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Sonntag, 19. Oktober 2008

Sebastian Haffner Erinnerungen 1914-1933

Sebastian Haffner
Erinnerungen 1914-1933 (DVA: ISBN 3-421-05409-6)

Ich bin immer wieder überrascht, in wie einfachen und doch zutreffenden Worten die komplizierten Zusammenhänge der Entstehung des dritten Reiches von Betroffenen geschildert werden können, die nicht den unübersichtlichen Teppich der Wissenschaft ausbreiten wollen.

Mich begeistern in dieser Hinsicht die prägnanten Bemerkungen Klaus Manns und Sebastian Haffners wie in anderer die systematischen Untersuchungen der Hannah Arendt.

Im Fortgang der biografischen Notizen Haffners fällt mir das Fehlen eines Übergangs auf zwischen dem national und sportlich begeisterten Jungen und dem von Welt begeisterten und von Werten der Republik überzeugten jungen Erwachsenen. Vielleicht ist es deshalb nicht mehr zu Lebzeiten zur Veröffentlichung gekommen.

Mir gefallen an diesem Buch zuerst die Klarheit der Auffassung , dann die Treffsicherheit der Schlüsse, Ernst des Bekenntnisses zur Republik und Leichtigkeit des Stils. Es waren nicht viele, die sich von einem Ansatz der Persönlichkeitswürde aus gegen die Herrschaft der Raubtierinstinkte wehrten. Die große Mehrheit lernte erst aus schrecklicher Erfahrung.

Gewalt und Herrschaft brauchen prunkvollen Schmuck oder schreckliche Wagnermusik, um die Vernunft zu verblöden. Wie schön muß es dieser sein, auch einmal einen reinen Kiesel blitzen zu sehen.