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Sonntag, 18. Januar 2009

Sterne

Hinter der Wiese eines Märchenbildes in der Zahnarztpraxis erhob sich ein Himmel voller Sterne. Sie glitzerten über der Weihnachtsvorstellung des Tivoli und aus den Dessous eines Damenkränzchens der 50er Jahre.
Etwas Entsprechung von Dunkelheit und Verheißung ist mir aus einem viel älteren Traum gegenwärtig. Ein Schatten im Gebüsch einer Rheinwiese.
Aus der Dunkelheit einer Welle im sprudelnden Bach einer auftauenden Landschaft sprach eine Fee zu mir unverständliche schöne Worte. War es Gott?
Lange Zeit verging. Bei Perry Rhodan und in den Terra-Heftchen begegnete mir das Leuchten wieder als Sternenstaub in Zeitlosigkeiten. Ihr berichtetet mir von solchen Begegnungen in Haschischträumen. Meine Liebe tröstete sich in ihrem Glanz.
Später hörte ich Deinen Atem, später den kürzeren der Kinder - und sah aus dem Fenster in die leuchtenden Augen der Nacht. Man konnte die Fragen des kleinen Prinzen hören.
Dann sah ich Virginia, Sylvia, Anne und ihren weinenden kleinen Bruder TC. Und Viele...
Wir fahren hindurch durch diesen Sonnenstaub in die Reklamen des Discounters Tag. Und wir suchen in seinen Regalen die Software, die es uns ermöglicht, die Sterne jederzeit und an jedem Ort einzuwerfen.
Eine Vernissage voll von verschossenen Pfeilen der Sehnsucht. Eine Buchmesse von zu kurz gesprungenen Hoffnungen, die deprimiert mit Ruhm Vorlieb nehmen. Ein Waggon von Leserinnen preisgekrönter Langeweile. (Ihr Literaturklatsch aber bringt in gesunder Kaubewegung etwas von dem zum Vorschein, was unter der harten Schale der bitteren Nüsse an Geschmack und Blausäure geblieben ist.) Kinder, die mitten im Abitur träumen bleiben. Ja sogar im Dialektgurgeln des Heimatschwitz öffnet sich manchmal ein Schweigen von Stern.
Es ist schwer zu singen und zu sagen. Und auch Warten muss nicht helfen. Es kommt und geht wie die Liebe, die Deiner Sehnsucht antwortet. Unglückliche springen darauf zu, andere Unglückliche öffnen weit die Türen der Hoffnung.
Werden wir dem Wunder wieder begegnen? Die Erfahrung lässt hoffen. Ich habe vorläufig ein Staunen davon geschrieben.
Klaus Wachowski 18.01.09

Sonntag, 11. Januar 2009

Raum Australien

Blaue Nacht unter einem Sprühregen von Sternen. Der Regisseur träumt uns den Anfang eines Märchens.

Was sind das für Wanderungen der Aboriginees entlang der Traumpfade? Die Gegenwart sinkt aus der Zeit in einen von Gegenständen ausgeräumten Raum. Wem begegnest Du?

Die Experten übersetzen die Namen mit "Regenbogenschlange" oder "Schildkröte". Ich stelle mir die Liebe, die Hoffnung und Gott in den Verkleidungen eines Regenmärchens vor.

Der Vernunft klingt das ganze nach Didgeridoo, nach einem 12-Ton-Jazz unter der Schamanenstirn. Dem Traum ist es die Vergegenwärtigung des Ich über die Bindungen und Verheißungen, über Geschenk und Verlust, und schließlich über das Wunder, zum Leben auserwählt zu sein.

Der Junge sieht hoch unter der Sternennacht das rote Feuer, er hört den dünnen Gesang des Alten an die Sehnsucht des in der Welt lebenden. Ein Schamane vom Jazz einer vergangenen Zeit.

Ich sehe den anderen Alten, der den Vermummten darum bittet, auch seinen Enkel mal auf den Knopf der Rakete ins Nachbardorf drücken zu lassen. Wen willst Du sterben lassen! Ich sehe den anderen Alten, der seine sterbende Enkelin in den Armen hält. Wer wollte töten!

So weit sind die Traumpfade doch nicht entfernt, wenn aus den Nachthimmeln nur Sterne sprühen! Bevor Du in den Tag hinaus gehst, versuche den Haß von Deiner Seele zu waschen. Es ist schwer. Vielleicht hilft das Staunen eines alten Aboriginees im Staunen seines Enkels über die Spur der Regenbogenschlange.

Klaus Wachowski 11.01.09