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Montag, 17. August 2009

Happy Jack

Wenn Du zwanzig Jahre Familie warst, willst Du auch mal Ich sein. Hans hatte sein Abi, ja sein Studium in der Tasche und sprang hinaus in die Welt.
Ein Stück seiner Freiheit schnitt er für die Firma ab. Da gabs Geld, Wohnung und Auto. Wie froh unser Hans da war: jetzt konnte für sich wohnen und hinfahren, was das Herz begehrt.
Aber was für ein Glück, als er von seiner Grete genommen wurde! Jetzt sagte er zur Freiheit "Autonomie", konnte er doch ein Haus bauen, viel mehr zusammen erleben und der Einsamkeit entwischen. Und wie frei er war von der Welt und ihren Erwartungen!-
Was dann?
Da gab es Kinder. Das war ein Fest: endlich konnte er all seine Gedanken weiter geben. Was war dagegen das Bißchen Freiheit, das er dafür tauschte. Er bekam ja so viel Glück dafür.
Zogen die Kinder aus, ach da streckte er die Beine unter die blitzende Harley Davidson und freute sich wie ein Schweinehirt auf Martini. Jetzt konnte er alles Geld mit seiner Grete verprassen. Sie kauften dicke Autos und machten die teuersten Diäten in der weiten Welt. Und wenn er morgens mit schwerem Kopf beim Alka Seltzer saß, da freute er sich so laut, dass die Lehrer an den Nebentischen vor Neid ihre Kleinkinder anzischten.

Wer aber kann sich die Freude vorstellen, als er endlich, endlich in Pension gehen konnte. Es zwickte zwar hier und da, die Beta-Blocker machten flau und Grete zog zu den Seminaren der Urmutter. Aber die Welt stand weit offen und die verbotenen Äpfelchen lockten.
Wie gut er doch sein Geld angelegt und die Häuser vermietet hatte! Die Scheidung erledigte ein Tennisfreund für fast geschenkt. Er konnte seine Pflegerin aus jedem Land östlich der Grenze kaufen.
Wenn Du seinen Grabstein finden willst, mußt Du lange suchen. Die Erben haben seine Asche nach seinem Willen verstreut.
Und jetzt sag mir: Wer hat mehr Glück aus seiner Freiheit gemacht?
16.08.09 Klaus Wachowski

Montag, 3. August 2009

Ast

Ein abgestorbener Ast, auf dem keine Schwalbe sitzt. Grau ist die Rinde und von gelben Flechten überzogen. Das Zwitschern der Schwalben und das Rauschen der Autos begegnen einander zwischen den Zweigen. Das Grün der Brennnessel, ein leichter Luftzug und ein blauer Himmel voll Schäfchenwolken. Junges Kraut zwischen einem Hügel von Steinen. Ich werde müde und muß mich setzen.

Eine weiße Wicke steigt den Felshang hoch. Schräg nach oben gehen die steinigen Strukturen. Eine der Blüten, ziemlich oben, macht eine plötzliche Bewegung unter einem unsichtbaren Zug. Zwei Kohlweißlinge taumeln in dem dunklen Braun und Grün. Aus dem Fenster im Obergeschoß das Zwitschern der kaufenden Frauen. Frieden, sage einen Wunsch!

Plötzlich flitzen fünf Schwalben durch den Garten. Sie fischen in den Kronen der Büsche, über den Köpfen der Hühner nach dem Glück.

An der Futterecke riecht es nach etwas, das nicht abgewaschen werden kann und nur durch einen Umzug in städtische Bezirke vergeht.
Der Hahn kräht. Es geschieht nicht nichts.

Klaus Wachowski 02.08.09