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Montag, 20. August 2012

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Ich hörte die Testament-CD des Johnny Cash und ich fühlte, ich müßte sprechen.

Sie sagen:"Du lebst noch vierzig Jahre", hoffen das auch für sich und glauben nicht daran. Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen für das, was Du bist und warst, für das, was Du gewesen sein wirst.

When the man comes around, the hairs on Your arm will stand up. Da wird kein Unterschied mehr gemacht, der Weise wird stolpern, die Krone wird zur Erde rollen, der Stab des mächtigen Hirten zerbrechen. Und das Feuer wird sein im Dornbusch.

Kleiner Bruder Johnny. Es tut weh, wenn Du Dich Dir weh tust, um etwas zu spüren. Und Du kannst die Dornenkrone nicht mehr herabreißen, die Du Dir aufgesetzt hast. Wie verzweifelt wolltest Du! Wie verloren legst Du jetzt ab!- Alles

Nein, lass das hier ist kein empire of dirt sein. Ist es nicht das Einzige, was wir haben und nie mehr haben werden?

Meine Freude hat Falten und auf meinem Wissen zittern graue Haare. Da ist Leben und Liebe. Es war nicht falsch danach zu greifen, auch nicht, es in dieser gierigen Art zu tun. Lass uns den Zorn vergessen, der uns für Liebe entzweite.

Du wirfst den Becher hin, während Du gehst. Während Du fällst. Ist das nicht die Haltung, in der Du jede Party verlassen mußtest?

Ich nehme Dein Vermächtnis of dirt an. Und ich werde es nicht in eine glückliche Realität umphantasieren. Es ist meines Bruders Wert. So wird es mir helfen, die zahmen Schatten in meinem Garten mit den düsteren der Nacht zu verschmelzen. Und das Licht wirdverlockender sein.

Ich werde nichts zurücklassen, und alles. Das Wissen des Sokrates und die Schmerzen des Eseltritts. Die Schwäche und die Sehnsucht der Liebe. Und alles, was nicht mir zugehört.

Und die Haare auf meinem Arm werden sich sträuben, wenn der Mann kommt.

*
Da sind Vertrauen, Hoffnung, Liebe. Aber die Liebe ist das Tiefste unter ihnen. Und Johnny Cash singt:"The first time ever I saw Your face."

Sehnsucht der wilden und schmerzenden Herzen. Was wir haben, verlieren wir. Darum: Laß nur die Gerechten gerecht sein, die Ungerechten ungerecht, die Selbstgerechten lächeln. Die Krummen laß krumm sein und die Gierigen mache nicht zu Asketen. Gott ist nackt.

So sprach der Tote zu mir.
*
Dann aber öffnete ich die Augen und sah das Jetzt. Und ich legte meine Kommentare zur Seite und öffnete die Fenster. Im Himmel begrüßte mich das Blau meines ersten Tags.

19.08.12


Dienstag, 7. August 2012

Maurice 2012


Aus der Tür fällt Licht, an der Tür steht der alte Maurice. Man erkennt es am Aufglimmen der Zigarre und an Reflexen eines Weinglases. Ob er zurückdenkt an die Zeit, in der noch Kinderlachen, Geschrei und Singen waren?

Jetzt lauscht er ins Haus, aus dem eine CD von Brel klingt, dieses Sichaufbäumen einer glühenden Sehnsucht. Trauer ist dem Herzen näher als Freude.

Die Nachbarn sind etwas zurückhaltend gegenüber dem seltsamen Alten. Er aber fühlt ganz und gar nicht seltsam, sondern sich in tiefem Einklang mit dem, was das Leben ihm übrig gelassen bzw. das es ihm geschenkt hat.

Die Zigarre glüht auf, Brel singt ein Weinen. Er aber sieht wie die Deutschen seinen Vater vor der Dorfkirche erschießen.

Er sieht die verregneten Feldwege der Befreiung, die ausbrechenden Romanzen einer sich bedenkenlos in Hoffnungen werfenden Jugend. Er erinnert sich an die Stabilität gebende Arbeit. Er sieht Zuneigung und in ihr aufwachsende Liebe. Er sieht Liebe, Glück und den Schmerz über deren Verlust.

Oben öffnen sich die Wolken für einen runden Mond und zwei Sterne. Es wird kühl. Er geht hinein.

Klaus Wachowski         07.08.12

Donnerstag, 2. August 2012

Wenn der Hahn kräht

Welche höhere Kultursendung er wohl für diesen Sonntag als Höhepunkt ausgesucht hat? Ich höre mir interessiert ein anderes Hähnchen an, das auch mal ein mittelfettes Schweineschnitzel hinunter bekommt.

Weißt Du noch am Gardasee? Aber natürlich ist er runtergefahren und hat Karlheinz abgeholt. Wie lang sind wir gefahren? Zwanzig, vierzig Stunden? Jedenfalls unheimlich lang. Wir konnten ja nicht über die Autobahn.

Sieh die grauen Haare, die Finger, die schon öfter mal zittern. Ich sehe mich. Er versteht den Quatsch, den X anspricht, nicht, ist seiner Sommerkönigin immer treu geblieben. Würstchen und Kartoffelsalat, aber auch Palmen, Bier und Bild an weißem Strand.

Das Kind ist nun groß. Wir haben schon Glück gehabt. Jetzt genießen wir unsere Zeit. Weniger kegeln, mehr zusammensitzen. Der Garten bekommt Bedeutung, gute Tomaten. Warum nicht bei Aldi kaufen, tiefgekühltes Mallorca mit Zitronegeschmack, warum nicht im Baumarkt Gutes billig kaufen? Wir haben schließlich selbst so etwas hergestellt oder verkauft. Das war doch nicht schlecht!

Graue Schwaden erscheinen im Abendrot.

Wie es in Südamerika geht? Na ja, immer amerikanischer. Haben wir helfen können oder sind wir nur Teil einer Meeresbewegung? Schwimmen wir oben oder steuern wir auch ein Bißchen nach Richtig?

Auch sie steuert: ihren Garten nach korrekten Prinzipien. Der Kompost ist locker und die Beeren schmecken natürlich fruchtiger als das von fern herbeigeschaffte grüne Zeug. Wach auf die Welt reagieren.- Es gibt immer zuviel Herrschaft aber auch immer das Muß und die Möglichkeit der Rebellion. Warum soll ich mich zufrieden geben, etwa mit Dir?

Was im Land Z los ist? Was soll ich unter Leuten, die keine Hilfe brauchen? Aus einem Land und einer Zeit, in der man uns mit Hoffnung begegnete, leuchten farbige Erinnerungen des Einfachen, des überschaubaren Lebens, in dem auch ich als Person wahrgenommen wurde. Jetzt lebe ich in Kreisen der Erinnerung.

Was soll ich sagen? Man bekommt seine Freiheit und wird gleich darauf als Produktionsziffer ausgelutscht. Jetzt mache ich erst mal Urlaub mit dem Junior. Mal sehn, was ich ihm bieten kann.

Einer aus der Generation Einstieg ist sich noch nicht sicher, was wohl das passendere zum Studienschluss wäre. Sich entscheiden kann schwer werden, wenn man einen Beruf aussuchen soll, der auf ein Ich passen soll, das noch keine Gelegenheit hatte, sich dort Erfahrungen und schlechte Erfahrungen zu holen, wo es sich erst bewähren will.

Man geht über zum Wein. Man hört Klappern von Holz und Kichern aus dem Baumhaus (war diese Anstrengung nicht auch ein Zugeständnis an einen Traum?). Was träumen Kinder von zehn? Welten des Abenteuers, von Geborgenheit und Aufbruch.

Die Kerzen werden angezündet und im Wohnzimmer wird der Fernseher eingeschaltet.

Wir fahren zurück Richtung Alzeyer Kräh. Extremturnen der Barden in der Sauna Kultur. Die Plakatschichten über der Lifaßsäule Einsamkeit platzen auf. Die Bildungs- und Genußreklame rollt sich auf in verpilzten Eselsohren. Die Grundschultrojaner rufen Igitt und lutschen an supersauren Kreationen der kiosken Wirklichkeit.

Mit einem Knall fällt ein Apfel auf die Terasse und schreckt uns aus unseren Gedanken. Der Mond scheint durch dunkelgraue eingerissene Wolkenbänder und bringt ihre Ränder zu einem gold-silbernen Leuchten. Wir lästern uns weg aus dem Erleben auf freie Distanz. Aber wir achten auch darauf, die Unfairnis darin nicht zur Anschauung aufsteigen zu lassen. Wir sind Teil und schon froh, es zu sein.  Lass uns nicht verachten! Fühlst Du auch so etwas von Umarmung des Lebens?