Sonntag, 16. März 2014

Dr. Smirc gießt frühe Blumen

Dr. Smirc gießt frühe Blumen. Krokusse lila und gelb und blau strahlende Putinaken. Auch einige an den Blatträndern angefressene, rot-weiße Schliwizen sind schon aufgegangen. Aus dem Himmel fallen ein paar verwehte Spritzer, aber auch das Glitzern von Sonnenstrahlen aus reflektierenden Zweigen fließt in die geöffneten Sinne und heilt die Verbrennungen der Winterdepression. Überall der Herzschlag des hervorwachsenden Grün,das Krabbeln unter Chitinpanzern, die Reste der Melodiefasern von Meisen und Amseln, die Blicke des Tiers aus dem Gebüsch. Ich bin Teil von Allem...

Dr. Warnix, Psychagog und Nachbar, legt den Sommerreifen ab und kommt herüber geschlendert: "Na, Jacko, was meinst Du zur Krim?"

"Ach weißt Du, ich rauche schon lange keine Reemtsma mehr!" "Aber hallo! Arno Schmidt und russische Kriegsgefangene, das Thema ist doch nicht Krim, sondern Norwegen und Keiner weiß was genaues davon."

Smirc schluckt seinen Ärger hinunter. Sie wollen einfach nicht wissen. Aber am Blutfluss Ukraine die deutsche Unschuld heraushängen, das ist schon pfui Teufel. "Mein lieber Herr Dr.! Ich freue mich, dass endlich wieder Leben in die Natur kommt. Und Du schiebst mir diese düsteren Geschichten von Herrschaft ins Ohr!"

Warnix nimmt den Kreuzschlüssel wieder auf. Ja natürlich ist es nicht schön, wenn die Freiheit sich wieder unter einen Frieden der Gewalt beugen muss. Aber kann man in so miesen Zeiten nicht wenigstens ein Wort der Zustimmung von einem befreundeten Nachbarn erwarten? Diese Reifenwechsel fallen ihm von Jahr zu Jahr schwerer:"Schau mal, Jacko Iwanowitsch!  Ein Regenbogen! "

Gott sieht,wie in ihren Gedanken das Bild von Rußland wieder grau wie sowjet, schmutzigbraun wie rechts und schmutzigbraun wie Schwulenhass wird. Schwierig, da die andere, die Wyssotzki-Seite, die Gärten Tschechows, die grünende Freiheit in den Herzen der Wenigen und Jungen zu glauben. Er wirft noch eine Ladung Schnuller in die Hoffnungen und Depressionen der Krim. Er spült eine ganze Generation Zeit mit Wodka der Marke Da-war-ja-nix hinunter. Er sät Gras, Zwetocken und Vertrauen in die Zukunft.

Der Rußlanddeutsche Vitali geht vorbei. Er zieht die Ärmel seiner Russia-Jacke gerade. Das waren noch Zeiten!

Die Herren Doktoren sind zu sehr in Bestaunung des Himmels versunken, als dass sie etwas bemerken könnten.
Warnix spürt dann, wie ihn der Reifen ruft.
Dr.Smirc verliert sich in Betrachtungen der Ewigkeit. Die Wolken werden weiß und rund. Es ist wie Frieden unter den Menschen. Man wartet geradezu auf das Läuten der Glocken und die aufheulende Kreissäge des Nachbarn von der Sehnsucht Arbeit. Ein scharfer, bittersüßer Duft von Weißdorn zieht durch die Siedlung.

Babuschka zittert leicht, als sie der Uniform ihren Zettel zeigt. Wer glaubt noch an Osterhasen aus Sotchi?

KW 16.3.2014

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