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Freitag, 27. Dezember 2013

Weihnachtspilcher



Es gibt nichts Schöneres für so ein einsames Mädel als Weihnachten im Kreis einer Familie glänzenden Kugeln und liebenswertem selbstgebasteltem Zierat. Dr. Smirc sagt Frau Pilcher einen guten Tag.

Vor Neidlinger's Bierschwemme trifft er auf Dr. Warnix, Psychagog und Lwiwer Stadtguide. Sauwetter heute. Regen, kalt und Weihnachten.

"Heute hatte ich einen interessanten Traum. Ich erwache in einer riesigen dunklen Kugel, die in eine von Licht erfüllte Region einfährt. Ein glückliches Gefühl strömt in mich ein. Schon nach kurzer Zeit aber versinkt meine Welt wieder ins Dunkel. Ich werde mürrisch und traurig, verliere das Bewusstsein. Das Wort für Tod heißt auf Russisch Smert, das Wort für dunkel werden smerkatsja."

Zwick von hinten: "Also errichten wir doch ein hohes Gebäude, damit unsere Nachfolger unsere Willensstärke sehen können!"

"Ach Schnecken!" Dr. Warnix "Daß das Nichts vom Nichts bestaunt werde, bevor beide Nichts sind?! Ich denke, es kommt darauf an, was Du für Dich tuts: Du kannst Dich damit vergnügen, Licht zu saugen und andere in den Schatten zu drücken. Du kannst aber auch versuchen, das was Licht in Dir ist, weiter zu geben. Eine Sache der Glücksinterpretation. Untergehen nicht: mit welchem Erfolg, sondern: mit welcher Erinnerung?"

Gott hält schon die Silvesterkracher bereit. Die Hoffnung soll es knallen lassen auch in die Zukunft. Jacko Ivanowitsch nimmt einen Sternenteppich, Zwick einen Bankböller, Dr. Warnix läßt eine Feuerbiene summen. John kuschelt sich zu Joko.

26.12.2013

K

Dienstag, 24. Dezember 2013

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Hallo Weihnachten


Durch die roten Erinnerungen hindurch gehe ich zurück in die Christmas-Time der fliehenden Kindheit. Kopf nickende Nikoläuse, süß lächelnde Engel, erste grüne Plastikbäume. Und ich ging durch das Reich der schönen Lüge. Es war Lüge, aber es war schön.

Jetzt sitze ich in der Desillusion. Ich kann die Heizung aufdrehen, aber es ist kühl.
Was habe ich noch vom alten? Einsamkeit und Sehnsucht nach zufriedenen Menschen.

Was hat das mit mir zu tun?

Hinter der Straße der Zufriedenheit erhebt sich das Tor zum Ich. Was erwartet mich, wenn ich es aufstoße?

Die Nacht auf dem Weg von Hänsel und Gretel. Mondlicht aus den Kieseln. Eine warme Hand. Aus dem Wald das Rascheln eines friedlichen Tiers, vor uns der Weg in ein Land, an das wir kaum glauben können, das Reich Hoffnung. Ist es das Haus der Eltern oder der Hexe? Wir gehen weiter.

Suche den Platz am Herzen des Menschen. Er ist so oft klein und Stein. Aber es gibt außer ihm nichts als Wüste, seit auch Gott Mensch geworden ist.

Wie schön die Nacht ist. Wie sanft leuchtet das Mondlicht aus den Kieseln. Eigentlich möchte ich immer gehn, nie stehen bleiben.

Aber die Nacht verbrennt in den Flammen des Morgenrots. Die Hoffnung verdorrt im klaren Licht des Tages. Komm, wir kaufen rot-grünes Plastik.

19.12.2013 Klaus Wachowski

Sonntag, 15. Dezember 2013

Selbstgespräch mit Richard

Hallo Richard!

Wieder einmal sehe ich Dich.Die Sonne scheint in einen blauen Himmel und hinter der kahlen Krone der Buche blitzen Stamm und Äste der Birke. Und daraus Dein Gesicht.

Der Berg protzt mit einem Frühlingskleid aus Licht und Schatten, mitten im Winter. Die Bäume auf seinem weit gestreckten Rücken filigran vor Blau, ein Hügel schiebt sich in einem rot-bräunlichen Schatten vor seine Füße. Noch gibt es bunte Flecken von Herbstlaub. Und wie ich auf die Stadt unter dem Berg zufahre, strecken sich die Strukturen der Alleebäume höher hinauf, weiter hinaus.

In der Verheißung der Welt der Anblick des Freundes. Tränen des Verlusts und der Freude. Heute bin ich schon drei Wochen älter als Du geworden bist. Und dennoch lerne ich von Dir. Du warst, wie man sich einen Vater wünscht: freund. Dein Rat kam begleitet von Fragezeichen zur Wichtigkeit. Der Versuch auf Lösung des Rätsels fiel leichter, weil Du sie nicht zu wissen vorgabst. Mutig zu sein fiel leichter angesichts von Mut. Angst war nicht peinlich, angesichts von Freundschaft. Und Freude war rein angesichts von Freude.

Sieh, Deine Landschaft erstrahlt weit in die Räume, tief in die Zeiten ihrer geistlosen Geister. Der Rabe krächzt seine nie endende Einsamkeit in die Sehnsucht nach dem Wort. Dies war einmal ein Land in der Welt. Es ist ein Saumagen.

Aber an so einem Tag erscheint das Versprechen erneut: Das Wort ist möglich, die Sehnsucht hat einen Raum.

Du fragtest mich nach dem Wort Höhle. An so einem Tag sehe ich mehr als die Ich-Iche und das Wir von Horden der Gemütlichkeit. Ich sehe Dich vor der dunklen Öffnung kauern und dem Geplapper der Ewigkeit lauschen. Und Du drehst Dich um und gibst mir diesen Kiesel in die Hand, dieses kostbare Staunen, so groß.

Und dann gehst Du wieder zu Deinen eigenen Gedanken. Und ich weiß nicht, wohin mit so viel Reichtum.

Die Sonne greift durch die Baumkronen in unser Gespräch. Du rauchst, ich glaube diese französischen, oder - ich habe vergessen. Ich stecke mir eine Mini an. Wir sehen ins Weg-von-mir.

Die Welt klopft an in Form von Menschen. Sie testet uns auf Wahrhaftigkeit. Wir antworten mit Fragezeichen.

Ich habe einen Freund. Klaus Wachowski 15.12.2013


Montag, 2. Dezember 2013

Wenn es weh tut...

Wenn es so weh tut,
Ist es da nicht Liebe?
Wenn es so brennt,
Nicht Hass der Liebe gleich?
Und Egoismus schüttet kalte Wasser ein.

So kamen weinend wir ins Leben,
Begrüßt von Schmerz und Sehnsucht Liebe.

*

Der Schmerz Liebe ist mancher Religion weniger bekannt als die Lust des Hasses an der Grausamkeit. Der am Kreuz sterben mußte, war der Schmerz seiner Liebe, seines Verlusts nicht größer als der der Kreuzigung?

Laßt uns lieben, singt der Sänger Westernhagen, Lieben sei gar nicht so schwer. Aber die Terroristen zeigen uns, dass Töten und Sterben leichter ist, als den Schmerz der Liebe auszuhalten. Ja sie lachen darüber, dass andere es eben nicht leicht nehmen können: weil sie lieben. Wer liebt: würde er das Lieben einstellen, um dem Schmerz zu entgehen?

Wer kann das wissen? Buddha empfiehlt, das Lieben zu lassen, um dem Schmerz zu entgehn. Für den überzeugten Marxisten ist Liebe eine kleinbürgerliche Mystifizierung des Fortpflanzungstriebs, Schopenhauer weiß nichts von Liebe und vermutet so etwas wie Mitleid hinter ihr. Und viele andere, die ihre Weltbilder höher schätzen als diese unerklärliche Berührung des ganzen Menschen durch den Menschen.

Ich liebe doch nicht, um mich fortzupflanzen, um ein Mitleid auszudrücken oder was dergleichen Spekulationen von Leuten sind, die nicht von der Liebe durch Leid und Freude verwundet wurden. Liebe macht man nicht. Man erleidet, verliert und sucht sie verzweifelt. Und das ist richtig so. Was wäre das Leben ohne sie oder die Sehnsucht nach ihr.
Gehe das Risiko des größten Verlusts ein und - liebe! Was wäre sonst all das hier wert? All dies.-

Klaus Wachowski 2.12.13

Montag, 11. November 2013

Fünf verweht


Am Spielplatz treffen sich fünf. Einer aus Schlesien, einer aus dem Banat, einer aus Afghanistan, einer aus Ungarn und einer aus der Familie eines Schlesiers.
Man hat so Erinnerungen. Sie schneiden noch mit 80 Jahren in die Nacht. Der Vater, der zwei Tage und Nächte im Eiswasser stehen musste, der Hass in den Augen der Nachbarn, das Schreien der Mutter bei der Nachricht von der Ermordung des Vaters, die schwarzen Einsamkeiten des Waisen, der Jähzorn des Vertriebenen. Fünf Ikonen von schmutziger Welt, fünf von Leiderfahrung und Hass knirschende Spiegel unter den Gewichten der Welt.
Mach Dir mal keine Sorgen um Dein Aufenthaltsrecht! Es ist hart, aber wir sind sicher, auch Du wirst einen sicheren Platz bekommen.
Mein Kopf tut weh. Ich weiß nicht, was mit meiner Mutter ist. Ich darf nichts tun und muss auf Gnade warten. Habt denn Ihr Gnade erfahren?
Na ja, ich hab den Ausweis in den 80ern bekommen. Aber glaube nicht, dass die Einwohner begeistert waren, als wir arbeiten und sogar ein Haus bauen wollten. Dort waren wir die Deutschen, hier sind wir die Rumänen. Der Hass und der Neid sind immer dabei. Ich bin mürrisch, rede nicht viel und weiß immer noch nicht, wer Nachbar ist und wer nur neugierig über den Zaun blickt. Aber mit all meiner Unzufriedenheit und mit der der Nachbarschaft bin ich doch sicher. (Er versinkt ins Brüten über die Rotten auf dem Schulhof, die dann Polizisten wurden.)
Ich musste schon um meine Anerkennung kämpfen. Der Osten war noch zu und als früher Verfolgte waren wir in Ungarn ja gut behandelt worden. Als dann die Revolution kam, waren wir die Ersten, die für ihr gutes Leben bestraft werden sollten. Zum Glück musste ich nicht zurück. Jetzt achte ich darauf, dass meine Kinder wieder nach oben kommen. Danke nein für soziales Netz. (Denkt er an seine ermordeten Eltern oder an die dunkle Geheimnisse? )
Als ich dann vor 30 Jahren den Herzinfarkt hatte und die Alpträume einer Flucht in die Gräuel hochkochten, war da niemand, der mit mir reden wollte oder konnte. Bis heute kommt der schwarze Klumpen immer wieder hoch.
Kannst Du dann sehen, dass Dein Leid auch die Folge von Leid bei anderen war? Mein Vater war voll Wut auf seine Kinder, die sein Leid nicht sehen wollten, so lange er nicht von seiner Schuld gesprochen hatte.
Sie sind getrennt von den Menschen. Die Menschen erwarten normales sozialverträgliches Verhalten und etwas Dankbarkeit.
Ein Rabe ruft: "Bruder vom Fragezeichen der Allwissenheit. Wie kommt das Leid in die Welt?"
Der Klausner Brandstaetter spuckt seinen letzten Zahn aus. Ab morgen nur noch Flüssiges. Er löscht das Antoniusfeuer und geht zu Bett. Der Soulman aus dem Senegal so:"Du hast mir zugehört, als ich Dir das Armband verkaufen wollte. Die da starren in die Sehenswürdigkeiten, um mich nicht zu sehen und sehen weder das eine noch das andere." Er schenkt ihm das "Armband Yin und Yang für Double-Sex". Sein Bruder zieht den schwarzen Müllsack aus dem Gebüsch, holt die Kleider heraus, wäscht sie im Freiheitsbrunnen und trocknet sie anschließend auf der Abluftschacht der Tiefgarage. Morgen gehts weiter nach Norden.
Ein Polizeiauto fährt ein. Eine Nachbarschaftsbeschwerde. Mindestens zwei haben fühlbar Angst. Ein Asoz mit süßem Hund geht vorbei. In der Tasche Handzettel des Hasses. Man kennt das.
Wenn Ihr jetzt nicht Eure Spiegel zerschlagt, lernt Ihr nie den Menschen im Menschen kennen.
9 . 11 . 2013
Klaus Wachowski


Sonntag, 20. Oktober 2013

Oktober-Traurigkeiten





Dr. Warnix, Todesgestalter und Helfer in schweren Stunden, schlägt das Notizbuch seines Lebens auf.

"Wäre es nicht doch besser, seinen Abschied zu nehmen und in die Ursuppe Nichts zurückzukehren?

Es fehlt wohl wieder einmal an Übereinstimmung, an Berührung der tieferen Hautschichten der Seele.

Er wird dem depressiven Impuls nicht nachgeben. Aber es ist eine günstige Gelegenheit, zurück zu sehen. 
Was habe ich von diesem Leben? Es hat hat mich mit vielen schönen Dingen und mit vielen Freunden, mit Liebe in vielerlei Gestalt beschenkt. Es hat mich mit Einsamkeit und mit Schmerzen gequält. Wenn ich aufrechne, geht die Rechnung einmal so, einmal so aus. Das macht die gerade überwiegende Stimmung.


Irgendwann geht es zurück in das Nichts, in die Auflösung des Ich. Also nutze ich diesen von Licht und Nebel erfüllten Augenblick."


Es klingelt. Warnix erkennt auf dem Bildschirm Jacko Ivanowitsch, vom Regen ganz durchnässt. "Wie schön! Einer, mit dem man hinausdenken kann in die Ungewissheit."

"Komm rein, Dr. Smirc, alter Esoterik-Sniffer, glaubst Du, dass Du Gott oder mich heute besser von der Wiedergeburt überzeugen kannst? Ich hab da einen guten auf alt geharzten Rioja 68."


Sacra! Dahinten kommt Zwick!

Samstag, 12. Oktober 2013

Boris schreibt



Die Überzeugungskraft schwarz glänzender Strümpfe gegenüber dem Fernsehphilosophen. Roth dagegen findet er lähmend.
*
„Andere gehen zum Psychologen.
Ich schreibe ein Buch.“
BB

Plopp, Satz und Spiel dem Kenner von der Schlagzeile. Die Tomaten des Bodyguards erröten.
Es wird schon kein unlösbares Sudoku vom Tennisball sein.
Goldwaage kracht ein, Brechstange zu grob bei Betonerweichung.

Dr. Smirc zum Psychagogen und Placebobomber Dr. Warnix: "Wären die Super-Autoren doch statt zum Agenten zum Psychologen gegangen!"

Dr. Warnix: “Lass sie doch schreiben! Du bist nur neidisch auf Erfolg. Komm doch Du mal bei mir vorbei. Dann machen wir mal Hype,-Hyper, Buchmesse! Vor der Einsamkeit graut doch uns allen. Was will er aus den Besenkammern seines in den Ruhm hinausgejagten Ich erzählen, das einer verstehen könnte, der nicht Psycholog ist.-“

Zwick kommt vorbei. Er denkt daran, wie Boris von Sieg zu Sieg flog und wie alle begeistert waren. Und was für ein großes Gefäß doch die Begeisterung für Neid ist.
Gott klopft ihm auf die Schulter:“ So gefällst Du mir. Willkommen in der Ewigkeit!“ An die ganze Truppe: „Kommt ich gebe eine Runde Applaus aus!“

So endet der Tag noch ganz erhebend und ich weiß: morgen früh brauche ich doppeltes Triptan.
12.10.13



Sonntag, 6. Oktober 2013

Diva Oblast Edessa

Aus den Schlamm wolkenden Wassern des Alltags taucht sie auf. Das dunkel gebeizte Ledergesicht einer Mumie unter dem schwarzen Lack einer Sonnenbrille. Die Hände in lila Strick, die Beine in metallenen Moonboots geschützt vor den beißenden Sonnenstrahlen.

Pieta Illkinnen aus Helsinki spielt das Rondo von der schönen Amelie in den Torfmassen des vom zu häufigen Genuß schwarzen Afghans ausgedörrten Gehirns. Zwischen den tief eingedrungenen goldenen Lichtreflexen klingelt das IPhone der Tochter. Ich sehe ihre nach Art von Gundula Mouse geschminkten Lippen, den von Wichtigkeit triefenden Blick, der das Locken und Herrschen gewohnt ist. Du kennst doch auch den Tonfall von Asoz-Rtl, mit dem sie jetzt über ihre Mutter her fällt:"... Auf Arbeit ist auch alles eklig. Da sitzt schon Eine, die alles macht. Ich habs satt. In München, da zwischen Vlad und Bahnhof, hab ich mir n kleines ausgesucht, mach ich mich selbstständig. Hab schon verstanden, brauchst mir nicht helfen, nehm mir ne Tagesmutter. Doch, dooch, hast mir schon gesagt, dass es Dir nicht recht ist, dass ich es doch der Schwiegermutter geben soll. Schon klar. Aach, jetzt komm mir nicht mit Deiner Eifersucht! Ja natürlich, natüürlich! Warste doch schon immer..."

Unter den stracken braunen Haaren liegt die orangene Decke aus dem Ashram. Von den Steinsitzen her dringt der Geruch von Fisch aus Plastiktüten, von unten das Rauschen und Verrauschen der Wellen, das Heran- und Wegwehen von Kinderstimmen. Eine Schulklasse übt Meereskanu. Bunte Japaner mit zum Teil vertrottelten Sprüchen auf schwarzen T-Shirts staunen, lachen, fotografieren unkomplizierter als wir Eurotouristen.

Nun geschieht volle Konzentration auf Gott in einer Diva. Da knackts in den Chakren. Ein Lächeln zerreißt das Gesicht. Volltreffer ins Herz  unserer verlorenerTräume.

6 . 10 . 2013. Klaus Wachowski

Donnerstag, 26. September 2013

Kevin hat Angst

Er soll den doofen Melander verhauen und zum Beweis dem Alten sein Handy mitbringen. Aber Kevin ist nicht stark. Und Kevin hat Angst.
Jetzt steht er vor dem Zaun und sieht den Kindern des Grafen zu. Nicht dass er gerne tauschen würde.  Auch im Fürstenhaus wohnt die Gewalt zwischen den Wänden. Er sieht den farbenfrohen Aufzug gerne. Wie Blüten im Frühsommer, wie in den Herbst fallende Blätter, so treiben die Menschen durcheinander. Als gäbe es in diesem Bezirk keine Schläge, kein Gebrüll.
Sie fahren Dornröschen herein. Sie öffnen den gläsernen Sarg. Ein rotes Stück Apfel fällt aus ihrem roten Mund. Der schöne Prinz nimmt die schöne Prinzessin mit auf sein Zimmer. Roy Black, ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß.
Er sieht den gestiefelten Kater die dummen Gänse in den Sack packen, den Chefadmin des Internet. "Freiheit", rufen die Piraten und rennen in die schwarzen Schläuche. Nein! Kevin möchte nicht über den Zaun.
Ein irgendwie großer Mercedes fährt aus der Einfahrt. Das Gefühl ist irgendwie grau wie arme Kindheit. Aus dem blauen Himmel über Grün singt plötzlich eine Vogelstimme. Das Gefühl ist wie Kindheit.
Hinter dem schwarzen Wagen klingt gehässiges Lachen hervor. Die Schlägertruppe. Jugendbande von rechts oder freier Brutalmix. Kevin denkt an den Brutalvater und geht in die Seitengasse. Straße frei für Gewalttäter.
Dann kommt das niedrige Haus mit der schmalen Stufe. Man sieht Aschenputtel Erbsen zählen.
Wenn ich Kevin so das Mädchen betrachten sehe, kann ich seine Gefühle gut verstehen. Auch er würde lieber hier in der Asche liegen und arbeiten als all diese Nichtigkeiten ausführen, die einen Jungen so weit weg aus dem Wunder ins Wichtigtun tragen.
Er fühlt sich ein in die Aufmerksamkeit einer sanfteren Seele, spürt die Kraft einer friedlichen Bewusstheit. Er geht weiter.
Die Straße wird steiler, die Häuser werden selten, die Gärten kommen. Hinter dem Hügel poltern die Riesen. Er biegt ab in Richtung Schwimmbad. Warm und still lieg das Becken vor dem einsamen Besucher. In den grünen Tiefen liegt eine golden schimmernde Kugel. Prinzessin sitzt da, zieht ein schiefes Mäulchen und bittet ihn, das Ding heraus zu holen. Dieses Habenmüssen stört ihn doch sehr. Was liegt an schweren Dingen? Er wirft seinen Totschläger dazu und geht.
Er hört zwei wütende Stimmen. Eine hört sich an wie der Alte. Wie schön, wie einfach ist es doch, einfach weiter zu gehen. Jahrzehnte später noch wird er das Gefühl haben, seine Mutter im Stich gelassen zu haben.
Am Friedhof bereitet er sein Lager. Sterne und die Stimme eines Nachtvogels. Man muss nicht essen, wenn man nicht unbedingt weiter leben will. Es ist noch warm in der Nacht.
Auch Diktatoren liegen plötzlich als alte Männer mit trübem Blick im Todesraum. Kevin geht scheu an seinem Schicksal vorbei.
Jetzt wäre eigentlich Zeit für das Glück aus einem Märchen.
26.9.2013 Klaus Wachowski


Dienstag, 10. September 2013

Alte Bekannte

Gut wieder mal etwas von Dr. Smirc zu hören.Der Herbst ist ihm so die rechte Jahreszeit für eine Freudendiät.

War der Sommer doch übervoll an so genannter Kommunikation. Da ist etwas Spassbremse an den Herzklappen recht erholsam. Der Psychagog Dr. Warnix hat ihm folgerichtig Gummibärchen aus cross gekochten Demenzknochen verschrieben.
Man hofft ja nicht gerade auf Selbstmord zum Al.Caida-Rabatt,  aber etwas Zwangsverkostung in Weinprobierbuchten kann man nach den Wellnes-Schlachten in super Locations schon gebrauchen.

Je näher die Buchmesse kommt, umso strenger schaltet das Feuilleton vom Schonwaschgang für Labyrinthiker um auf Hass aus naturnahen Schwefelquellen. Ein früher Spaziergang durch die von Patienten über quellende Stadt stimmt den sehnsüchtig Bewegten auf gedeckte Schlagerlegenden des Chris Roberts ein. Der Flow kommt als ein ausgebremster Thrill.

Dr. Warnix berechnet den Aufschlag zum sogenannten Freundschaftspreis. Der Wetterflüsterer wirft eifrig seine Arme unter die Zuschauer. Der Regen beginnt.

9.9.2013 Klaus Wachowski

Mittwoch, 4. September 2013

Synagoge in Mainz



In der Synagoge Mainz liegt ein von mir verlorenes Lächeln. Es hat seine Kippa verlegt, aber Gott ist kein Unmensch. Von Protestanten ist er so einiges gewohnt.

Was mir gefällt, das sind die Buchstaben auf den Wänden. Sie sind wohl aus den Gesängen eines Chassiden wieder auf die Erde gefallen. "Ich werfe Deine Buchstaben hoch in die Luft". Aus der Erde leuchten die Buchstaben Deines Namens. 

Was ist eine Religion wert, die dem Kind die Träume austreibt? Ich hoffe, dass die Deine genügt. Sind nicht Träume neben der kritischen Vernunft das Einzige, was Ideologie und Inquisition widersteht? Kräfte des Ich, die im Du das des Wunders erkennen.

Das kann auch der Atheist, der seine Sehnsucht nicht mit Namen rufen will.

Wie leicht wir darüber reden in einem Raum,  der auch das Vermächtnis ausspannt! 
Der Zadikk von Drohobytsch schickt einen Gruß:
Lasset die Kindlein zu ihm kommen. Und wehret ihnen nicht. ..      4.9.13

Montag, 2. September 2013

Ramsen

Aus dem Wartezimmer für Kassenpatienten des Todes ruft E an. Sie hat eine wichtige Mitteilung über ihren selischen Zustand. Ihr Vertrauen auf Aufmerksamkeit, wie wertvoll. Wenn sie mit D spricht, scheint sie sich doch nicht - wann gehst Du endlich?- abgeschrieben zu fühlen. Sie wird sich nicht mehr dazu aufraffen, heraus zu kommen. Aber es sieht auch nicht danach aus, als ließe sie sich abführen.

In der Nervenklinik tigert Wernie hin und her. Der brennende, gierige, verlassene Blick trifft auf fliehende, ängstliche, verlassene Blicke. Mein Name Bushido!... Aha. Wernie zieht einen Tisch weiter.

Dr. Warnix ist in die Untersuchung eines Gesamtkunstwerks auf okkultes Blut vertieft. Die Verblödung des intelligenten Sektors mit Musik und romanhaftem Alltagsgeschwätz schreitet voran. Man hat kaum noch Zeit, sich um die Landlust der NPD zu kümmern.

Verkaufsoffener Sonntag in Ramsen.

CDU, SPD und FDP, umgekehrt oder umgekehrt stehen in der Fußgängerzone und verteilen Flyer. Tote Schaufenster gähnen in den Strom der erlebnishungrigen Einkäufer, die nichts des Aufhebens wertes mehr finden können. Es riecht leicht faulig nach Frankfurter Buchmesse. Müdigkeit senkt sich in die Herzen. An den Cafe'-Tischen laufen die Gespräche aus. "Wie heißt der Kandidat noch mal?" "Es ist eine Frau!" Aha. "Würdest Du Dich lieber unter der SPD ärgern?" "Und Du? Weiter hören, dass Du selbst schuld an Deiner Armut bist." Familien- und Bildungswahn blicken tief in den Aperol. Auch sie waren einmal - Achtundsechziger. Jetzt steht ihnen das Gefühl Überflüssigkeit ins Gangbild geschrieben.  Sie diskutieren die Themen des ideologischen Managements, als wären es die Eigenen. Dann fahren sie in den Baumarkt der Prozente, die passenden Dübel für  die neue Depression besorgen.

 Ein 7-Jähriger hüpft vor dem Tisch auf und ab. Der Luftballon ist von der SPD, die Zahnspange von der Privatkasse. Ein Lichtstrahl fällt auf die Wespe im Bitterino. Was wäre der Platz ohne all die nervenden Alten?

Die Parteien bauen ihre Stände ab. Der Markt schließt. Die 68er Rentner gehen hinüber in die Festabteilung.  Das Handy vibriert. Unbekannt. Eine Mitteilung aus den letzten Tagen der Einsamkeit.

Wie schön, wie kurz das Leben.   1.9.2013

Mittwoch, 28. August 2013

Dr. Warnix ist auf Herbst




Herbst
Dr. Warnix, Psychagog und Traumschleifer hebt das Glas und ruft einen Trost aus: Die Blätter fallen, die Blätter fallen! - was jammerst Du? Das ist doch: Licht in den Kronen und Sichtbarkeit der Früchte. - Die Schwalben fliegen, die Stare kommen aus einem Himmel, der immer weiter wird, über ein Land, das sich öffnet. Die Nachbarn ziehen wieder in ihre Häuser ein, es klappert geschäftig und lustig aus den Fenstern erklingen Gespräche.
Smirc schüttelt den Kopf: Dein Optimismus nervt. Du musst die dunklen und nassen Tage doch nicht schön reden: wo die Menschen in ihre Häuser und die Schwalben in den Süden flüchten. Ich sehe graue Horizonte, Schlamm von Unten, ich friere und meine Herzklappe setzt Schimmel an.
Gott läuft vorbei auf der Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft. Er wirft eine Quitte hoch.: Herrrr Dr. Smirc! Meinen Sie denn nicht auch, so ein Landregen Egoismus sei trüber als so eine Ansicht? Die Stadt ist wohlgefüllt mit Schwangerschaften, die Wand mit hübschen Urnen. Und sieh, wie fröhlich radelt doch der Abgeordnete in den wohlverdienten Ruhestand.
Klaus Wachowski 28.8.2013