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Mittwoch, 2. April 2008

Bayreuther Größen 2008

Richard Wagner,
Haus Wahnwitz

Eine Gruppe afrikanischer Pfarrer vor dem Haus des Rassisten.

Die Anlage so zwanghaft gemodelt. In meiner Kindheit gab es Baukästen mit Säulchen und Fenstergewändern von ähnlichem Muster. Beklemmung der Vernunft, musikalisches Einweichen der Seele.
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Die Stadt Hof ist aus der Jean-Paul-Gesellschaft ausgetreten...
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Ich fotographiere den Glockenton einer Katholischen Kirche in Bayreuth. Die erste Frühlingssonne plastiziert das verbliebene Barock in einem milden Gelb. Jean Paul voll krass unter Wissenden. Er muß sich auf das Katzenbänkchen in der in der Villa Wahnwitz begeben, um etwas von Jean Paul zu hören. Das akademische Zergliedern seiner religiösen Nervenfasern erstaunt und amüsiert ihn. Was hat er sich nicht alles gedacht! Und recht betrachtet scheint ihm ein wahrer Kern in des Pudels Ernst zu stecken.

Aber bei der Braunbierrunde muß er sich doch Gräßliches anhören. Einer quillt auf in "deutsch, deutsch" und markgräfler Allüren zu Pöbel Fussball in Bundesbahnhöfen. Die Luft sirrt von Hartz IV und Wagnerianischen Sauerkrautexplosionen.

Wer sehnt sich da nach Elite? Der Drang nach oben, in einer Republik durchaus belebender Gärungsprozess, bekommt durch den Hass nach unten etwas panisch wagnerianisches. Die lähmende Funktion des Musikalischen erhält offenbar in Bayreuth selbst Einfluss auf die Liebhaber einer geistigen Potenz. Die Anhänger Jean Pauls wagen vor der Allüre kein Wort gegen das Vermessen der Vorzüglichkeit, gegen der Versuch mit Lohengrinsen den Einschlupf in die erste Klasse zu finden.

Jetzt durch Bayreuth gehen und Wagner vergessen. Der Philosoph Engstirner soll hier auch etwas Ich hinterlassen haben. Jean Paul aber sitzt mir im Kolping-Hotel gegenüber und schreibt gepfefferte Ananasstücke über die neue Schicht Hinaufgelangter. Einige Akademiker möchten sich eindrängeln, aber sie kommen nicht an das gesteigerte Bewusstsein von ökonomisierten Politikern, Journalisten, Kabarettisten und sogar Gewerkschaftern heran, die besonders offenen Zugang zur Talk-Show-Bühne erlangt haben und Dir vom Nebentisch aus zuflüstern, wie minderwertig doch der Mensch ist- von ihnen einmal abgesehen. Wagner hat sich auch ohne solche Umschweife an einen Fürstenbeutel gehängt. Jean Paul hasste diese ganze Clique von Festhügelscharwezlern. Hier hebt er ein wenig die Tischdecke, um zu sehen, wie sehr sie sich vor- und untereinander winden und nicht gerade ein stolzes Abbild des Menschen geben.
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Wie schön ,zu lesen, dass der Mensch wert und gleich ist durch das liebende Herz. Sie kräuseln die Lippen:“Idyll“. Jean Paul spitzt die seinen und -pfeift darauf.
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Lukas 46: Hütet Euch vor den Schriftgelehrten, die es lieben in langen Gewändern einherzugehen und lassen sich gerne grüßen auf dem Markt... Sie fressen die Häuser der Witwen und verrichten zum Schein lange Gebete. Sie werden ein umso härteres Urteil empfangen.

30.3.08 Klaus Wachowski