagen. Sie schleppen sich zu den Begegnungsstätten der Hoffnung und der aufgegebenen Sehnsucht. Da gibt es Sonnenschirme und Kaffee vom stehenden Wasser. Die Männer zeigen einige Zentimeter liebestötende Ritze über verrutschtem Gürtel, die Frauen spreizen die Finger, bevor sie das Eis über die Zunge schieben, während der ausgehungerte Magen sich die Wände wund reibt.

Was schwirrt so lustig in den Gesprächen? Der Mann versteht nicht. Seine Gedanken versinken im Bild eines in glühendem Sand angelegten Gemüse- Gartens. Der Rauch seiner Zigarette findet den Weg nicht in einen fröhlichen Winkel der Mittagsstunde.

An einer Rose vorbei gehe ich zur Arbeit. Ein Stück saure Fruchtgummi-Schlange liegt am Weg. Eine blau-lila Budelaia und ein Presslufthammer grüßen mit Bienen und kreischendem Abriss. Migräne kommt, Amsel und Rotschwanz, LKW und Musik-Brüllen aus Bayreuth.

An einem Körper mit weichen Haaren ruht die Erschöpfung sich aus. Sie träumt von einem in der Hochsommerhitze liegenden Garten. Im Sand verdurstet die Seele.

Unter einem Kürbisblatt spitzt ein Regenpfeifer die Lippen, um eine Wolke herbeizupfeifen. Der Himmel öffnet ein dunkles Märchen, aus dem Schatten von Träumen auf die Erde wehen. Sie wirbeln die festgezurrte Wolke des Regenpfeifers über die Beete. Eine Schnecke bricht aus dem Sand hervor.

Und dann ein Gewitter.

Die Bäume biegen sich.
Sie weinen.
Ein Knall.
Die Leitungen!
Der Nerv des Lebens.

Ein Hund kläfft verzweifelt.
In den Bergen wird ein Mensch erschlagen.
Regen wäscht uns fort.

All unsere Verbissenheit weicht
einer frohen Hoffnung
auf einen neuen Tag.

Klaus Wachowski (bei lulu.com) 31.07.08