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Sonntag, 27. Dezember 2009

Fünf auf dem Weg

Was ist der Helden Ruhmeshall gegen das zitternde Kind im Stall?

5,sagt man,gehören zur Freiheit

In der Zeit des großen Schlachtens trafen sich fünf in Ruinen.
Eine aus den Entwertungen der Kindheit,
Einer aus dem Hass der Religion,
Eine aus den Verfolgungen der Rasse,
Einer aus der Gewaltherrschaft,
Eine aus den Lügen der Schulen.

Unter den Himmeln der Ewigkeit betrachteten sie den Größenwahn der Familien, Cliquen, Vereinigungen und ihrer Führer. Sie hörten das Brüllen und das Flüstern der Menschenhetzer.

So schworen sie einander Liebe und Nächstenliebe. Sie zogen hinaus unter Kriegen, mordenden Fabriken, Lagern, zum Morden rufenden Lehrern, Priestern, Herrschern.

So arbeiteten und liebten sie. So gewannen und verloren sie Glück. So erlebten sie die Herrschaft des Hasses und das Erwachen der Vernunft, und neuen Hass.

Und unter neuen Ruinen treffen sich vier. Eine war früh gestorben. Sie sehen in die Weiten der Ewigkeit. Nun werden sie bald erlöschen. Aus den Vulkanen des Hasses strömt weiter der Hass. Die Blutsümpfe warten weiter geduldig auf das Fleisch begeisterter Jugend und ihrer Opfer. "Reinheit", ruft und flüstert es, "Größe" und "Gerechtigkeit". "Gott", predigte Mörder und Völkermörder. Und verzweifelt und gierig suchen die Krallen des Ruhms in den schwarzen Wassern.

War es ein Glück, frei geboren zu sein? Was war über die Freunde gekommen, dass sie sich so begeistert in die hundert Ausfaltungen des chiliastischen Wahns stürzten, um an Weltenplanen, Wahnen der Zerstörung mitzukämpfen?

Sie nehmen den Tod nicht ernst, wie sollte Geboren-sein ihnen Wert sein? Sie werfen sich weg, um töten und tot sein zu dürfen und ein erhabenes Bild mitzunehmen ins - Nichts. Das Wunder Leben, das ihnen geschenkt wurde, zertreten sie, um Menschen, ihren Befehlen und Vorstellungen nachzukriechen, und nichts macht ihnen mehr Angst als das Wort Freiheit. Schauspieler ohne lebende Seele , die einen gewaltigen Eindruck hinterlassen wollen, wo sie nicht - sind... Sie morden, versuchen in Explosionen, Botschaften und Gräueln gegen das Vergessen anzugehen, mit dem der Tod die Ewigkeit, das Leben wieder instand und Freiheit wieder ins Recht setzt.

Was ist das für ein Stolz, den Tod nicht zu fürchten? Verachtung des Lebens, des Menschen, der Liebe. Hass vom Stolz. Herrschaft vom Größenwahn.

Eine aus den Entwertungen der Kindheit, sagte: "Sie wollen größer sein, als Menschen und rufen "Gerechtigkeit"".
Einer aus dem Hass der Religion: "Sie setzen ihr Wort an die Stelle des Wortes und rufen "Gott"".
Eine aus den Verfolgungen der Rasse: "Sie hassen den Menschen und rufen "Reinheit"".
Einer aus der Gewaltherrschaft: "Sie morden und rufen"Frieden"".
Die aus den Lügen der Lehren hatte eine Nachricht hinterlassen: "Sie morden und rufen "Wissenschaft"".

Sie gehen auseinander. Ein jeglicher in seinen, eine jegliche in ihr Leben und Tod. Am Rollator, am Arm der Geliebten, auf dem Weg der Einsamkeit und auf dem des Glücks gehen und schlurfen sie.

Lege die Hand aufs Herz: Könntest Du im Raum der Ewigkeit eine unbekannte Vergänglichkeit leben?

Das wäre die Freiheit,
zu der Dich jeder denkbare Gott verführen möchte,
der die weniger großen als berührenden Dichter nachreisen,
der die Menschen von Zeit zu Zeit die Hoffnung auf Republik errichten.

Sieh in dem gewaltigen Panorama der Geschichte, der großen Geschäfte und Schlachten den Spatz in der Pfütze. Und in seinem Auge den Reflex eines Sterns aus der Ewigkeit. Wenn die Priester der Reinheit ihre Hassgesänge erheben und die Stiefel des blutigen Gehorsams aufs Pflaster knallen, nimm Dein Herz und mache Dich auf zu den Ruinen.

22.12.09 Klaus Wachowski

Samstag, 5. Dezember 2009

Märchen

ein Auszug aus "Märchen"

Vic aus Rußlanddeutschland sieht die Sonne den Abend über dem Donnersberg ausbrennen. Die Schwärmereien seiner Eltern über die Weiten Kasachstans und die Parolen seiner Brüder knallen als morsche Dielen auf den Betonboden der Erinnerung an eine schmutzige Kindheit. Er braucht Platz zum Träumen und räumt seine Liebe frei von den familiären Hysterien und Katastrophen. Er denkt an Ayse, die Freie, die ein Kind von ihm erwartet.

Sie haben zusammen den Schleier verbrannt und sind auch aus den idedogischen Gefängnissen geflohen, die ihre Familien Kultur und Tradition nennen. Sieh! Der dunkelblaue Wolkenstreif, um den die Liebe ein rotes Flammenband zieht. Er spürt wie sich die Einsamkeit aus dem Abendrot mit Wärme füllt. Er schickt seine Gedanken an seine Freundin, die sich nun im Frauenhaus auf ihre gemeinsame Zukunft freut.

Seine Sehnsucht geht nach einer neuen, fremden und kalten Stadt des Anfangs, in der der Slang seiner Leute klingt wie das Gemütsfurzen eines Dialektgedichts. Wie wohl der Blick aus dem Fenster Chance sein wird?

Auch Ayse will fremd sein unter Fremden. Ihre Einsamkeit sehnt sich nach anderen Gesprächen. Kurdische Markklöschen oder pfälzer Blini, das Leben ist kein Saumagen. Aus dem meerestiefen hellblauen Himmel leuchten neonrote Wolken-streifen. Sie erinnert sich an das Bild dieses französischen Malers Monet. Wie hell die Einsamkeit hinter den Birken das gelbe Feld empfängt! Hier aber sind Regenspritzer, kahle dunkle Äste und in die Nacht stürzendes Grün hoher Nadelbäume.

Menschen huschen vorbei. Er sieht schwarze Hosenbeine, hört das Klacken der Stöckel, man eilt aus dem Leben ins Geschäft. Auch er wird dazu gehören. Das Schweigen der Vögel legt sich in die kaltfarbenen Straßen des Winter....

3.12.09 KW