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Samstag, 13. September 2008

Eine Giraffe für Karl Lagerfeld

Pinke Giraffe vor dem Horizont
There is friction in the space between. Sometimes a lie is the best thing.
(frei nach Tracy Chapman-Telling Stories)
Welches sind Deine Träume, und: bleibst Du jetzt für im-mer bei mir?
Ich erwache aus einer sommerlichen Ermüdung in einem geschäftigen Herbst. Blau tagt der Tag. Die Blätter zittern im Wort des Windes Ewigkeit. Die Einmaligkeit des Lebens singt im Ratschen der Rollläden, im Schimpfen der erschreckten Amsel, im Aufprall des faulen Apfels, im Brausen der Autos und in der Erlösung der in mich einströmenden Luft.
Damals sagte das Licht zu mir: Geh in das Leben. Es ist schön. Ich glaubte, gemeint sei Zukunft.
Ich sehe den 11. September. Im Schrecken des Menschen Wert und Welt.
Die Lichtstreifen im Himmel drehen sich umeinander, ineinander. Aus dem Wald schimmert die grüne Höhle Deiner verborgenen Wünsche aller liebenden Gemeinschaft. Von den Baumwipfeln senkt sich der Frieden aus Giraffenaugen. Golden glitzert es auf dem rosa Leib.
Dann geht Ihr Hänsel und Gretel in die Landschaft hinaus. Am Fluß wartet der sanfte Elefant auf die Elenden der Welt. Und Jesus bricht das Brot, und Rosa Luxemburg streichelt den blutenden Ochsen.
Eine Mutter fährt ihr Spielzeugkind zur Schule. Das wird mal ein guter Roboter, der seinen Erfinder überwindet. Ein Hund bellt aus dem Haß eines unterdrückten Herrenmenschen. Der Elefant macht einen Paradigmenwechsel, der Kanzler legt sein Bio-top ab, greift ins Hack mit Zwiebel und macht wieder auf 68. Die Supergebärende von 59 geht zurück in den Brutkasten, das Management in den Bierpool, Universal soldiers des Kartells. All diese Betriebswirtschaftsnudeln: Vom Schreibaby zur Bollywood-Schachtel.
Ich liebe pinke Giraffen und ihre Freunde in Barbie-Grün. Sie studieren Sozialarbeit und aus ihren Handtaschen lächelt verschmitzte Betriebswirtschaft. Mit 40 bricht plötzlich das Ich aus, die Körperpflege und das Lesen von Romanen. Ferne Welten, ersehnte Lieben aus der Haut einer rosa Giraffe.
Ein Rudel Spielzeugkinder hüpft vorbei in die Frühherbstsonne. Großeltern träumen unzutreffendes Glück der Erinnerung unter Kinderhimmeln. Der Kaffee löscht Bitterkeit in süßer Bitternis. Feucht glänzt in der Sonne eine Unterlippe pink. Welches waren die Küsse?
Die Heimat der Götter versinkt in einem Lichtermeer. Eva in der Wanne vom goldenen Wasserhahn spürt das Einströmen der Reiselust ins Rentenalter, als ein Post-68er Trockenstraus auf dem vergessenen Barocktischchen einer vom Wort des Windes Ewigkeit ausgedörrten Liebe auf den ersten Blick. Die pinke Giraffe beugt sich vom Horizont herab, Dich küssend zu erlösen.
Alles wird gut: Gott schlägt Boris Becker im Dritten Satz 3:0. Deutlich ist sein Faltenhals zu erkennen. Yasunari Lagerfeld kommt wieder in den 68ern an. Das Verfassungsgericht sagt okay zum Pferdezopf eines selbst sein wollenden Polizisten.
Der Sikh rollt seinen Turban aus. Brauchtum hat auf der ganzen Welt einigen Geruch. O Zillertal, O Taliban!
Der Schlagersänger bemerkt, dass der Weg zum Regenbogen durch das Tal der Einsamkeit führt. Er bietet der mehr und öfter weniger schönen Bier und Wein auf dem Sofa. Sie hat natürlich gemerkt, dass er auf einen vergrabenen Goldtopf spekuliert und von der Einsamkeit Meer verschlungen werden wird. Sie läßt sich sein Schmeicheln und faules Streicheln gern gefallen und schickt ihn, bevor er sich in weichen Pfühlen beweisen muß, zurück in die Hitparade.
Die pinke Giraffe hat einen 3-Tage Bart. Sie möchte die Autoschlange vergessen. All diese japsenden Blicke, all diese Rottweiler und Genuß ins Genick beißenden Katzen auf dem Weg zum Autoschalter des Schlachthauses. Party und Lynchparty der wunschlos glücklichen vom Wiener Schnitzel. Ein Schrei:“ Oozabfd iis!“ –, es kracht wie Knochen. Der Himmel bekommt einen fürchterlichen Riß im Display.- Und sie fragt sich mit Virginia: Gibt es Geschichten?
Hinter den Wolken das Antliz der barbie-grünen Schwester. Und hinter ihren Flügeln vom Traum plötzlich der Elefant. Die rosa Giraffe beugt ihren Kopf herab in Deine Tränen, meine kleine Schwester vom Rand der Wüste, die kein Medikament rettet, weil der Forscher in die Abrechnung statt ins Mikroskop guckt.
An den Blättern zeigen sich erste Verfärbungen. Rot. Rot blühen die Rosen am Strauch. Rosa wiegen sich die feinen Blüten der Mimosa Jerusalematis. In den Grüßen der Menschen liegt wieder Wahrhaftigkeit.
Die Ouse rauscht auf. Aus den Wellen ragt der Kopf einer Giraffe von pink.
"Und dann kriegste 20 Millionen, brauchste nie mehr arbeiten." Lege Deine Schuld in einen brennenden Tränenfluß und gehe nackt dem Wind des Atahualpa Yupanqui entgegen.
Der Bademeister im DP-Camp Föhrenwald stellt sich als SS-Mann heraus.
In der Scheibe des Regenschutzes, -edel gibt sich der Mittelstand- sehe ich mein gelbliches Gesicht. Wie lange noch? Ich rede fern am Telefon von meinen Erfahrungen als Kämpfer gegen die Entwerter und gegen die Mißbraucher von Macht. Von Mißerfolg und manchem Gelingen. Von Fehlern und Schuld, von Reue.
Du bist schon auf dem Weg. Du hörst zu, aber Du sagst auch das Eigene. Froh höre ich in Deiner Stimme Zaghaftigkeit und die Absicht, sie zu überwinden, Sensibilität und den Wunsch, sie Dir nicht nehmen zu lassen. Ich höre den Rhythmus des Herzens, der durch die eine Seite des Flusses Mensch klingt. Singe auf unserer Seite des Chores.
Du aber halte weiter fest die andere Sehnsucht nach eigenem Raum für Dich und all die Freien, auf den Wanderungen der Freien. Lass uns das Leben springen sehen unter der Sonne, im Regen und zu den Sternen...
Du schließlich schütze es, so gut es geht, und Achtsamkeit gewähre Dir Unterstützung, vor den Schrecken von Unglück und Schicksal! Ich wünsche Dir aufmerksame und fröhliche Nachbarschaft, Verläßlichkeit für Vertrauen im Chaos Leben.
Ich höre das Lachen der Macht. Ich atme die Luft der Freiheit. Die Liebe berührt meine Sehnsucht. Eros aber verschlingt mich.
An der Schneewand des Yasunari Kawabata erwache ich. Es glitzert von tausend winzigen Stichen aus Reflexen des Sternenlichts.
Ich nehme Deine Hand und lege sie in die des sanften Elefanten. Dunkel erhebt sich sein Schatten aus Deinem Vertrauen. So gehst Du vor ihm ins Tal. Es duftet nach Blüten, Früchten und einer verborgenen Ecke Kindheit. Dort warst Du frei. Dort wirst Du Teil sein von Freiheit und Gemeinschaft der Menschen.
Kehre zurück in die Sehnsucht vom Ursprung her. Auch ich fühle es.
Pinke Giraffen versammeln sich an einer Wasserstelle mitten im Horizont. Eine Herde Elefanten gesellt sich dazu. Friede erhebt sich aus Afrika. Eine pinke Giraffe für Karl Lagerfeld.- Und Dich.
13.09.08 Klaus Wachowski